Als Karl in sein neues Haus einzog, hingen dort überall hässliche Lampen mit Halogen-Steckbirnen. Das Licht war mäßig, die kleinen Leuchtmittel teuer und ihre Lebensdauer eher bescheiden.
Karl wollte etwas für die Umwelt tun und gleichzeitig seine Beleuchtung verbessern. Also ersetzte er nach und nach alle alten Leuchten durch moderne LED-Lampen.
Im Baumarkt begann die Suche. Es gab Billigmodelle mit gelblichem Licht und teure Designerlampen mit gutem, hellem Licht – allerdings nur mit Fernbedienung für Farbwechsel, Wellnessmodus und allerlei Funktionen, von denen Karl gar nicht wusste, dass eine Lampe sie überhaupt haben kann und wozu sie das eigentlich soll. Eigentlich wollte er nur Licht. Schließlich entschied er sich doch für die „modernen“ Modelle. Man soll schließlich mit der Zeit gehen.
Etwas mehr als zwei Jahre später blieb eine Lampe dunkel.
Karl wollte einfach nur die LED wechseln. Das ging leider nicht. Die Leuchte war so konstruiert, dass nur der komplette

Austausch vorgesehen war. Die Garantie war inzwischen ebenfalls abgelaufen. Also nahm Karl die defekte Lampe mit in den Baumarkt. Das Modell gab es längst nicht mehr. Die Leuchte landete im Elektroschrott, obwohl vermutlich nur ein kleines elektronisches Bauteil defekt war. Also kaufte Karl eine neue LED-Leuchte.
Danach begann die eigentliche Arbeit. Die neue Lampe musste befestigt werden. Die Bohrlöcher passten – wie könnte es anders sein – natürlich nicht mehr. Die Verdrahtung musste neu gemacht werden. Also Bohrmaschine holen, neue Dübel setzen und hoffen, dass die neue Lampe wenigstens halbwegs zu den übrigen im Haus passte. Das frühere Modell wurde selbstverständlich nicht mehr hergestellt.
Nach mehreren solchen Erlebnissen hatte Karl genug von den modernen Lampen.
Nach langer Suche entdeckte er ganz hinten im Regal eines Baumarkts noch eine schlichte Leuchte mit einer gewöhnlichen E27-Fassung. Wahrscheinlich hatte sie dort jahrelang gestanden. Die Farbe auf der Verpackung war bereits etwas verblasst, und es gab sogar noch zehn Prozent Rabatt. Der Verkäufer schien fast erleichtert. Offenbar hatte sich endlich jemand gefunden, der das Relikt aus einer vergangenen Epoche kaufen wollte.
Zu Hause schraubte Karl eine LED-Birne für drei Euro hinein. Als sie Jahre später ausfiel, stellte er eine Leiter auf, drehte die alte Birne heraus, schraubte eine neue hinein und war nach wenigen Minuten fertig.
Seitdem betrachtet Karl seine Lampe mit einer gewissen Zufriedenheit. Sie besitzt weder Fernbedienung noch Farbwechsel, kein WLAN und keine App. Sie macht einfach das, was Lampen schon immer getan haben: Licht.
Karl fand später im Internet tatsächlich noch ein paar schlichte Modelle mit E27-Fassung und bestellte vorsichtshalber gleich zehn Stück. Man wisse ja nie, meinte er. Lieferengpässe habe es schließlich schon bei Toilettenpapier gegeben.
Für besonders schwierige Fälle besitzt Karl sogar noch eine Baufassung im Schrank. Sie kostet kaum mehr als eine Tasse Kaffee, sieht ungefähr so elegant aus wie eine Kellerbaustelle und erfüllt trotzdem zuverlässig ihren Zweck.
Vielleicht besteht Nachhaltigkeit manchmal gar nicht darin, immer neue Technik zu kaufen. Vielleicht besteht sie einfach darin, Dinge so zu bauen, dass man sie jahrzehntelang benutzen und bei einem Defekt mit wenigen Handgriffen reparieren kann – statt sie komplett wegzuwerfen.

Ernesto Fluni