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Justiz

Affaire Lunghi: Die neue Armseligkeit des Verschweigens 

Affaire Lunghi: Die neue Armseligkeit des Verschweigens
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Die jüngste Sendung  ( 10.06. 2026) im öffentlich-rechtlichen Radio 100,7 mit Jeff Schinker und Guy Helminger hinterließ bei den Zuhörern einen eigentümlich befremdlichen  Eindruck. Nicht wegen des drögen, verbalen Leerlaufs, nicht wegen dessen, was gesagt wurde, sondern vielmehr, was verschwiegen wurde … in der Causa Lunghi. Es wurde analysiert, kommentiert und spekuliert. Doch der juristische Schlusspunkt, nämlich  der

vollständige Freispruch der ehemaligen  RTL-Journalisten Sophie Schram und Marc Thoma sowie des früheren RTL-CEO Alain Berwick, wurde mit keinem Wort erwähnt. Bemerkenswertes Schweigen.  Aus journalistisch-deontologischer Perspektive ein klägliches Zeugnis  öffentlich-rechtlicher Informationskultur.  Schade, dass ALIA  und Conseil de Presse ausgerechnet am Tag der  Schinker-Helminger  Ausstrahlung „off the record“ waren.

Fakt ist: Bei dem Urteil mit Freispruch  der Cour d’Appel  ( 03. 06. 2026) handelt es sich keineswegs um eine marginale  Randnotiz.  Der Freispruch ist nicht irgendeine Episode innerhalb der Affäre Lunghi; er stellt deren juristischen Endpunkt dar.  Er ist die Antwort der Gerichte auf jahrelange Vorwürfe, Unterstellungen, Diffamierungen und öffentliche

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Vorverurteilungen.  Wer heute  über die Affäre Lunghi spricht, ohne den Freispruch erster Klasse zu erwähnen, unterschlägt einen wesentlichen Bestandteil der historischen und juristischen Wirklichkeit.

Gerade deshalb dokumentiert  die Sendung auf 100,7 mit  Schinker und Helminger ein bemerkenswertes Beispiel  von Geschichtsrevisionismus durch Auslassung.  Geschichte wird nicht  nur durch Unwahrheiten verfälscht, sondern  ebenso  durch  das systematische Verschweigen entscheidender  Tatsachen.  Wer das letzte und bedeutendste Kapitel der Causa Lunghi, das Urteil der Cour d’Appel  unterschlägt, betreibt diskursive Verfälschung der Wirklichkeit. Besonders aufschlussreich ist diese  erbärmliche Haltung auch  deshalb, weil beide Schreiber über Jahre hinweg keineswegs als neutrale Beobachter in Erscheinung  traten.  Im Gegenteil: Sie fungierten als Lunghis klar erkennbare publizistische  Lautsprecher  gegenüber den von ihnen beleidigten und  verleumdeten  RTL-Leuten.

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Kleine Schinker-Kostprobe: “Schweigen der Lämmer. Man kann das Werk nur in der Buchhandlung Alinéa ergattern. Vielleicht aber auch, weil die Schuldigen unbestraft davonkamen (…) Das Schweigen der Hauptangeklagten – allen voran Kulturminister Xavier Bettel – wirkt aber symptomatisch für eine Art und Weise, (nicht) mit Kritik umzugehen, die fast schon als rhetorischer Kniff bezeichnet werden kann … / “ Le bon, la brute et les truands. La suite est connue. Sophie Schram harcèle verbalement le directeur du Mudam (…) La journaliste était mal préparée et se contentait de rabâcher les accusations de Drescher (…) La blessure de Schram était peu de chose, certainement moins qu’une Schramm ( excusez le jeu de mots ) et l’histoire de plainte fut tout aussi orchestrée (…) On voit que les Luxembourgeois n’ont pas vécu l’Union Soviétique. “ / “ Le public se rend compte qu’il a été berné. C’est bien du Relotius avant l’heure ( pour une fois que le Luxembourg aura été un précurseur dans quelque chose, on s’en serait bien passé. ) “ /  Que des personnes don’t la culpabilité dans l’affaire a quasiment été triplement établie lors des différents moments de l’enquête (…) et qu’en gros, alors que la culpabilité d’un Alain Berwick ( alors directeur general ) a été prouvée …

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Helminger , dessen Ego ( genau  wie bei Schinker)    keinen Platz für  Selbstzweifel oder Selbstreflexion lässt –  versucht  seiner  schwarz-weissen fiktionalen Tarnung  eine  vermeintlich  „literarische“ Dimension zu verleihen.  In  seinem   Machwerk   „Die Lombardi-Affäre“ entwirft   er das Bild eines Landes, in dem Politik, Medien und kulturelle Provinzialität gemeinsam gegen einen unbescholtenen  Museumsdirektor agiert  hätten.  Selbst dort, wo  Helminger sich hinter dem  Schutzschild der  Pseudofiktion versteckt , bleibt  die Stoßrichtung  seiner  Aussagen  unübersehbar  real.

Im Tageblatt  vom 19.04.2018  verlässt  Helminger dann diese literarische  Camouflage um in  einem real existierenden Artikel  Xavier Bettel  und die betroffenen  RTL-Journalisten  zu diffamieren: „Der Premier darf einen Museumsdirektor, ohne den Luxemburg auf der internationalen Karte für zeitgenössische Kunst nicht sichtbar wäre, aufgrund eines gefälschten Videos vorverurteilen und kommt ohne Konsequenzen davon.“

Ähnlich diffamierend und beleidigend  äussert sich Helminger auch im deutschen Domradio: “ Vor der Ausstrahlung sei das Interview bewusst so zusammengeschnitten worden , dass diese Handbewegung viel  heftiger gewirkt habe als in Wirklichkeit geschehen .’Das war also eine Fälschung’ sagt Helminger, “und aufgrund  dieser Fälschung hat der Luxemburger Premier sich eingemischt und gesagt Lunghi, das wäre nicht in Ordnung, so ein Mann könne nicht an der Stelle eines Museumsdirektors sein  usw”.

Fakt ist : Mit diesen  öffentlichen Diffamierungen und  erbärmlichen  Unwahrheiten  hat Helminger  sich strafrechtlich    in die Binsen gesetzt .  Denn in Wirklichkeit  war  die “Handbewegung  NICHT zusammengeschnitten sondern klar sichtbar durchlaufend gesendet  worden . Auch hat Premier Bettel  niemals gesagt “ so ein Mann (Lunghi) könne  nicht an der Stelle eines Museumsdirektors sein.”  Also in zwei Sätzen gleich zwei  erbärmliche  Fake News.

Fakt ist auch: Über Jahre hinweg entstand durch Schreiber à la Helminger, Schinker ,  Clarival im “Land”  und weiteren publizistische  Akteure ( auf die wir noch zurückkommen) ein Narrativ, dessen  Einseitigkeit kaum zu überbieten ist. Die  Causa Lunghi wurde nicht nur komplett  einseitig  und parteiisch  beschrieben, sondern  zugleich moralisch aufgeladen. RTL avancierte zum Symbol einer vermeintlichen Manipulation und  struktureller Verschwörung.

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Doch die  Entwicklung nahm einen anderen Verlauf. Die Cour d’Appel sprach die betroffenen RTL- Verantwortlichen   vollständig frei .  Die zentralen Vorwürfe hielten einer gerichtlichen Überprüfung  nicht stand. Damit wurde  nicht  lediglich  ein  Verfahren beendet;  vielmehr wurden   “öffentlichen Gewissheiten” ad adsurdum geführt  , die über Jahre hinweg als unumstößliche Wahrheiten von Schinker, Helminger  und Co.  präsentiert wurden.

Nach einem derart eindeutigen Urteil  der Cour d’Appel   hätte man erwarten dürfen, dass die beteiligten Schreiber ihre eigene Positionen einer  kritischen Reflexion unterziehen. Nichts dergleichen geschah. Stattdessen ist eine bemerkenswerte Form kollektiver Amnesie eingetreten. Der Freispruch soll  zunehmend aus der öffentlichen Erzählung verschwinden. Die Anklage soll präsent bleiben, die Entlastung zur Randnotiz degradiert werden .  So soll die Öffentlichkeit  sich weiterhin an die  Verdächtigungen erinnern, nicht jedoch an deren juristische Widerlegung.

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Auch diese  jämmerliche  Vorgehensweise  fand  im  öffentlich-rechtlichen Radio 100,7 Anwendung obwohl dessen  primärer Auftrag  laut Lastenheft gerade darin bestehen muss, komplexe Sachverhalte vollständig  ausgewogen und  differenziert  darzustellen. Hinzu kommt die  Tatsache, dass Lunghi beziehungsweise  seine publizistischen Helfer   während Jahren  wiederholt in Interviews und Sendungen im 100,7   zu Wort kamen, während die Gegenseite  komplett ausgeschlossen  blieb . Öffentlich-rechtliche Ausgewogenheit und Neutralität lassen grüßen!

Schinker veröffentlichte  einen Kommentar mit dem Titel „Schweigen der Lämmer“. Heute wirkt dieser Titel wie eine  ironische  Selbstbeschreibung . Denn mittlerweile  schweigen ausgerechnet jene, die über Jahre hinweg am lautesten geschrien haben.

Und womöglich sagt gerade dieses  Schweigen  mehr über den Zustand eines Teils der  Kultur- und Medienöffentlichkeit aus als sämtliche  Kommentare der vergangenen Jahre. Es offenbart das armselige Verhalten, eine Realität  nicht anzuerkennen, die nicht zum eigenen Weltbild passt. Es offenbart die Weigerung, sich mit einem Urteil auseinanderzusetzen, das jahrelang gepflegte Gewissheiten pflegte.

Und es offenbart, wie leicht aus moralischer Sackgasse jene Form von Geschichtsrevisionismus erwachsen  kann  .

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