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Justiz

Frank Bertemes: Barbarei 

Frank Bertemes: Barbarei
Photo de Connor Scott McManus: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/femelle-femme-barres-de-metal-tir-vertical-13068447/

Die Todesstrafe ist eines der national wie international umstrittensten Elemente des an sich schon bedenklichen Rechtssystems der USA. Dass ihre Vollstreckung schon mehrmals danebengegangen ist, befeuert die heftigen Debatten um diese dem Zeitgeist widersprechende und mit einem modernen Rechtsstaat total inkompatible Praxis, die jedoch ein Paradebeispiel eines reaktionären, gar barbarischen Justizsystems darstellt. Dass man dieses schreckliche Thema eigentlich nicht mehr besonders kommentieren muss, da sämtliche Argumente seit Jahren ob dessen medialer Aufmerksamkeit bekannt sein dürften, ist an sich klar. Doch die rezenten Hinrichtungspannen, besonders der kürzlich total verunglückte Exekutionsversuch, wie man sagen muss, im Falle der Todeskandidatin Christa Pike, die im Jahre 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum

Photo de Liudmyla Shalimova: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/escalier-escaliers-metal-plafond-18933475/

Tode verurteilt wurde und die zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt war, illustriert wohl bestens die in den USA praktizierte Barbarei in Sachen Todesstrafe generell und der umstrittenen Hinrichtungsmethode mittels Giftspritze im Besonderen. Die zum Tode verurteilte Christa Pike, die auch die erste Frau ist, die seit 1819 in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte, lebte laut offiziellen Darstellungen auch noch nach der Verabreichung zweier Giftspritzen und wurde in ein Krankenhaus gebracht – makaberer geht’s wohl nicht! Genauer: “Um 20:26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche”, heißt es in einem Gerichtsdokument.

Zudem wurden Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht noch am Hinrichtungstag selbst entschieden. Zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe. Nach Presseberichten machte die Verurteilte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als „Lügnerin“ abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für „fabriziert“ gehalten. Doch es half alles nichts, die unmögliche US-amerikanische Tötungsmaschinerie wurde trotzdem wieder aktiviert, der Supreme Court, das Oberste Gericht, gab einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft. Was folgte, ist bekannt, das Drama nahm seinen Lauf…

Photo de mododeolhar: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/femme-mal-douleur-difficulte-3067309/

Diese gescheiterte Hinrichtung bringt sicherlich ausreichende Argumente zu einer neuen Debatte um das generelle Reizthema Todesstrafe verbunden mit der sicherlich pikanten Fragestellung, ob diese aufgrund ihrer dramatischen Lebensgeschichte an sich schon genug gestrafte Frau, die darüber hinaus auch noch das für einen Menschen wohl schlimmste Trauma einer verpfuschten Hinrichtung überlebt hat, denn nun tatsächlich erneut in die Hinrichtungskammer gebracht werden soll –  der makaberen Vorstellung nächster Akt!

Dies würde die Diskussion um den evidenten Akt der Barbarei der Todesstrafe, ihre Rohheit, ihre Unmenschlichkeit, gar ihre durch diesen furchtbaren Fall leider bestens illustrierte Grausamkeit nur noch verschärfen und das umstrittene, weil oft ungerechte Justizsystem der USA noch mehr als das hinstellen, was es leider schon lange ist…

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