Frank Bertemes: FFF gegen VVV

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Image par Dominic Wunderlich de Pixabay

Verzagen, Vertagen und Versagen

„Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen vom ewigen wirtschaftlichen Wachstum. How dare you?“

vor rund einem Jahr hat die weltweit bekannte Gründerin der Fridays-for-Future- Bewegung (FFF) Greta Thunberg mit den diesen Beitrag einleitenden, deutlichen Worten und der gar historischen Frage „How dare youWie könnt ihr es wagen? – die Öffentlichkeit polarisiert. Eine absolut pertinente, relevante Fragestellung, die die Klimaaktivistin auf dem UN-Klimagipfel den Mächtigen dieser Welt entgegengehalten hat.  Ein Statement eines zu diesem Zeitpunkt 16-jährigen Mädchens, das aufgrund der von leider zu vielen Zeitgenossen, besonders natürlich den Wirtschaftseliten dieser Welt und der für diese tanzenden Politmarionetten „gepflegten“ toxischen Gleichgültigkeit in der mehr als nur aktuellen Klimadebatte rein inhaltlich allerdings wenig verwundern dürfte. Das Los der Nieten ist eben kein Zufall, könnte man so sagen. Das Schlimme ist nur, dass diese einflussreichen Nieten dieser Erde die Welt immer noch beherrschen! Es ist ein handfester Skandal, wie diese Nieten von „Eliten“ neoliberaler Wirtschaftsobedienz es in der Tat wagen dürfen, die Zukunft unserer Welt, das Leben und besonders das Überleben kommender Generationen ob der evidenten Erderhitzung und des dramatischen Verlustes der biologischen Vielfalt – ohne Frage beispiellos in der Geschichte der Menschheit – dramatisch aufs Spiel zu setzen sich erdreisten. Doch wessen Schuld ist das eigentlich? Ein Resultat der generellen (wie bereits erwähnt) toxischen Gleichgültigkeit? Weshalb lassen wir tumbes Wahlvolk die eigentlich einfach so gewähren? Weshalb lassen wir das überhaupt noch zu? FFF zeigt uns, dass es auch anders geht – nämlich mit konsequentem Mut und engagierter Zivilcourage!  Ist es nicht an der Zeit, FFF gegen VVV (siehe Titel) bedingungslos zu unterstützen, das Ruder endgültig herumzureißen und sich in kollektiver Konzertation aller Zivilkräfte, junger Parteipolitiker, Gewerkschaften und Umweltorganisationen zu verpflichten, unseren Kindern und Enkelkindern einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen?

Dass diese Verpflichtung mit Sicherheit auch unser Luxusländchen betrifft, dürfte wohl evident sein. Unser Land, das schamlos eine das grundsätzliche, eigentlich sakrosankte Prinzip der Nachhaltigkeit bisher völlig ignorierende Wirtschaftspolitik mittels erlaubter Ansiedlung total kontraproduktiver Projekte wie Fage und Google im Ernst zuzulassen sich …erdreistet-e (Fage ist immerhin vom Tisch) – Google leider immer noch nicht! – das grenzt doch schon an etwas! Dass man sich immer mehr von unserer politischen Klasse im Stich gelassen fühlen muss – und dies besonders unsere junge Generation, die sich allerdings mittels FFF auf der Straße zu wehren versteht  –­ dürfte ob des mehr als bedenklichen Zustandes unseres Planeten wenig verwundern. VVV – das Verzagen, Vertagen und Versagen muss endgültig ein Ende haben! So jedenfalls zehn deutsche Umwelt – und Naturschutzverbände in einem offenen Brief, der zum Weltklimatag veröffentlicht wurde, in einer Deutlichkeit, die doch einfach eine ebenso endgültige, bedingungslose realpolitische Konsequenz haben muss!

Es geht eben auch anders. Seit Jahren schon hat das bekannte Magazin stern, das seit mehr als sieben Jahrzehnten für kritischen, unabhängigen und engagierten Journalismus steht, die drohende Klimakrise journalistisch immer wieder thematisiert. In ihrer jüngsten Ausgabe geht der stern noch weiter und setzt ein wegweisendes Zeichen: die Nummer 40 dieses (leider fatalen) Jahres 2020 steht unter dem Doppelkreuz „kein Grad weiter“. Die Redaktion gestaltete diese Ausgabe, die sich monothematisch mit der Klimakrise in vielfältigen Bereichen beschäftigt, nämlich zusammen mit Fridays for Future und will für jedes verkaufte Exemplar und für jeden Besucher ihrer Netzausgabe am Weltklimatag einen Baum für den neu gestalteten stern-Wald pflanzen. Eine in der Tat mehr als beachtliche Initiative!

 

Ist das Sachbuch über die globalen Bedrohungen der Menschheit des deutschen Wissenschaftsjournalisten Hoimar von Ditfurth aus dem Jahre 1985 „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen – Es ist soweit“ tatsächlich derart brandaktuell, dass eine Redaktion so weit gehen muss? So weit, dass gerade der stern, dessen Redaktion sich besonders dem journalistischen Prinzip des bestbekannten Berufskollegen Hanns Joachim Friedrichs verpflichtet zu sein fühlt, für einmal zu verstoßen erlaubte, das da gilt:

 

Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“

 

Das dürfte wohl so sein…in diesem Falle Verstoß und Grundsatz!

 

Frank Bertemes

 

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