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Gesellschaft

Ernesto Fluni: Karl und die Kuckuckspost 

Ernesto Fluni: Karl und die Kuckuckspost
ChatGTP

Eine Geschichte über Zuständigkeiten und andere Ungereimtheiten

Eines Morgens wollte Karl wie gewohnt seinen Briefkasten leeren. Doch irgendetwas stimmte nicht. Die hintere Klappe stand offen, einige seiner Briefe lagen auf dem Boden, und mitten im Briefkasten steckte ein ungewöhnlich großer und schwerer Umschlag, der offenbar die ganze Bescherung verursacht hatte.

„Was zum Kuckuck ist denn das?“, murmelte Karl und zog den Umschlag heraus. Er betrachtete die Anschrift. Der Brief war an einen gewissen Klaus Kuckuckson adressiert.

„Klaus Kuckuckson? Hier wohnt doch kein Klaus Kuckuckson! Das ist ja wohl die Kuckuckspost!“

Karl war ein ordentlicher Bürger. Er nahm den Brief und ging zum Postshop im nahe gelegenen Supermarkt. Dort erklärte er, dass der Empfänger unbekannt sei und der Brief irrtümlich in seinem Briefkasten gelandet war. Der Mitarbeiter nickte verständnisvoll, klebte einen Aufkleber mit der Aufschrift „RETOUR – Empfänger unbekannt“ darauf und versprach, sich um die Rücksendung zu kümmern.

Karl ging zufrieden nach Hause. Problem gelöst.

Am nächsten Morgen öffnete er seinen Briefkasten. Und was lag darin? Der Kuckucksbrief! Derselbe Umschlag, derselbe

Photo de Rajukhan Pathan: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/un-oiseau-perche-sur-le-cable-d-acier-12498717/

Aufkleber, derselbe Klaus Kuckuckson.

Immerhin hatte der Brief diesmal die Klappe nicht aufgedrückt. Nur zwei unerwünschte Werbeprospekte waren etwas zur Seite geschoben worden.

„Was zum Kuckuck!“, schimpfte Karl. „Jetzt kommt das Ding auch noch zurück!“

Er marschierte erneut zum Postshop und legte den Brief auf den Tresen.

„Da ist er wieder. Können Sie ihn diesmal vielleicht nach Nordkorea schicken? Möglichst weit weg!“

Der Mitarbeiter schüttelte ernst den Kopf. „Nach Nordkorea? Das könnte eine diplomatische Krise auslösen. Wir versuchen es lieber noch einmal mit der normalen Rücksendung.“

Karl seufzte und ging nach Hause.

Am folgenden Morgen geschah etwas Erfreuliches: Der Kuckucksbrief war tatsächlich verschwunden. Karl atmete auf. Doch seine Freude dauerte nicht lange.

Photo de Kindel Media: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/travailler-boite-paquet-ensemble-6868183/

Als er vor die Haustür trat, bemerkte er dort in einer Ecke ein großes Paket. Niemand hatte geklingelt, niemand hatte etwas angenommen, und Karl hatte auch nichts bestellt.

Auf dem Paket stand als Empfänger: Klaus Kuckuckson, 3 Eierstraße.

Als Transportunternehmen war „Rapid Cuckoo“ angegeben.

„Was zum Kuckuck ist Rapid Cuckoo?“, fragte sich Karl. „Und außerdem wohne ich in der Eiergasse, nicht in der Eierstraße!“

Offenbar hatte irgendein nordischer Spaßvogel beschlossen, Karl zum unfreiwilligen Postverwalter von Klaus Kuckuckson zu ernennen.

Karl überlegte. Was sollte er mit dem Paket anfangen? Er hatte es nicht bestellt, nicht angenommen und wollte es auch nicht haben. Also tat er, was ein pflichtbewusster Bürger eben tut: Er schleppte das Paket zum Postshop.

Der Mitarbeiter betrachtete den Aufkleber und schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid. Das ist nicht von uns. Das ist Rapid Cuckoo, ein neuer Lieferdienst. Den gibt es erst seit zwei Monaten.“

„Dann schicken Sie es eben zurück!“

„Das geht leider nicht. Wir nehmen nur Rücksendungen von POST und DHL entgegen.“

„Aber die haben es doch einfach vor meine Tür gestellt!“

„Ja, das machen die öfter. Die Fehlzustellungen sind uns schon bekannt.“

„Und was soll ich jetzt damit machen?“

Der Mitarbeiter zuckte mit den Schultern. „Vielleicht versuchen Sie es bei Rapid Cuckoo.“

„Was zum Kuckuck! Ich bin doch nicht deren Angestellter!“

Karl nahm das Paket wieder mit. Er beschloss, zur Polizei zu gehen. Schließlich konnte man dort Fundsachen abgeben.

Auf der Polizeidienststelle erklärte er den Sachverhalt. Der Beamte betrachtete das Paket und meinte, es handle sich nicht um eine Fundsache.

„Wieso nicht?“, fragte Karl.

„Weil eine Adresse draufsteht.“

„Aber die Adresse ist nicht meine!“

„Dann müssen Sie sich an den Zustelldienst wenden.“

„Der Zustelldienst hat das Paket doch bei mir abgestellt!“

„Dann müssen Sie das mit dem Zustelldienst klären.“

Karl sah den Beamten eine Weile schweigend an.

„Was zum Kuckuck!“, murmelte er schließlich und verließ die Dienststelle.

Nun blieb noch die Gemeindeverwaltung. Irgendjemand musste doch für ein herrenlos herumstehendes Paket zuständig sein.

Karl stellte das Paket auf den Schalter und erklärte seine Geschichte.

Photo de Retrokliks By Jarne : https://www.pexels.com/fr-fr/photo/boite-aux-lettres-rouge-vif-sur-mur-en-bois-turquoise-38790786/

Der Gemeindebeamte hörte sich alles an, betrachtete das Paket und fragte: „Ja, und was sollen wir damit machen?“

„Das wollte ich eigentlich Sie fragen.“

„Wir sind doch keine Poststelle!“

„Die Poststelle will es nicht. Die Polizei will es nicht. Und ich will es auch nicht!“

Der Beamte hob bedauernd die Hände. „Da können wir Ihnen leider nicht helfen.“

Karl nahm das Paket wieder an sich.

„Was zum Kuckuck!“, rief er auf dem Weg nach draußen. „Offenbar bin ich der Einzige im ganzen Land, der für dieses verdammte Paket zuständig ist!“

Auf dem Heimweg dachte Karl lange nach. Die Post wollte das Paket nicht. Die Polizei wollte es nicht. Die Gemeinde wollte es nicht. Rapid Cuckoo war nirgends zu erreichen.

Schließlich kam ihm eine Idee. Wenn er das Paket an einem belebten Ort abstellte, würde sich bestimmt jemand darum kümmern. Schließlich liefen dort täglich Hunderte Menschen vorbei.

Also stellte Karl das Paket in der Nähe des Supermarktes ab und ging nach Hause.

„So“, sagte er zufrieden. „Jetzt ist die Sache erledigt.“

Am Nachmittag hörte Karl draußen Sirenen. Neugierig trat er ans Fenster. Mehrere Polizeifahrzeuge rasten durch die Straße. Kurz darauf folgte ein Spezialfahrzeug.

Karl beschloss, einen kleinen Spaziergang zu machen.

Vor dem Supermarkt bot sich ihm ein erstaunliches Bild. Der Bereich rund um den Supermarkt war großzügig mit rot-weißem Absperrband abgesperrt, Polizeibeamte hielten Schaulustige zurück, und ein Bombenräumkommando untersuchte ein verdächtiges Paket.

Karl erkannte es sofort.

Es war das Paket für Klaus Kuckuckson.

„Was zum Kuckuck!“, flüsterte er.

Ein Passant erklärte ihm aufgeregt, jemand habe ein herrenloses Paket entdeckt und die Polizei verständigt. Wegen des unbekannten Inhalts und der merkwürdigen Aufschrift „Rapid Cuckoo“ sei vorsichtshalber der Bombenräumdienst gerufen worden.

Karl beobachtete das Geschehen eine Weile und musste schmunzeln.

Den ganzen Vormittag hatte niemand etwas mit dem Paket zu tun haben wollen. Jetzt kümmerten sich gleich mehrere Polizeistreifen, ein Bombenräumkommando und sogar die Gemeindeverwaltung darum.

„Na also“, dachte Karl. „Es geht doch!“

Zufrieden ging er nach Hause, setzte sich in seinen Sessel und trank eine Tasse Tee.

„Endlich bin ich das Ding los“, sagte er zu sich selbst. „Und diesmal kommt es bestimmt nicht zurück.“

Am nächsten Morgen öffnete Karl vorsichtig seinen Briefkasten.

Darin lag ein amtlicher Brief.

Absender: Police Grand-Ducale.

Empfänger: Klaus Kuckuckson.

Karl schloss langsam die Klappe.

„Ach, zum Kuckuck!“

Ernesto Fluni

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