Frank Bertemes: Sanfte Mobilität….unerwünscht ?

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Image par Mircea Iancu de Pixabay

„Wir gehen eines Tages kaputt, weil wir zu faul sind, zu Fuß zu gehen.“

Reinhold Messner

Recht hat der Mann, der mit Sicherheit weiß, wovon er spricht. Wenn man sein Zitat als überzeugter Fußgänger, der als Anhänger der so oft thematisierten Sanften Mobilität, meint der sanften Art der Fortbewegung im Respekt von Umwelt und Gesundheit, tatsächlich in einem gewissen (scheinbar) ländlichen Raum live und in Farbe jedoch ernst nehmen will, so kann man auf drastische Art und Weise mit der (in der Tat) lebensgefährlichen Realität konfrontiert werden. Persönlich konnte der Schreiberling dieser Zeilen dies heute Morgen wieder einmal live und in Farbe erleben…

Auch als sportlicher Mensch kann man nämlich sehr wohl so manche derartige Bewegungsabläufe praktisch erleben. Neben dem Zufußgehen, auch das Slalomlaufen, den abrupten , lebensrettenden Ausweichsprung in den „Summerwee“ praktizieren,  sowie ebenfalls das gelenkbelebende  Turnen über lange Abschnitte von Leitplanken, die den normalen Fußweg (Bürgersteig selbstredend inexistent) blockieren, ausüben. Ach tut das gut! Das alles erlebt man, wenn man in der Absicht, den lokalen Kommerz zu unterstützen, von Cruchten nach Roost tatsächlich zu Fuß zu gehen sich erdreistet! Dementsprechend wird man übrigens von den „klassischen“ automobilen Verkehrsteilnehmern, die an einem vorbeirasen, als Fußgänger angegafft, frei nach dem Motto „Huet deen se nach all?“ Eine Fragstellung, die den sich an dieser Stelle Mahnenden allerdings nicht wirklich stört! Sein Fußmarsch an diesem Morgen  war in  der Tat lebensgefährlich und hätte für ihn fast den letzten Tag hienieden bedeutet – die Veranstaltung „Sanfte Mobilität“ wird in dieser schönen Gegend nämlich zur Farce degradiert! In einem Zeitraum von knapp zehn Minuten passierten nämlich (gefühlt) rund fünfzig mit Bauschutt vollgeladene Lastwagen in einem mehr als „sportlichen“ Tempo den ebenso sportlichen Auftritt des Zeilenschreibers am Straßenrand – sein diverses Frühsportprogramm…siehe oben im Text! Das Ganze ist wahrlich kein Witz, sondern bittere Realität und es fehlt ein großes Schild, das im Fettdruck nach Art der „Bild-Zeitung “ von beiden Richtungen (Cruchten und Roost) etwas klarstellen sollte: „Fußgänger und Radfahrer unerwünscht – Raser willkommen!“ Man könnte diesen Abschnitt von rund 5 Kilometern, vorbei an einer riesigen Bauschuttdeponie als Würze dieses Spaziergangs, natürlich auch als „Trainingsgebiet für Überlebenskünstler“ ausweisen, denn man kann entweder zu Tode stürzen  – das Jonglieren über die erwähnten Leitplanken, die den Wegrand völlig abrupt abbrechen, und das einige Zentimeter neben der Fahrbahn,  ist nämlich überhaupt nicht lustig!– oder aber –  von einem rücksichtslosen und gehetzten Lastwagenfahrer schlicht übersehen  –  überfahren werden oder auch am aufgewirbelten Staub ersticken (ein Risiko, das heute zwar ob zweckentfremdeter, aber nützlicher Maske entschärft wurde – was für ein Glück! Ach ja, die Entsorgung ebendieser Corona-Masken auf einem schön gepflügten Feld konnte man neben sonstigem „entsorgten“ Müll und Unrat diverser Art ebenfalls bewundern – was so ein lehrreicher, sportlicher Spaziergang gegen zehn Uhr am Morgen doch alles so vermitteln kann!

Sanfte Mobilität? Ein Witz! Ach ja, so nebenbei bemerkt, spätestens dann, wenn der abenteuerliche Fußgänger in Roost eine gewisse Kreuzung erreicht hat, wo unser Infrastrukturministerium unverständlicherweise neben den verschiedenen Autohäusern, einem Restaurant, einer Großtankstelle  und der famosen  Bauschuttdeponie (ach ja: das in Bälde realisierte, ominöse  Google-Datacenter nur nicht vergessen!) keinen Kreisverkehr einzuführen gedenkt und der Lastwagenstau zum absoluten Reizthema zu eskalieren droht, wird es für den unverbesserlichen Fußgänger endgültig lebensgefährlich…nämlich dann, wenn er etwas sehr Schlimmes tun muss: die Fahrbahn überqueren! Ein absolutes Horrorszenario – so was ist nämlich mitnichten vorgesehen!

Aber keine Bange, das wird schon…Man empfehle den Verantwortlichen der zuständigen Ministerien  nämlich die Lektüre des Lei(d)tartikels des letzten „Reider vun der Noumer Gemeng“ aus der Feder eines Schöffen ebendieser Gemeinde Nommern, der seinem allgemeinen umweltpolitischen Ärger unter einem richtungsweisenden Titel sehr zurecht schriftlich Luft machte: Radikale Umgestaltung!

Und, an Fränz Bausch adressiert: „Ech hu mäin Tripp  zu Fouss haut de Moien  iwwerliewt!“

Esou just….

Frank Bertemes

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