Frank Bertemes: Welt ohne Bargeld?

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Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch.

Albert Einstein

…und deshalb muss man es wohl ganz abschaffen, nicht wahr? Oder doch eher eine andere, (natürlich sinnentstellende) Befürchtung im Kontext Missbrauch im Sinne des einführenden Zitates: Ohne Bargeld ist die finanzielle Privatsphäre der Bürger vollends dahin. Der Staat kennt dann jede Geldtransaktion seiner Bürger*innen, nichts bleibt unerkannt, jede Transaktion wäre demzufolge völlig transparent, der Datenschutz natürlich nur mehr ein Witz. Dass somit auch jede verdächtige Geldoperation sofort erkannt werden könnte, dürfte klar sein. Der bargeldlos mittels Kreditkarte oder Handy-App zahlende Mensch ist längst gläsern. Wen die Bargeldabschaffung an George Orwells „Big Brother“-Dystopie – meint einer fiktionalen, in der Zukunft spielenden Erzählung mit negativem Ausgang – erinnert, ist keinesfalls hysterisch, sondern realistisch. Denn die vermeintliche Bequemlichkeit der bargeldlosen Bezahlung, die beispielsweise in Schweden längst Alltag ist, birgt in der Tat so manche Risiken.

Ob jemand die (gewollte) Abschaffung des Bargeldes als eine der direkten Konsequenzen der aktuellen Situation, in der wir leben, überhaupt noch abstreiten kann, dürfte egal wie gleichgültig sein – denn dem ist bereits so und dem wird besonders in Zukunft noch mehr so sein. Genau wie die Digitalisierung von dieser Pandemie ebenso „profitieren“ konnte – auch das ist Fakt! Denn auch „bargeldlos“ geht es wie immer besonders um etwas: um sehr viel Geld und massiven Profit – für eine Minorität, versteht sich. Kreditkartenanbieter oder auch Onlinebezahldienste verdienen nämlich sehr viel Geld mittels Gebühren, die sie für jeden Zahlungsvorgang kassieren. Bargeld an sich ist sicherlich nichts Schlechtes. Fachökonomen plädieren allerdings für eine zukünftige Welt, in der es nur noch kleine Scheine geben soll. Dieses Geld sollte für das Bezahlen der kleinen Dinge des Alltags dienen, große Scheine sollten abgeschafft, da diese oft für dunkle Geschäfte am Fiskus vorbei eingesetzt werden. Auch das Thema „Korruption“ spielt sicherlich eine Rolle. Größere Summen sollten demnach zwecks Kontrolle nur mehr elektronisch bezahlt werden. In Indien wurden beispielsweise, ob evidentem Korruptions- und Schwarzgeldproblems, Ende 2016 die größten Geldscheine aus dem Verkehr gezogen, somit dürfen 85 Prozent der Banknoten nicht mehr benutzt werden. Es gibt internationale Interessengruppen, die das Bargeld ganz abschaffen wollen. Besser aber wäre, dass man weiterhin über staatliches Geld, also Bargeld, und auch digitales Bankengeld für den täglichen Zahlungsverkehr verfügen kann. Wollen wir in einer rein digitalen Geldwelt ein rein kommerzielles, privates Bezahlsystem, das nur noch über ein pur virtuelles, exklusiv bei den Banken „existierendes“ und materiell demnach nicht mehr „fühlbares“ Geld verfügt? Dass Bargeld demnach inexistent sein würde, und nur mehr Bankengeld existiert, das irgendwo rein elektronisch herumschwirrt und das bei einer gar nicht so unmöglichen Bankenpleite dann ganz einfach futsch wäre? Ein verzweifelter Run auf die Schalter der Banken oder auf die Geldautomaten wäre in dem Fall egal wie sinnlos. Man könnte dann nämlich sein Geld nicht mehr vorher noch in Sicherheit bringen, ganz einfach deshalb, weil es materiell überhaupt nicht mehr existiert – abgesehen einmal davon, dass es in dem Fall sowieso weder Bankschalter noch Geldautomaten mehr geben würde, was sowieso sehr tatkräftig mit der konsequenten, schleichenden Abschaffung der Bankenzweigstellen vorbereitet wird. Ach ja, naiv gefragt, riskieren die Privatbanken nicht sich selbst abzuschaffen – doch dazu mehr siehe weiter unten im Text.

Tatsache ist, dass  80 Prozent des Geldes nur mehr digital existiert! Wer hat es etwas davon? Was passiert bei jedem Bezahlvorgang mit unseren Daten, die wir preisgeben (müssen)? Grenzt es nicht an Erpressung der wir uns unterwerfen müssen? Nach dem Motto Vogel friss oder stirb? Datenschutz ist jedenfalls nicht gegeben und wer liest schon die langatmig formulierten Allgemeinen Geschäftsbedingungen der diversen Geldanbieter durch – und das wissen die sehr wohl! Wer nimmt sich schon drei Stunden Zeit, das alles durchzulesen? Wäre es nicht  die Aufgabe eines Konsumentenministeriums, dies zu übernehmen, und den Verbraucher eine Zusammenfassung der diesbezüglichen Risiken anzubieten? Nur so eine Idee… Es ist jedenfalls klar, dass niemand weiß, was mit seinen oder ihren jeweiligen Daten so veranstaltet wird und wo diese überall landen. Was macht beispielsweise PayPal mit unseren Daten? Man faselt bei entsprechenden Nachfragen irgendetwas von Datenschutz und nur sehr gezieltem „Einsatzzweck“ bei gewissen Dienstleistern, doch dieser ist sehr weit gefasst, wie auch deutsche Verbraucherschutzorganisationen kritisieren.

Und bei uns im Ländle? Von Regierung und Parlament nichts zu hören, man wartet wohl noch ab, bis es dann endgültig soweit ist und man – wie so oft, siehe Bankengebühren, Abschaffung der Bankenzweigstellen usw. – dann zwar vollmundig protestiert, man jedoch eh nichts erreichen kann. Von der „Hilfe“ eines reinen Alibiministeriums ganz zu schweigen! Ein weiteres Trauerspiel und ein Armutszeugnis für ein Ministerium, das sich für den Konsumentenschutz einsetzen soll. Die visierten Bezahldienste leben darüber hinaus nicht nur vom Einkassieren von Gebühren, sondern sie wollen Daten, benutzen sogenannte „Datentracker“, die das Verhalten ihrer Kunden sehr genau registrieren. Da führt man Listen mit Dritten, an die personenbezogene Daten freigegeben werden, Listen als Anhang der oben erwähnten AGB’S, die teilweise über 40 Seiten lang sind und von denen die wenigsten von uns als Kunden irgendetwas wissen – und die die uns generell auch nicht weiter interessieren. Datensammelgiganten wie Google, Oracle oder Facebook allerdings schon, weil diese unsere persönlichen Daten, die wir als Kunden der diversen Bezahldienste sorglos freigeben, für ein personalisiertes Marketing sehr gewinnbringend zu nutzen wissen. Frei nach der Devise: Du nutzt meine Dienste, und somit gehören alle Deine Daten mir. Und diese Geldfirmen sehen sich mitnichten verpflichtet, ihre Kunden genau zu informieren, was sie mit ihren Daten anstellen.  Und wer greift ein? Siehe oben – niemand ist zuständig, Datenklau ein gewinnbringendes Geschäftsmodell…

Bargeldlos. Klingt doch gut. Die Welt ohne Bargeld. Ein Paradies für die Verbraucher – natürlich erst mal für jene, die das alles super finden und die über genug „Geld“ verfügen, versteht sich. Alle anderen sind egal wie völlig irrelevant, die werden anders „abgespeist“. Egal wie: In der rein digitalen Geldwelt wird neben evidentem Datenmissbrauch das Diktat der Kontrolle herrschen, die dann sehr einfach sein wird. Jedoch, anders betrachtet, wird die Welt ohne Bargeld, das dann mittels direkter Konten respektive Sparkonten bei den Zentralbanken in Form von digitalen Euros oder Dollars ohne Privatbanken funktionieren könnte, so wie heutiges Bargeld im Prinzip auch, sehr sicher sein?  Ein elektronisches Zentralbankgeld? In einer SWR – Dokumentation zu diesem Thema ist sich der anerkannte und vielzitierte Harvard-Ökonom Prof. Kenneth Rogoff dessen jedenfalls sehr sicher. Trotz aller Gefahren und Bedenken der totalen Überwachung und wissend, dass wir alle gläsern sind?

„Die Bürger demokratischer Gesellschaften sollten Kurse für geistige Selbstverteidigung besuchen, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren zu können.“ So der linke Intellektuelle Noam Chomsky, Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology.

Heuer brandaktuell!

Frank Bertemes

 

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