Frank Bertemes: Gefahr KI?

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Image par Gerd Altmann de Pixabay

Aus Homo sapiens, dem „verständigen, weisen“ Menschen, wird Homo obsoletus, der überflüssige Mensch, völlig nutzlos geworden, nachdem er seine Macht an Algorithmen abgetreten hat.

– Anders Indset

oder noch: „Dass die Artificial-Intelligence-Elite glaubt, Gefühle wie Liebe, Kummer, Freude, Trauer und alles, was die menschliche Seele mit Gefühlen und Emotionen aufwühlt, ließen sich einfach mir nichts dir nichts in einen Maschinenartefakt mit Computergehirn transferieren, zeigt, wie mir scheint, eine Verachtung für das Leben, eine Verleugnung ihrer eigenen menschlichen Erfahrung, um es vorsichtig auszudrücken.“ So der im Jahre 2008 verstorbene Professor Joseph Weizenbaum, ein deutsch-US-amerikanischer Mathematiker und Informatiker sowie Wissenschafts – und Gesellschaftskritiker, der sich selbst als Dissidenten und „Ketzer der Informatik“ bezeichnete.

 

Eine kritische Haltung ist im Kontext der KI, der „Künstlichen Intelligenz“ in der Tat  angesagt. KI, der Versuch, menschliches Lernen und Denken auf den Computer zu übertragen und ihm damit Intelligenz zu verleihen. So eine vereinfachte Definition des Begriffs. Statt für jeden Zweck programmiert zu werden, kann eine KI eigenständig Antworten finden und selbstständig Probleme lösen.  Dabei ist der Traum von künstlicher Intelligenz älter als der Computer selbst – sei es „Frankensteins Monster“ oder künstlich erschaffene Menschen wie der Homunculus, das Menschlein. Die Diskussion um die KI wird auch kulturell intensiv geführt, wie beispielsweise vom Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro, der in einem Interview diese Thematik betreffend zur Vorsicht mahnt. „Wir sollten schnell aufwachen“, so der im Jahr 1954 in Nagasaki geborene und in  London lebende Schriftsteller formell. In seinem neuesten Roman „Klara und die Sonne“ thematisiert er das, was in nicht allzu ferner Zukunft auf uns zuzukommen droht und was dies moralisch und ethisch bedeuten könnte. Dieser spielt in einer Welt großer wissenschaftlicher Fortschritte und gewaltiger sozialer Unterschiede. Die Icherzählerin Klara ist ein Wesen der künstlichen Intelligenz, ein „Au-pair-Roboter“, dessen Aufgabe es ist, sich um den Teenager Josie zu kümmern. Der Roman spielt in einer Zukunft, in der die meisten Kinder gentechnisch „optimiert“ werden. In einer Welt, auf der ein großer Druck auf den Eltern liegt, ihre Kinder zu verbessern, sie „klüger“ und „gesünder“ zu machen. Wegweisend auch die Bemerkung des Autors bezüglich des britischen Erziehungssystems, das enorme Qualitätsunterschiede zwischen den staatlichen und privaten Schulen offenbart. Seit der Verleihung des Nobelpreises begegnet er Preisträgern aus der Wissenschaft und wird regelmäßig zu den Diskussionsrunden der Royal Society in London eingeladen. Alle sind besorgt über die fehlenden Debatten über die Anwendung der Genomchirurgie, der KI und der Robotik.

 

Ein großer Teil dieser Forschungsbereiche findet (wenig überraschend) in Kaliforniens bestbekanntem „Silicon Valley“ statt – natürlich vorwiegend geheim. Diese Unternehmen mögen ob ihrer „Meriten“ bekanntlich weder Regulierung, noch eine Regierungsaufsicht. Klammer auf, ein kleiner Seitenhieb in Richtung Google und Regierungen, sehr wohl im Plural zu lesen: Wohl ein „stilles“ Abkommen, die man ja so gerne unter sich abschließt, in dem man als „Regulator“, der man ja als Exekutive für die Interessen des Volkes eigentlich sein soll, erstens die Augen verschließt um zweitens tunlichst nicht wissen will, was da alles so abgeht? Und das nicht nur im Silicon Valley!  – Klammer zu. Wissend ebenfalls, dass manche dieser weltbeherrschenden Konzerne darüber hinaus ihre Unternehmungen auf den Ozean zu verlegen beabsichtigen, um somit außerhalb jeder Kontrolle und Gerichtsbarkeit agieren zu können. Was muss man davon halten?

 

In Ishiguro’s Roman wird nicht nur die Gefahr KI visiert, eine Welt, in der Roboter so gewöhnlich sind wie Kaffeemaschinen, sondern wird jungen Menschen ebenfalls ein KF zur Seite gestellt, ein „Künstlicher Freund “. Wesen, die nicht nur neugierig und schlau sind, sondern sogar Gefühle haben. Der Schriftsteller sagt, dass die KI – Forschung enorme „Fortschritte“ gemacht hat und nennt (wen wundert’s?) wiederum Google und seine britische Tochter „ Deep Mind “, die sich eben auf die künstliche Intelligenz spezialisiert hat. Werden eines Tages KI – Programme Romane und Artikel für uns schreiben, somit auch hier den schreibenden Menschen ersetzen? Romane, die uns zu Tränen rühren werden? Ein Algorithmus würde unsere Gefühle und Emotionen verstehen und somit wissen, wie diese zu manipulieren, ja zu kontrollieren sind. Würde es uns nicht alle verdammt nervös machen, wenn eine KI es schaffen könnte, gezielt Emotionen zu wecken und diese vielleicht auch politisch, somit auch für diverse politische Kampagnen „nützlich“ und effektiv einzusetzen? Zum Heulen!

 

Die Gefahren der KI, die vielseitig und vielseitig einsetzbar ist. Gefahren, denen wir uns in unserer aktuellen, wahrlich nicht nur sanitären Krise, wenig bewusst sind, Überwachung und Kontrolle inklusive: Jedes mittels „Zoom“ oder „Teams“ geführte Gespräch, Programme, die wir nicht nur in der modernen Arbeitswelt sehr sehr schnell und sehr gut kennen lernen „durften“, ja jede Konferenz kann aufgezeichnet, überwacht, analysiert werden. Und die Rechnung dafür verbirgt sich nicht im Geld, sondern woanders, nämlich in den gelieferten Daten für die Gesichtserkennung, für die Emotionsforschung oder sonst irgendwas, das uns (noch) nicht bekannt ist. Und was tut die EU? Sie wirbt natürlich für die KI, auch wenn sie einiges doch (noch!) verbieten will. Der Job-Killer KI interessiert die EU-Protagonisten herzlich wenig – gilt doch das allesbeherrschende Kredo der Wettbewerbsfähigkeit und der rein wirtschaftlichen Möglichkeiten der Einsetzbarkeit der KI. Der Mensch? Nebensache – irgendwie ablenkende Manöver wie ein garantiertes Grundeinkommen usw. wird die drohende Massenarbeitslosigkeit schon richten, auch hier wird die KI für die notwendige Ablenkung sorgen. Die Interessen der Zivilgesellschaft interessieren ebenfalls nicht, Stichwort: Gesichtserkennung im öffentlichen Raum – Verbot nicht vorgesehen.  Ganz zu schweigen von einem Rechtsrahmen für die militärischen Anwendungen der KI – ebenfalls kein Thema…

 

Europa der Bürger?

 

Wohl eine Farce!

 

Frank Bertemes

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