Frank Bertemes: Das Fraktal

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Image par Hans Braxmeier de Pixabay

wissen ist ein Fraktal 

( Georg-Wilhelm Exler)

Das Fraktal. Eine Definition dieses Begriffes besagt, dass ein Fraktal eine Struktur darstellt, deren Einzelteile der Gesamterscheinung ähnelten. Blumenkohl zum Beispiel lasse sich als Fraktal beschreiben, weil jedes kleine Röschen dem Kohl als Ganzem ähnele. Und das ist wohl jedem schon einmal aufgefallen, sofern sie oder er diese Röschen in mühevoller Küchendetailarbeit aus einem Blumenkohl herausausgeschnitten hat.

Der Begriff Fraktal wurde in der höheren Mathematik geprägt und  kann sowohl substantivisch als auch adjektivisch verwendet werden. Das Gebiet der Mathematik, in dem Fraktale und ihre Gesetzmäßigkeiten untersucht werden, heißt fraktale Geometrie und ragt in mehrere andere Bereiche hinein. Das Adjektiv fraktal bedeutet „stark gegliedert“ oder „vielfältig gebrochen“ und wird, wie gesagt, hauptsächlich in der Mathematik benutzt. Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen Begriff frangere, das „zerbrechen“ bedeutet. Der Begriff Fraktal wurde von Benoît Mandelbrot, einem US-amerikanischen Mathematiker, geprägt. Fraktale sind ein Forschungsfeld, das sich näher zu studieren lohnt. Das wahrscheinlich beeindruckendste und berühmteste Fraktal ist die Mandelbrot Menge, deren erste Bilder im Jahre 1978 berechnet wurden. 1980 publizierte Benoît Mandelbrot eine Arbeit über dieses Fraktal. Die Entdeckung der Mandelbrot Menge ist ein sehr emotionaler Prozess. Niemand kennt alle Details und man findet immer wieder neue, beeindruckende Muster die man davor noch nie in seinem Leben gesehen hat. Da es keine Grenze in der Mandelbrot Menge gibt, also kein Punkt an dem die Details enden, gibt es unendlich viele verschiedene Muster in ihr. Diese unvorstellbare Unendlichkeit ist umwerfend, so an der Materie Interessierte. Fraktale Kunst ist eine Untergruppe der digitalen Kunst.

 

Fraktal ist in dem Sinne Selbstähnlichkeit und kann somit im weiteren Sinne auch in der Philosophie sowie den Sozial – und Naturwissenschaften verwendet werden, um grundsätzlich wiederkehrende, in sich selbst verschachtelte Strukturen zu bezeichnen. Was passiert nämlich, wenn man sich mit den Irrungen und Wirrungen des Kapitalismus beschäftigt? Der Wirtschafts- und Gesellschaftsdoktrin des Mainstreams, der scheinbar alternativlosen Gesellschaftsordnung der Neuzeit, in der die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhaltensweisen und Beziehungen der Menschen wesentlich von den Interessen derjenigen bestimmt werden, die über das Kapital verfügen. Und wenn wir jeden einzelnen Bestandteil dieser allesbeherrschenden Wirtschaftsweise, ähnlich eines Romanesco-Gemüses, unseres Blumenkohls oder auch die immer feiner werdenden Verästelungen in unseren Lungen (Corona lässt grüßen) auseinandernehmen und dann wieder zusammenfügen würden – dann hätten wir das gleiche wieder, jedes Einzelteil würde der Gesamterscheinung ähneln. Jedes einzelne Teilchen bildet demnach das Gesamtsystem! In dem Sinne ist es wahrlich nur müßig, eine pure Illusion, sich von den herrschenden Eliten des Kapitals und der von ihr vertretenen Wirtschaftsdoktrin – ihres Wirtschaftsgesetzes, das die politische EU-Klasse auch eben wirtschaftsultraliberal weiterhin be– und verfolgen wird –  angesichts und als Folge der aktuellen „Corona“-Krise,  irgendeine fundamentale Systemänderung zu erwarten.

 

Das System der menschenverachtenden Irrungen– und Wirrungen kann sich nur infolge des Widerstandes der Völker Europas in die richtige Richtung der sozial-ökologischen Wirtschaftsweise verändern.

 

Und gerade das ist die Chance der aktuellen Krisensituation, die uns alle weltweit in Atem hält.

 

Im Sinne der Empörung: „frangere“ – zerbrechen!

 

….das Fraktal.

 

Frank Bertemes

 

 

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