Es gibt Sendungen, die aufklären. Und es gibt Sendungen, die verschleiern. Die RTL-Sendung „Background am Gespréich“ vom 30. Mai über die Krise der Luxemburger Filmbranche gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.Wer einen kritischen Blick auf die Situation der Filmindustrie erwartet hatte, wurde enttäuscht. Wer

hingegen erleben wollte, wie ein seit drei Jahrzehnten bestehendes Fördersystem möglichst schonend behandelt wird, kam voll auf seine Kosten. Es fehlte eigentlich nur noch der rote Teppich im RTL Studio für Film-Fund-
Direktor Guy Daleiden und Samsa-Produzent Jani Thiltges. Die Botschaft der Stunde war schnell erkennbar: Die Branche befindet sich in Schwierigkeiten und verlangt zusätzliche staatliche Millionen. Wieder einmal lautete die Schlussfolgerung: mehr Geld.
Was hingegen fehlte, waren kritische Fragen. Dabei hätte das Thema alles geboten, was investigativen Journalismus ausmacht: Hunderte Millionen Steuergelder verschenkt , Unternehmenspleiten, prekäre Arbeitsbedingungen, strukturelle Probleme und die Frage, weshalb eine Branche nach Jahrzehnten massiver Förderung noch immer behauptet ohne

massive staatliche Unterstützung nicht überlebensfähig zu sein.
Zwischen 2015 und 2025 flossen laut parlamentarischen Angaben rund 384 Millionen Euro öffentliche Fördermittel in die audiovisuelle Produktion Luxemburgs. Über die letzten drei Jahrzehnte summiert sich die staatliche Unterstützung auf deutlich über eine Milliarde Euro.

Jeder kritische Journalist hätte an diesem Punkt nachfragen müssen: Wie kann das sein? Wo ist das Geld geblieben? Wer profitiert von den Förderungen? Wer trägt Verantwortung für die teuren Flops ? Doch genau diese Fragen wurden nicht gestellt.
Pierre Jans moderierte die Diskussion mit einer Vorsicht, die an einen Sprengmeister erinnerte, der einen Lastwagen voller Dynamit durch eine dicht besiedelte Innenstadt manövriert. Jede potenziell kritische Frage schien behandelt zu werden wie ein Funke, der unter allen Umständen vermieden werden musste. Nichts sollte explodieren. Nichts sollte unangenehm werden. Nichts sollte die lieben Studio-Gäste ernsthaft unter Druck setzen.
Stattdessen wirkte die RTL Sendung über weite Strecken wie ein Tribunal ohne Staatsanwalt. Die Verteidigung war vollständig vertreten. Die kritische Gegenposition erschien gar nicht erst. Besonders bemerkenswert war die zentrale Forderung der Sendung: Noch mehr Staatliche Fördergelder.
Der allmächtige Film-Fund-Direktor Daleiden erklärte selbst, die Luxemburger Filmindustrie sei faktisch vollständig von staatlicher Finanzierung abhängig.
Doch genau deshalb wäre Transparenz entscheidend. Bis heute bleibt für die Öffentlichkeit weitgehend unklar, welcher Anteil tatsächlich bei Schauspielern, Technikern, Autoren oder Kameraleuten ankommt und welcher Anteil in den Produzenten-Taschen in fine verschwindet.
Beispiel: Paul Thiltges Distributions ( Bruder von Jani Thiltges) hat laut parlamentarischen Angaben innerhalb eines Jahrzehnts rund 20 Millionen Euro öffentliche Fördermittel erhalten. Im Frühjahr 2026 wurde das Unternehmen dennoch für insolvent erklärt. Natürlich gehören Insolvenzen zur Marktwirtschaft. Doch wenn Unternehmen zusammenbrechen, die über Jahrzehnte hinweg ständig mit Millionenbeträgen öffentlicher Gelder gefüttert wurden, stellt sich zwangsläufig die wichtige Frage nach Verantwortung. Was wurde aus den öffentlichen Investitionen? Welche Gegenleistung erhielt die Allgemeinheit?

Wer die Luxemburger Medien- und Kulturszene seit Jahren beobachtet, erkennt schnell warum solche kritischen Fragen vermieden werden . Produzenten, FilmFund, Politiker, Kulturinstitutionen und Kulturjournalisten bewegen sich ständig innerhalb desselben Milieus.
Besonders sichtbar wird diese Nähe am Beispiel von Caroline Mart. Über Jahrzehnte berichtete sie als Kulturdiva bei RTL wohlwollend , unkritisch , in PR Manier über die Luxemburger Filmbranche. Jetzt, kaum in Pension arbeitet Frau Mart zusammen mit ihrem Lebenspartner Donato Rotunno, dessen Produktionsfirma Tarantula seit 30 Jahren zu den grössten Empfängern staatlicher Filmförderung zählt. Die Premiere ihres langatmigen und drögen Dokumentarfilms „Europe – La Bataille des sièges“ wirkte deshalb wie eine Verdichtung des gesamten Systems. Für Kritiker entsteht daraus das Bild eines geschlossenen Kreislaufs.
Dieser pikante Zustand macht deutlich, wie eng Produzenten, Film Fund , Politik und Teile der Medien miteinander verflochten sind. Und genau deshalb wäre kritische Distanz bei RTL das oberste Gebot gewesen. Stattdessen entstand in der RTL Sendung “Background” mit Moderator Jans der klare Eindruck einer bemerkenswert schonenden Verteidigung des bestehenden Systems. So wurde die RTL Sendung am Ende zu einer PR-Veranstaltung mit Studiodekoration.