Der Bumerang-Effekt. Eine Handlungsweise, die einem selbst schadet. Oder auch eine Situation, in der eine Aktion oder eine Botschaft genau das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich beabsichtigt war. Doch im Kontext der aktuellen Debatte um die diversen Pestizide und deren „Nutzen“ scheint die Diskussion in der Form – und wohl auch so gewollt – nicht angesagt zu sein. Dies kann in der Tat und ob der praktizierten, viel zu liberalen Pestizid-Politik der EU und auch der jeweiligen Nationalstaaten, die sich dabei völlig verantwortungslos hinter ebendieser EU verstecken, leider nur die offensichtliche Schlussfolgerung des EU-Konsumenten (und zukünftigen Patienten?) sein. Denn, dass Pestizide krank, schwer krank machen können, dürfte wohl klar sein…

In Frankreich wächst wegen steigender Krebszahlen in den Weinanbaugebieten der Zorn auf die Chemiekonzerne. Betroffene sind davon überzeugt, dass der starke Pestizideinsatz dafür verantwortlich ist. Ihre öffentliche Empörung ist mehr als verständlich, das Thema todernst. Verbotene Pestizide in Tee, Reis und Gewürzen: Zwei Drittel der von Foodwatch in einer rezenten Stellungnahme zu diesem Reiz-Thema entsprechend getesteten Lebensmittel wären demnach belastet. Zitat: „Wir essen sie unwissentlich: Verbotene Pestizide, unsichtbar, aber viel zu oft nachweisbar. Unser neuer Labortest zeigt: 2 von 3 getesteten Produkten aus deutschen Supermärkten sind belastet. Beispiele: Ein Chili Mix: 22 Pestizide, davon 7 verbotene. Kreuzkümmel: 217-mal über dem Grenzwert. Zweihundertsiebzehnmal! Die Konzerne machen Milliardengewinne. Und was machen die politischen Entscheider?“ Und weiter: „In Brüssel wird gerade über neue Pestizid-Regeln für diese verbotenen Mittel verhandelt. Doch es trifft vor allem auch die Feldarbeiter im globalen Süden, die täglich mit Pestiziden arbeiten und Gesundheitsschäden erleiden. Denn während die EU gefährliche Pestizide bei uns vom Markt nimmt, verkaufen Chemiegiganten wie Bayer und BASF diese munter weiter – und exportieren sie dorthin, wo die Schutzregeln schwächer sind. “ Im Klartext: Pestizide, die in Europa verboten sind, werden locker in Länder exportiert, in denen deren Einsatz erlaubt ist. So einfach geht das nun mal! Für uns als Konsumenten ist der Export nach Brasilien höchst bedenklich – Ach, klingelt da was? Stichwort: EU-Mercosur Abkommen, das Handelsabkommen, das bekanntlich trotz aller Widerstände und Bedenken ab dem 1. Mai 2026 vorläufig gilt. Von Brasilien aus werden die Rückstände der Gifte in Orangen, Kaffee und Soja zurück nach Europa geschickt – Bumerang-Effekt überdeutlich!

Noch und nöcher gesagt: Was passiert gerade? Die Zulassungsverfahren für Pestizide in der EU sollen tatsächlich wieder vereinfacht werden. Niemand kann das verstehen! Oder ist die Chose überdeutlich – siehe Brasilien, siehe Mercosur? Dabei wäre die Lösung in der Tat einfach: Echte Null-Toleranz für verbotene Pestizide und strenge Kontrollen bei importierten Produkten. Was in Europa verboten ist, darf nicht in andere Länder exportiert werden und durch die Hintertür wieder auf unseren Tellern landen. Ein Bumerang-Effekt mit ernsten Gesundheitsrisiken. Doch die Pestizide und ihre ernsten Gefahren für Mensch und Umwelt sind scheinbar ein weiteres lästiges Problem, das unsere politische Klasse ganz einfach aussitzen will, bis auch dieses Reizthema sich in unserer Zuschauerdemokratie wohl „von selbst“ erledigt hat.
Doch der Bumerang….