Frank Bertemes. Subversiv?

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Image par Alexandra_Koch de Pixabay

 

„Die miserable Sucht, mehr zu scheinen als was man ist, soll der Teufel holen.“

Robert Walser

 

Das Adjektiv subversiv bedeutet „umstürzlerisch“ und beschreibt Tätigkeiten, die erstens auf den Umsturz oder die Änderung der vorherrschenden (staatlichen) Ordnung abzielen und zweitens oft im Verborgenen betrieben werden. Auch die diese Tätigkeiten ausführenden Personen oder Organisationen können als subversiv bezeichnet werden. Das Wort ist aus dem gleichbedeutenden englischen subversive entlehnt, welches sich aus dem lateinischen subvertere (umstürzen) ableitet.

 

Soweit eine Definition. Inwiefern das aktuelle Corona-Virus eine (gezielt?) subversive Wirkung erzielen soll, sei dahingestellt. Genauso wie übrigens die Antwort auf die Frage, wie die aktuelle und ganz und gar nicht harmlose, für den Weltfrieden gar gefährliche Auseinandersetzung zwischen US-Amerika und China in diesem Kontext für diese Welt „subversiv“ sein könnte, niemand  weiß –  eben so wenig wie übrigens die (fragwürdige) Herkunft dieses Virus‘,  objektiv betrachtet, geklärt ist. Die diversen Theorien über dessen Herkunft, die zirkulieren, helfen uns allen in der gegenwärtigen Situation des immer unerträglicheren Stillstands übrigens nicht. Doch es geht dem Zeilenschreiber um etwas anderes, nämlich um das, was „danach“ passiert, um das, was das kapitalistische Wirtschaftssystem aus dieser wahrlich sehr ernsten  Krise denn so gelernt haben könnte.

 

Und dann kommt der bescheidene Beobachter wieder einmal zurück zu Karl Marx, der vielgescholtene, vielkritisierte und doch beachtliche Denker über ein alternatives Wirtschaftsmodell: Arbeit, Geschichte und Revolution – das sind wichtige Schlagworte für seine theoretischen Überlegungen. Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mit den Zusammenhängen von Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Philosophie. Und auch wenn das politische Establishment es heute tunlichst nicht hören will, jedenfalls nicht im Sinne des (vor allem) Philosophen Karl Marx: die Welt des „ danach“ wird nicht mehr die Welt des „vorher“ sein. Es wird vor allem eine Aufgabe der politisch Verantwortlichen sein, dafür zu sorgen, dass nicht die Konzerne, sondern die Mittelschichten, die kleinen und mittleren Betriebe, die sich heuer in einer sehr schwierigen Lage befinden, und die das eigentliche Rückgrat einer gesunden, sozial-ökologisch orientierten  Ökonomie sein müssen, unbedingt gestärkt statt geschwächt werden! Und noch etwas anderes, und das eben im Sinne des Philosophen, so jedenfalls der christliche Marxist Terry Eagleton, der sich fragt, ob jemals irgendein Philosoph so entstellt, so herabgewürdigt wurde, wie eben Karl Marx: Er war voll des Lobes für die Mittelklasse und sah den Sozialismus als Erben ihrer großen Errungenschaften: Freiheit, Bürgerrechte und materieller Wohlstand. Mit seinen Ansichten über Natur und Umwelt war er seiner Zeit in vielen Punkten erstaunlich weit voraus, nie hat es einen entschiedeneren Befürworter von Frauenemanzipation, Weltfrieden, Kampf gegen Faschismus und für die Befreiung der Kolonialvölker gegeben. So mancher „Sozialist“ von heute könnte immer noch viel von Marx lernen….und sich für eine Gesellschaft einsetzen, die das effiziente Wirtschaften, sozial – ökologisch orientiert, in einem Wirtschaftssystem sucht, das ein gesundes Wachstum der Mittelklassen sichern kann und die Macht der Konzerne und Banken bricht. Die mittleren und kleinen Unternehmen müssen in diesem Wirtschafssystem, das den klassischen Kapitalismus in gesunder Weise entschärft, unbedingt erhalten, gar gestärkt werden, dies in Kombination mit den wiederzubelebenden Genossenschaften – Stichwort: Landwirtschaft und Bioproduktion, beispielsweise, oder auch die einst funktionierenden Lebensmittelmärkte gewisser Berufsklassen, wie die Eisenbahner- oder Staatsbeamtenkonsums. Und natürlich die absolut öffentliche Daseinsvorsorge als Garant eines gerechten Staates – Bildung, Gesundheit (topaktuelles Topic!), Sozialversicherungswesen, Transport, Energie… – ein Must eines in diesem Sinne funktionierenden Gemeinwesens! Zusammengefasst:  Der Weg hin zu einem sozial-ökologischen Sozialismus, der auf einer starken Demokratie basiert (als absolut gar kein Widerspruch, ganz im Gegenteil!) und der eigentlich Karl Marx als den großen Vordenker hatte.

 

Was werden wir aus der aktuellen Krisensituation, die uns allen die Chance bietet, daraus etwas für unsere zukünftige Gesellschaft, für unser Gemeinwohl, besonders aber für unsere zukünftigen Generationen zu ändern, tatsächlich lernen?

 

Kann der blinde, neoliberal entartete Kapitalismus und die diesen vertretenden Machteliten das überhaupt?

 

Oder bedarf es dazu tatsächlich einer  subversiven  Reaktion des Volkes?

 

Frank Bertemes

 

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