Pensiounsdëppen : hallef voll oder hallef eidel ?

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Image credits:pixabay

selber in Rente seit über einem Jahr, muss ich gestehen, dass unser Rentensystem mehr als grosszügig ist. Viele von uns geniessen die 5/6tel Pensioun, und bei einem Arbeitnehmer, der auf der Basis des Mindestlohnes kotisiert hat, kann es vorkommen, dass seine Rente höher ausfällt als sein Lohn im aktiven Leben. Wir können uns glücklich schätzen, besonders gegenüber Rentnern in der Bundesrepublik Deutschland; unser Nachbar wird in den nächsten 20 Jahren ein gravierendes Armutsproblem haben und zwar dann, wenn Millionen Menschen, die bereits heute mit einem Minimalverdienst auskommen müssen, dann in Rente gehen und mit noch weniger Geld auskommen müssen. Bei uns ist das Problem anders gelagert: wir versprechen das Doppelte von dem, was Staat, Arbeitgeber und –nehmer einbezahlt haben. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen, doch Politiker und Gewerkschaften sträuben sich gegen eine neue Reform des Pensionsystems.

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Präsident des fonds de compensation war bis vor Kurzem Robert Kieffer, er ist Mathematiker und hat mathematisch gesehen, Recht. Von Politik hat er weniger Ahnung, doch er sieht es als seine Pflicht, die Öffentlichkeit regelmässig wach zu rütteln. Die Rentenreserven sind binnen 12 Monate um 1,2 Milliarden € auf fast 18 Milliarden gestiegen; damit ist die Rente für 4,5 Jahre abgesichert, ohne dass auch nur ein Cent zusätzlech einbezahlt werden müsste. In Deutschland ist die Rente manchmal nur für einige Monate sicher. « Warum sich also Gedanken machen « ?! hadern die Gewerkschaften, und die Politiker möchten das heisse Eisen nicht anfassen, denn auch nach der Reförmchen von Minister Mars di Bartolomeo im Jahr 2012 bleibt als conditio sine qua non für das Weiterbestehen des Systems, dass unser Arbeitsmarkt jährlich um 3 Prozent wachsen muss. Und da rechnet der Mathematiker uns vor, dass wir dann in 60 Jahren eine Bevölkerung von über 3 Millionen haben werden. Auf Radio 100,7 stichelte er während der letzten Sommerferien: wollen wir auf immer und ewig auf dieses Wachstum angewiesen sein? Und was geschieht, wenn dieses Wachstum mal stagniert?

Mit Visionen muss man nicht zum Arzt !

die erste Frage lautet also, ob wir weiterhin Jahr für Jahr um 3 Prozent wachsen wollen? Der frühere Staatsminister Jean-Claude Juncker und seine damalige CSV-Präsidentin Erna Hennicot-Schoepges schlugen vor über 20 Jahren Alarm mit dem 700.000-Einwohnerstaat. Der sogenannte Rententisch, der daraufhin erfolgte, war ein Tisch, den niemand hungrig verliess. Es änderte sich absolut nichts, ausser dass die Mütterrente eingeführt wurde mit zusätzlichen Ausgaben. Die 700.000 werden wir bald erreicht haben, wir reden jetzt vom 1,2-Millionen-Staat. Die augenblickliche Regierung verspricht eine Zukunftsdebatte im Rahmen des Rifkin-Prozesses, verweigert sich jedoch einer breiten Diskussion über das Rentensystem. Vielleicht gibt es Hoffnung für die Zukunft, denn die IGSS (inspection générale de la sécurité sociale) hat ihre Bestandsaufnahme vor 15 Monaten fertiggestellt, über deren Inhalt  in einer Arbeitsgruppe diskutiert wird.

 

Die Politik – wie überhaupt die force vives der Nation müssen sich aber bewusst sein, dass eine Reform nicht schnell greifen kann und darf. Leute, die heute in Rente sind, können keinen Cent weniger bekommen. Da gilt der Satz vor Jahren im Kampf gegen die Pensionsreform der Staatsbediensteten vom damaligen DP-Politiker Henri Grethen : pacta sunt servanda, Verträge sind dazu da, um eingehalten zu werden ! In anderen Worten : wenn man mir 5/6 tel versprochen hat, möchte ich auch 5/6 tel haben. Auch die letzte Reform greift demnach erst  im Jahr 2052 vollständig, eine lange Zeit.

 

wir zahlen bekanntlich 24 Prozent der Lohnmasse während unserem Arbeitsleben ein und ziehen später, in Rente, über das Doppelte heraus. Im vergangenen Jahr lagen die Rentenausgaben bei fast 22 Prozent, in einigen Jahren werden sie über den 24 Prozent liegen, die wir zusammen mit Staat und Arbeitgeber kotisieren. In spätestens 10 Jahren werden die Reserven angezapft werden müssen. Es eilt also, und die nächste Regierung, gleich welcher politischen Konstellation wird nicht an einer Reform vorbeikommen.

… Kein Patentrezept…

 

 

Mitbürger, die heute ihre Rente geniessen, sind wohl behütet und abgeschirmt. Ihnen kann keiner was! Umso grösser ist der Neid der jüngeren Generation, die (zurecht) befürchtet, dass in einigen Jahrzehnten das Geld auf der hohen Kante aufgebraucht sein wird. Daher kann eine Reformdebatte nur dahingehend geführt werden, dass nicht weniger ausbezahlt, aber mehr einbezahlt wird. Die Beitragsleistungen – momentan jeweils 8 Prozent für Staat, Arbeitgeber und –nehmer, müssten also angehoben werden, was einerseits den öffentlichen Haushalt zusätzlich belastet und andererseits die Bosse auf die Palme bringt. Schliesslich sind sie es, die seit Jahren auf eine Reform drängen, da sie befürchten, dass später die Rechnung umso gesalzener ausfallen wird. Sie sehen unser Rentensystem strukturell im Ungleichgewicht und warnen vor einem Kollaps der öffentlichen Finanzen, mit einer Verschuldung des Landes von 181 Prozent des Brittoinlandproduktes. Robert Kieffer verlangt zusätzlich, dass das Rentenalter heraufgesetzt wird, aber wie gesagt, Mathematik ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, schon gar nicht in der Politik!

 

 

 

 

 

 

 

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