Frank Bertemes: Killer – Gene?

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Image par LionFive de Pixabay

Wir müssen uns die nur scheinbar einfache Frage vorlegen: Was ist gut für den Menschen?“

Johannes Rau in einer vielzitierten Rede zur Gentechnik (FAZ – 18. Mai 2001)

Die Debatte um die Risiken der Gentechnik wird neuerdings um ein neues Reizwort in ebendiesem Kontext erweitert: Gene Drives, auch als Killer-Gene bezeichnet. Reizthema Gentechnologie:  immer wieder mit kritischen Beiträgen befeuert, merkt der kritische Beobachter allerdings, dass in diesem sensiblen Bereich der Methoden und Verfahren der Biotechnologie trotz aller permanent geäußerten Bedenken und Widerstände keineswegs irgendeine Form von „Besserung“ zu erwarten ist  – ganz im Gegenteil!

 

Wie uns kritisch engagierte Umweltexperten, die bestens mit der Materie vertraut sind, warnend informieren, sind die sogenannten „Gen-Drive-Organismen“ die vielleicht gefährlichste Anwendung der Gentechnik, die bisher entwickelt wurde. Mit Hilfe des so bezeichneten „geheimnisvollen“ CRISPR/Cas-Verfahrens sollen Tiere und Pflanzen so manipuliert werden, dass sie eine neue Eigenschaft an nahezu alle Nachkommen weitervererben – selbst wenn diese Eigenschaft der Art schadet. Wird ein solcher Organismus in die Umwelt freigesetzt, löst er eine gentechnische Kettenreaktion aus, die das Genom – das Erbgut eines Lebewesens oder eines Virus‘ –  einer ganzen Art global verändern kann. Weil sich damit auch Eigenschaften verbreiten lassen, die eine weitere Vermehrung unterbinden, lassen sich mit Gene Drives Pflanzen- und Tierarten ausrotten. Eine Frei­setzung von Gene-Drive-Organismen fand bisher noch nicht statt. Solche Freisetzungen könnten je­doch die Welt verändern: Sie bergen bisher nicht gekannte Gefahren und Risiken und stellen uns vor vollkommen neue ethische Herausforderungen. (cf. Quellenangaben unten)

 

Man stelle sich eine gentechnisch veränderte Mücke vor, die nur noch unfruchtbare Nachkommen erzeugt und so sich und ihre natürlichen Artgenossen ausrottet. Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, dass der Gene Drive von Mücken auf Schmetterlinge übertragen werden kann. In der Folge würden sich auch Schmetterlinge und andere Bestäuber ausrotten und so nicht nur Nutzpflanzen, sondern ganze Ökosysteme und damit auch uns gefährden. Niemand, der die neue Technologie vorantreibt, hat eine Lösung, wie diese Risiken sicher vermieden werden könnten. Und trotzdem gibt es Pläne, Gene Drives auch in der Natur einzusetzen. Das Geld dazu kommt bisher vor allem vom US-Militär und der Bill & Melinda Gates Foundation. Bill Gates soll vom Potenzial der Gene Drives ganz begeistert sein, weil er hoffen würde, die Mücken loszuwerden, die Krankheiten übertragen – was ein (vermeintlicher) Segen für die Menschheit wäre, jedoch mit Risiken verbunden ist, die bis jetzt kein Wissenschaftler wirklich abschätzen kann. Am Beispiel der Mücke wird schon deutlich, welche Risiken das sind. Was passiert mit Fröschen, Vögeln und Fischen, die sich von Mücken und ihren Eiern ernähren? Wie sehr beeinflussen Mücken zum Beispiel Wild, das in die Berge wandert, um den Mücken auszuweichen? Was verändert sich, wenn sie in den Tälern bleiben und dort fressen? Was wenn der Gene Drive auf andere Insekten übertragen wird? Diese Fragen werden zurecht gestellt…

 

Das größte vorstellbare Risiko bleibt aber der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme, das schon droht, wenn auch nur eine Handvoll gentechnisch veränderter Mücken aus den Laboren entkommt. Mit allem, was über den Gene Drive bekannt ist, können die Auswirkungen weder gestoppt noch rückgängig gemacht werden.

 

Ein heuer bevorstehendes Expertentreffen soll Regierungen in der EU und weltweit über die Risiken aufklären. Den kritischen Organisationen, die sich einmal mehr im Bereich Gentech zur Wehr setzen, geht es darum, den gesamten Entscheidungsprozess von Beginn an zu beeinflussen. Wenn eine neue Technologie eingeführt werden soll, dann ist auch die Frage, wer darüber entscheidet, sehr wichtig.  Wie wichtig und erfolgreich es sein kann, sich von Beginn an zu wehren, zeigt das rezent erzielte Resultat, dass es keine Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung geben wird. Auch diese Aktion wurde mit einem banalen Appell gestartet. Es besteht demnach auch im Kontext der Killer – Gene die reelle Chance auf ein weltweites Moratorium. So werden, wie erwähnt, in diesem Monat Expertentreffen organisiert, um der Politik eine Empfehlung zu Gene Drive auszusprechen. Entsprechende europaweite Unterschriftenaktionen laufen in dem Sinne, dass keine Gene Drives in die Natur gelangen, solange die Risiken unkalkulierbar sind.

 

“Lehrt eure Kinder, was wir unseren Kindern lehrten. Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne und Töchter der Erde. Denn das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen – der Mensch zur Erde. Alles ist miteinander verbunden wie das Blut, das eine Familie vereint.”

(Indianische Weisheit)

 

Frank Bertemes

Erdenbürger

 

 

Referenzen:

https://www.sciencedaily.com/releases/2019/12/191219142646.htm

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4882834/

https://www.etcgroup.org/content/gene-drive-files

https://www.geekwire.com/2020/bill-gates-thinks-gene-editing-artificial-intelligence-save-world/

https://www.theguardian.com/world/2018/nov/25/gm-mosquitoes-released-burkina-faso-malaria-gene-drive

Gene Drives

 

 

 

 

 

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