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Frank Bertemes: Verschwunden…. 

Frank Bertemes: Verschwunden….
Image by Ted Erski from Pixabay

“Tief im Wald zwischen Moos und Farm, da lebte ein Käfer mit Namen Karl. Sein Leben wurde jäh gestört, als er ein dumpfes Grollen hört. Lärmende Maschinen überrollen den Wald, übertönen den Gesang der Vögel schon bald. Mit scharfer Axt fällt man Baum um Baum, zerstört damit seinen Lebensraum. Karl der Käfer wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt. (…)  Ein Band aus Asphalt breitet sich aus, fordert die Natur zum Rückzug auf. Eine Blume, die noch am Wegesrand steht, wird einfach zu geteert. Karl ist schon längst nicht mehr hier, ein Platz für Tiere gibt’s da nicht mehr. Dort wo Karl einmal zuhause war, fahren jetzt Käfer aus Blech und Stahl. Karl der Käfer wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt. Karl der Käfer wurde nicht gefragt, man hat ihn einfach fortgejagt. (…)“

Image by Kathy Büscher from Pixabay

1983 – Gänsehaut, die Band. 2026Gänsehaut, die man ob des Insektensterbens bekommt. Wir, die in den Sechzigern und früher Geborenen, kennen die Zeiten, in denen es im Sommer gefühlt überall noch krabbelte, surrte, flatterte und brummte. Heute zeigen Studien einen enormen Schwund an Insekten. Hätten wir die Zeit sie zu zählen, so der BUND für Naturschutz Bayern, kämen auf jeden Menschen dieser Erde rund 1,4 Milliarden Insekten. Die Menge und Vielfalt an sechsbeinigen Tieren ist nahezu unvorstellbar, schätzungsweise 5,5 Millionen verschiedene Arten. Manche finden wir wunderschön, andere gruselig. Insekten brummen, hüpfen, krabbeln und beißen. Sie sind ungemein vielfältig in ihren Überlebensstrategien und fast in jedem Ökosystem dieser Erde zu Hause. Insekten sichern unsere Ernährungsgrundlagen, verbessern die Bodenqualität, bauen abgestorbene Pflanzen und Tiere ab und bestäuben zu drei Vierteln die Nutzpflanzen.  Man sieht: Landwirtschaft und Ernährung sind untrennbar mit dem Leben und Wirken von Insekten verbunden.

Doch ihr Heer schrumpft. Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus ganz Europa zeigen massive Rückgänge bei Arten und Anzahl der Insekten in den vergangenen 20 Jahren. Auswertungen der diversen Roten Listen bestätigen diesen Schwund. Somit ist das globale Insektensterben, der dramatische Rückgang der Insektenbiomasse und Artenvielfalt eine bittere Realität.  Expertenschätzungen zufolge ist die weltweite Insektenpopulation seit 1990 um rund 76 Prozent geschrumpft. Dadurch sind auch viele andere Tierarten wie Vögel, Igel und Fledermäuse in ihrer Existenz bedroht, da ihnen die Nahrungsgrundlage entzogen wird.

Die Hauptursachen für den Rückgang sind eng miteinander verknüpft: Intensive Landwirtschaft mit hohem Einsatz von Pestiziden. Dann der Verlust von blühenden Wiesen durch Monokulturen, die den Insekten ihren Lebensraum und ihre Nahrungsquellen rauben. Ferner der von so vielen verleugnete Klimawandel mit extremen Hitzeperioden, Trockenheit und die Erwärmung von Gewässern. Die Flächenversiegelung, meint die Ausdehnung von Siedlungen und Verkehrswegen, der zum direkten Lebensraumverlust der Insekten führt. Dann noch die Lichtverschmutzung durch künstliches Licht, das nachtaktiven Insekten deren Orientierung sowie Fortpflanzung stört. Um dem entgegenzuwirken, fordern Umweltorganisationen eine ökologischere Ausrichtung der Landwirtschaft und den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide. Auch wir als Privatpersonen können einen Beitrag leisten, indem wir in Gärten oder auf dem Balkon heimische Pflanzen anbauen und auf Pestizide verzichten.

Um zu verhindern, dass Karl völlig verschwindet, wurden in Deutschland viele Käfer unter Artenschutz gestellt. Beispiel: das Fehlen von Dungkäfern ist am Zustand von Kuhfladen auf Weiden abzulesen, die sich nicht mehr zersetzen, ein Phänomen, das „Betonfladen“ genannt wird. Als eine der Ursachen gelten Rückstände von Insektenvernichtungsmitteln im Kraftfutter, die mit dem Kot der Nutztiere auf den Wiesen landen, wo sie ihre tödliche Wirkung bei den nützlichen Dungkäfern entfalten.  Auf Weiden aus der Biolandwirtschaft sind mehr Insekten zu finden. Einmal mehr betont, liegt in der Biolandwirtschaft die Zukunft unseres Ernährungssystems. Diese fördert aktiv den Klima- und Artenschutz, erhält die Bodenfruchtbarkeit durch geschlossene Nährstoffkreisläufe und verzichtet konsequent auf chemisch-synthetische Pestizide sowie mineralische Dünger.

Wie sieht es übrigens um den Biolandbau trotz aller vollmundigen Ankündigungen wirklich aus?

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