Karl ist ein Optimist. Er glaubt noch an Höflichkeit.
Wenn Karl einer Behörde schreibt, erwartet er keinen roten Teppich. Nicht einmal eine Lösung. Er wäre schon glücklich über einen Satz wie: „Vielen Dank. Wir haben Ihre Nachricht erhalten.“
Doch Karl hat inzwischen gelernt: Das ist anscheinend schon zu viel verlangt.
Also begann Karl zu zweifeln. Vielleicht sind E-Mails unsichtbar? Vielleicht werden sie in ein digitales schwarzes Loch gesaugt oder verschwinden für immer in den ewigen Bitgründen? Vielleicht ist „Antworten“ inzwischen ein kostenpflichtiger Premiumdienst geworden?
In der Zeitung stand jedenfalls noch nichts darüber. Das Problem kennen jedoch mittlerweile immer mehr Bürger nur allzu gut.
Neulich schrieb Karl wieder an eine Gemeindeverwaltung. Nach einem Monat Funkstille auf den 2,4 GHz seines heimischen WLAN-Routers fragte er sich, ob seine Nachricht wenigstens gut angekommen war. Vielleicht hängt sie eingerahmt im Pausenraum neben der ultramodernen Kaffeemaschine. Schließlich muss sie ja irgendwo sein. Vielleicht wird sie jeden Freitag kurz vor Dienstschluss vorgelesen – nur um am Montag wieder vergessen zu werden.
Karl ist recht bescheiden. Er wünscht sich keine Wunder. Nur drei Worte würden reichen:
„Danke. Nachricht erhalten.“
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine Behörde groß wirken lassen.
Ernesto Fluni