Drei Millionen Euro öffentliche Förderzusage, eine gestoppte Filmproduktion und ein Regisseur, dessen Name am Ende stärker beschädigt wurde als jener der institutionell Verantwortlichen: Der Fall HOOPED ist längst mehr als die Geschichte eines nicht realisierten Films. Er ist ein Lehrstück darüber, wie rasch sich Verantwortung verschieben lässt – vom Produzenten auf den Regisseur, von Verwaltungsentscheidungen auf eine private Biografie. Im April 2022 gewährte der Film Fund dem Spielfilmprojekt HOOPED eine Finanzhilfe von drei Millionen Euro. Adolf El Assal war Autor und Regisseur. Als Produktionsgesellschaft fungierte Paul Thiltges Distributions (PTD). Diese Unterscheidung zwischen Regisseur und Produzent ist keine Formalität. Der Regisseur trägt die künstlerische Verantwortung, der Produzent hingegen ist gegenüber dem Film Fund der finanzielle, vertragliche und organisatorische Partner. Als HOOPED Ende Januar 2023 suspendiert wurde, geriet vor allem der Regisseur El Assal in den Mittelpunkt. Damit entstand ein bemerkenswertes Missverhältnis: Die administrative Maßnahme betraf nach der Aktenlage die Produktionsseite, der nachhaltigste Reputationsschaden traf jedoch den Regisseur.
Öffentliche Millionen, private Schuldzuweisung
Brisant wird der Vorgang durch eine Aussage von Film-Fund-Direktor Guy Daleiden bei Reporter.lu am 2. April 2026:

Man habe bereits 2022 bemerkt, dass Paul Thiltges Schwierigkeiten gehabt habe, die Transparenzanforderungen des Film Fund zu erfüllen. Diese Aussage wirft eine einfache, aber zentrale Frage auf: Weshalb wurden der Thiltges-Produktion vom Film Fund unter Direktor Daleiden dennoch drei Millionen Euro zugesagt? Wann wurden welche Unterlagen verlangt, welche Antworten blieben aus, welche Warnsignale wurden ignoriert? Eine allgemeine Berufung auf „Transparenzprobleme“ reicht bei öffentlichen Mitteln dieser Größenordnung nicht aus. Sie benennt weder den Zeitpunkt noch die Art des Mangels und schon gar nicht die Verantwortung derjenigen, die das Projekt prüften, bewilligten und später stoppten. Gerade diese Unschärfe begünstigt nachträglich eine bequeme Lesart: Das Projekt scheiterte am Regisseur wegen einer familiären Angelegenheit.
Der private Konflikt als publizistischer Nebel
Öffentlich wurde der Fall HOOPED mit einem schweren familiären und gerichtlichen Konflikt El Assals verknüpft. Reporter.lu schrieb, der Film Fund habe die Finanzierung des nächsten Films ausgesetzt, weil er von einer problematischen Nebenrolle in El Assals früherem Film SAWAH nichts gewusst habe. Im selben Beitrag wurde der Eindruck vermittelt, El Assal sei seine Ehrenhaftigkeit aberkannt und damit der Zugang zu Fördermitteln entzogen worden. Diese Darstellung beantwortet aber nicht die institutionelle Kernfrage von HOOPED: Wer war Adressat der Suspendierung, wer war für die Produktionsstruktur zuständig und was wusste der Film Fund über PTD (Paul Thiltges Distribution)? Ein privater Konflikt kann journalistisch relevant sein; er darf jedoch nicht zur Kulisse werden, hinter der die Verantwortungs- und Kontrollkette einer öffentlichen Förderung verschwindet. El Assal bestreitet ausdrücklich, dass die Suspendierung von HOOPED als Familienangelegenheit erklärt werden könne. Nach seiner Darstellung seien Probleme beim Film Fund und im zuständigen Ministerium verdeckt worden; er sei dazwischengeschoben worden, um die Aufmerksamkeit umzulenken.
PTD war nicht Statist, sondern Produzent
Paul Thiltges Distributions war bei HOOPED kein technischer Zulieferer am Rande, sondern die Produktionsgesellschaft und damit der maßgebliche institutionelle Ansprechpartner. Die im März 2026 ausgesprochene Insolvenz von PTD verschärft den rückblickenden Klärungsbedarf. Reporter.lu berichtete von Verbindlichkeiten von mehr als sechs Millionen Euro, davon 5,8 Millionen kurzfristig rückzahlbar, und bezeichnete die finanzielle Entwicklung sinngemäß als absehbare Katastrophe.
Das bedeutet, dass der Film Fund offenlegen müsste, welche Bonitäts-, Transparenz- und Risikoprüfungen damals vorgenommen wurden. Denn wer einen Produzenten mit einem Millionenprojekt beglückt, kann die spätere Erklärung nicht auf die Persönlichkeit des Regisseurs verengen und abschieben.
Daleidens Aussage über schon 2022 erkannte Transparenzschwierigkeiten verlagert den Prüfauftrag deshalb zurück an die richtige Stelle: zum Film Fund, zum zuständigen Ministerium und zu PTD. Wenn eine Förderinstitution wie der Film Fund klare Warnzeichen erkennt, muss sie dokumentieren, wie sie darauf reagiert. Das ist eine wesentliche Frage öffentlicher Rechenschaft – nicht privater Sympathie.
Der Regisseur als Sündenbock einer gescheiterten Förderung
El Assal beschreibt sich als jemanden, der für institutionelle und wirtschaftliche Probleme geradestehen musste, die er als Regisseur weder kontrollierte noch vertraglich verantwortete. Seine Wahrnehmung erhält Gewicht durch die erkennbare Asymmetrie: Die Suspendierung traf formal die Produktionsseite, während die öffentliche Erzählung seinen Namen, seine Familie und seine persönliche Glaubwürdigkeit in den Vordergrund rückte.
Hinzu kommt eine biografische Erfahrung, die El Assal in seinem Essay „My Name Was a Problem Before I Ever Opened My Mouth“ schildert. Sein Vorname und sein arabisch klingender Familienname hätten wiederholt vorschnelle Zuschreibungen ausgelöst; häufig habe er zunächst seine Zugehörigkeit erklären müssen, bevor über seine Arbeit gesprochen worden sei. Das beweist keine Diskriminierung im Förderverfahren. Es erklärt jedoch, weshalb er die Personalisierung des Konflikts als Fortsetzung eines alten Musters empfindet: Erst wird die Person markiert, dann wird das Werk durch dieses Bild gelesen. Entscheidend bleibt die Frage, ob El Assal öffentlich zu Unrecht zur Hauptfigur eines Vorgangs gemacht wurde, dessen finanzielle und administrative Verantwortung wesentlich bei anderen Akteuren liegt.
Die Antworten, die jetzt fehlen
Aufzuklären ist nicht, ob El Assal als Person gefällt oder ob jeder seiner damaligen Schritte überzeugte. Aufzuklären ist, wie der Film Fund mit einer Zusage von drei Millionen Euro, erkannten Transparenzproblemen und einer späteren Suspendierung umging. Dafür müssten insbesondere folgende Punkte geprüft werden: die vollständige Chronologie der 2022 festgestellten Transparenzprobleme bei PTD; die Prüfvermerke und Protokolle zur Förderzusage für HOOPED; die fehlenden oder beanstandeten Nachweise und die Reaktionen darauf; die Kommunikation zwischen Film Fund, Ministerium, PTD und El Assal; die rechtliche und sachliche Begründung der Suspendierung; die Grundlage der späteren öffentlichen Darstellung, insbesondere der Verknüpfung mit El Assals Familienkonflikt.
Bis diese Fragen beantwortet sind, bleibt ein politisch heikler Befund: Die institutionelle Verantwortung lag wesentlich auf der Produktions- (PTD) und Förderseite (Film Fund), die öffentliche Last aber vor allem auf dem Regisseur.
Film Fund und Ministerium verwalten keine privaten Kulanzgelder, sondern öffentliche Kulturförderung in Millionenhöhe. Der Fall HOOPED verlangt deshalb eine lückenlose Rechenschaft.
