Frank Bertemes: Kürbis und Impfbuletten

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Photo de Toni Cuenca provenant de Pexels

Leben ist nicht genug“, sagte der Schmetterling, „Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.“

Hans Christian Andersen

Dänischer Schriftsteller

Und noch andere schöne, einfache Dinge des Alltags, die uns das Leben verschönern. Auch in sehr bitteren Zeiten, die wir aktuell durchleben, die uns trotz allem nicht zermürben sollen. Heuer aktuell: die Kürbisse, eine Pflanzengattung aus der Familie der Kürbisgewächse. Bekannte Vertreter sind der Riesen-Kürbis, der Moschus-Kürbis und der Garten-Kürbis, die landwirtschaftlich genutzt werden. Als Gartenfreund beschränkt der Schreiberling sich dieses Jahr auf die beliebten Zucchini, die ebenfalls zu den Kürbisgewächsen zählen. Gemüsepflanzen mit oft beeindruckendem Wachstum, allesamt ein positiver Anblick und ein kulinarischer Genuss.

So weit, so gut. Als Freund einfacher Geschichten, die das Leben so schreibt, ist in diesem Zusammenhang folgende durchaus zu beachten: Eine der Kompetenz der Gartenarbeit völlig unverdächtige Stadt-Familie zieht aufs Land und wird von der Dorfeinwohnerschaft hinter ihrem Rücken als „Buletten“ bezeichnet. Das war ­- so die Dame des Hauses, eines Häuschens in der Dorfmitte eines Örtchens in der Uckermark, im Nordosten Brandenburgs, welches ein ortsansässiger Maurer nicht einmal einer Renovierung für würdig hielt –  nie bös gemeint, wies den Neuankömmlingen jedoch unmissverständlich einen Platz am unteren Ende der Dorf-Hierarchie zu. Die Leute, die man anstarren durfte, aber nicht zwangsläufig grüßen musste. Trotzdem stand die junge Familie ständig unter Beobachtung.

Klammer auf: Wäre man jetzt gehässig – und damit begeben wir uns auf durchaus dünnes Eis in aktueller „Corona-Impfdebatte“ –  so überkäme einen als „Impfskeptiker“, eine von so manchen durchaus bös gemeinte Bezeichnung für einen konsequenten „Corona-Nicht-Geimpften“ – ein nicht zu übersehender Parallelismus:  die „Impfbuletten“, die man am besten ignoriert, marginalisiert, für Idioten hält oder sonst wie verunglimpft oder erniedrigt – denn so weit sind wir schon in der vorherrschenden Debatte niveautechnisch gesunken – ein gesellschaftliches Trauerspiel! Klammer zu!

Alles wurde genauestens überwacht: soziale Integration mittels Besuch der Dorfkneipe und der  Dorffeste, die Rasenpflege mittels obligatorischem Rasenmähen (fast schon ein Must in der Nachbarschaftsbeobachtung!)  und natürlich… die akribische Kontrolle der geleisteten Gartenarbeit. Und da punktete man ohne irgendeine Vorahnung, landete doch ein winziges, auf der Fensterbank vorgezogenes Kürbispflänzchen noch vor den Eisheiligen auf dem Kompost…und ward dort vergessen! Bis eine Nachbarin als Erste sah, was daraus geworden ist: ein 30 Quadratmeter umfassender Blätterteppich, unter dem eine Menge gelb-orangefarbener Gartenkürbisse wuchsen – einfach so! Und so manche von beachtlicher Größe. Der gewöhnliche Gartenkürbis schmecke übrigens (so eine diesbezügliche Information der rezenten Ausgabe der „ZEIT“) am besten, bevor er völlig reif sei, und frisch wäre er noch nicht muffig. Die begeisterte Einwohnerschaft kam vorbei, um Kürbis zu bekommen – die eigenen, mit viel Fachkompetenz herangezogen, waren massenweise…verkümmert. Sogar eine Biogärtnerin meldete sich an und fotografierte! Soviel dazu, was man alles ohne Vorkenntnisse so erreichen kann…

Natürlich wurde aus dem Häuschen nach der Renovierung ein sehr schönes Objekt mit einem schönen Garten – der entsprechende Motivationsschub mittels Kürbiserfolg war offensichtlich.

Und die Buletten? Kein Thema mehr…so wie wir „Impfbuletten“ in Bälde ebenfalls?

Und „Corona“ nur mehr eine mexikanische Biermarke?

Frank Bertemes

 

 

 

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