Joe Wissler: Artensterben in Luxemburg

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Image par Karen Arnold de Pixabay

wie die grüne Ideologie unsere Artenvielfalt bedroht

 

Im Umweltministerium sowie in der ANF haben sich seit dem Regierungswechsel ein Kreis von Entscheidungsträger zusammengefunden welche offensichtlich ihre ganz persönliche Vorstellung über das Ressourcen- und Populationsmanagement der Fauna und Flora in einem autokratischen Führungsstil durchsetzen wollen.

 

Die Durchsetzung dieser Projekte bleibt erwartungsgemäß einer politisch vorgegebenen Ideologie treu damit eine gewisse Selbstinszenierung nicht zu kurz kommt und gezielt ihre Wählergruppen angesprochen werden können. Bei Kritik oder Widerstand wird mit besserwisserischem Finger auf so genannte wissenschaftliche Fakten verwiesen, welche bei näherer Analyse sich als einseitige Darstellung, Halbwahrheit oder als falsch erweisen. Der Unterschied zwischen einer Korrelation und einer Kausalität wird geflissentlich übergangen.

 

Stattdessen tritt das ein, was in der Psychiatrie als magisches Denken bezeichnet wird und das ist leider dem logisch-wissenschaftlichen Denken entgegengesetzt. Es wird nämlich nicht mehr versucht, mutmaßliche Kausalzusammenhänge der gegenständlichen Welt zu erfassen, sondern das Denken folgt im vorliegenden Fall denen einer Ideologie. Der geneigte Leser wird hier gewisse Parallelen zum Umgang mit anderen Umweltthemen wiedererkennen.

 

Beim leidigen Thema der Fuchsschonzeit wurde dies in erschreckendem Masse deutlich.

 

Wissend, daß ein Teil der Bevölkerung heutzutage die zum Teil komplexe als auch gnadenlose Vorgänge in unserer Natur hauptsächlich über Facebook oder Youtube in einer vereinfachten und oftmals romantisierten Form bekannt sind, wurde diese Maßnahme nicht sonderlich hinterfragt. Das Umweltministerium hat, entgegen ihrer Verlautbarungen, weder unabhängige, wissenschaftliche Überprüfungen über die Konsequenzen der Schonzeit in Auftrag gegeben noch die Populationsdichte dieses Kulturfolgers im Auge behalten. Bei einem Interview mit dem nationalen Radiosender erklärte der Direktor der Forstverwaltung bezüglich der Fuchspopulation kürzlich folgendes:

 

Mir hunn keng genau Zuelen iwwert Densitéit vun den Fiiss hei zu Lëtzebuerg, dat kennen mir momentan net bewäerten.“[1]

 

Das Fazit einer fünfjährigen Schonzeit lautet also: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

 

Wenn nichts oder allenfalls halbherzig überprüft wird, können auch keine unangenehmen Feststellungen gemacht werden, welche die eigene Weltanschauung gefährden könnte. Im sicheren Gefühl der moralischen Überlegenheit und einer falsch verstandenen Tierliebe wird es dann nicht mehr für nötig gehalten, sich auf unangenehme Aspekte der eingeleiteten Maßnahmen einzulassen, etwa das elendige Krepieren von Füchsen an Räude, die heimliche Verbreitung der alveolären Echinokokkose oder das Anfressen von Kälbern bei lebendigem Leib. Viele Kleintierzüchter haben angesichts ihrer unwiederbringlichen Verluste teilweise bereits das Handtuch geworfen.

 

Aus dieser Erfahrung gestärkt, wurde die gesamte Fauna einem ideologischen Wildtiermanagment weiter unterzogen. Die ganze zur Schau gestellte Besserwisserei scheitert jedoch an der Realität. Recht schwerfällig kommt die Einsicht, daß man die Schuld am unaufhaltsamen Rückgang der angestrebten Biodiversität nicht einzig und allein der intensiven Landwirtschaft oder den Einsatz von Pestiziden anhängen kann.

Beutegreifer und Kulturfolger, in der Hauptsache der erwähnte Fuchs, verhindern jegliches Aufkommen von Bodenbrütern wie dem Rebhuhn und seinen Gelegen während unsere Freigänger-Hauskatzen ihr Übriges tun. „Die Bestände des Rebhuhnes sind von allen Feldvögeln am stärksten kollabiert, da das Rebhuhn nicht nur durch die Verarmung der Landschaft wichtige Ressourcen verlor, sondern außerdem unter einem Prädationsrisiko leidet“ (Gottschalk & Beeke 2015). Ebenfalls sei auf die wissenschaftliche Arbeit von Rolf und Kathrina Klein über den Rebhuhn Bestand in Luxemburg von 2016 verwiesen, welche den Prädatorendruck in den Vordergrund stellt: „Des Weiteren muss über eine gezielte Prädatorenmanagement in Rebhuhnzentren zwingend nachgedacht werden.“[2]

 

Es ist purer Zynismus zu behaupten, es wären keine negativen Auswirkungen auf die Zahlen der Bodenbrüterpopulation hinsichtlich des Prädatoren Drucks festzustellen. Wie denn auch, die Zahl der Bodenbrüterarten tendiert seit Jahren gegen Null, weniger geht nicht!

 

Überhaupt sieht es für unsere Vogelwelt nicht rosig aus, der Rückgang der Singvögel ist alarmierend. Mehr als die Hälfte der Brutvogelarten sind bereits ausgestorben oder gefährdet. Das Bejagungsverbot von Rabenvögeln, welche mit Vorliebe Singvogelnester plündern, sorgt zwar bei diesen räuberischen Arten für wachsende Populationen, verhindert allerdings jegliches, proaktive Vorgehen, den Artenschwund in der Vogelwelt zu stoppen.

 

Der Einfluss von Prädatoren bzw. nachtaktiven Raubsäugern auf bedrohte Restpopulationen ist und bleibt deshalb ein Schlüsselfaktor den man nicht ignorieren sollte da diese jegliche bestandserhaltende Reproduktion bedrohter Arten nicht nur gefährden, sondern unterbinden. Das Pflanzen von Hecken und Sträuchern wird als Lösung nicht genügen. Allein durch die hohen Prädationsverluste sind sogar in Schutzgebieten, deren Lebensräume optimiert sind, Zielarten wie Wiesenbrüter in hohem Masse bedroht. (Litzbarski & Litzbarski 2008; Langgemach & Bellebaum 2005)

 

Unsere Tier- und Naturschutzorganisation erwähnen diesen Umstand nicht, schließlich will man Mitglieder und Spender nicht mit Aktionen gegen Raubwild oder streunende Hauskatzen vergrämen.  Nebenbei bemerkt, zeigte sich unser Umweltministerium 2018 sehr spendierfreudig als es um die vermeintliche Rettung von drei emblematischen Tieren wie der nepalesische Schneeleopard ging und ganze 9 Millionen Euro (!) spendete.

Im Gegenzug sind die bei uns eingesetzten Mittel, Projekte und Konzepte für hierlands gefährdete Arten wie das einheimische Rebhuhn, das Haselhuhn oder die Waldschnepfe, als unzureichend zum Teil auch kontraproduktiv einzustufen, weil der Prädatorendruck außer Acht gelassen wird.  Man fürchtet sich wohl davor Maßnahmen zu ergreifen, welche den einen oder anderen Wähler zu emotionalen Trotzreaktionen führen könnten.

 

Um eins klar zu stellen: es geht nicht um das Ausmerzen oder das „Abballern“ von „bösen“ Tieren sondern um die sture Verweigerung der Umweltbehörde einzugestehen, daß der hierlands praktizierte Vollschutz von jeglichen Prädatoren das Artensterben in unserer ohnehin strapazierten Umwelt nicht stoppt, sondern zusätzlich belastet. Die Vorstellung, daß die natürliche Regulationsschiene im zukünftigen Ein Million Einwohnerstaat von Fuchs & Co zu Gunsten der Artenvielfalt spielt, ist nichts andere als ein Ammenmärchen, welches das Fiasko vergrößern wird.

Man kann die hiesige Wildfauna nicht in ideologische Schubladen einteilen, in denen insbesondere Allesfresser und Raubtiere einen ungewöhnlich hohen Schutz genießen und hierdurch bereits bedrohte Tierarten, welche zu deren Beuteschema gehören, faktisch zum Aussterben verurteilt sind.

 

Die Behauptung der ANF, Prädatoren wie der Fuchs würden ihre Population selbst regulieren, ist durch keine ernstzunehmende Studie belegbar. Stattdessen täte man besser, wie beim Schalenwild, einen auf konkrete Fakten basierenden Regulationsplan für bestimmte Prädatoren, welche als Kulturfolger gelten, auszuarbeiten. Der Einzug von invasiven Arten wie der Waschbär oder die Nilgans verschärft das Problem bezüglich der Artenbedrohung um ein weiteres aber auch hier tut man sich schwer die dringend notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

 

Mit den jetzigen Regelungen und der Weigerung, praxisorientierte, jagdliche Mittel zu legitimieren, wird die Eroberung unseres Ökosystems durch Neozoen nicht zu bremsen sein.

 

Der seit Jahren von der ANF hinausgezögerte und kürzlich vorgestellte Aktionsplan entpuppt sich jetzt schon als Tropfen auf den heißen Stein. Eine Handvoll Beamten, welche mit Fallen in prioritären Zonen (demzufolge nur in Natura 2000 Gebieten) das Problem der Neozoen angehen soll, wird allenfalls reichen ein paar Statistiken zu verschönern. Regeln werden diese Maßnahmen das Problem ganz sicher nicht.

 

Es wäre höchste Zeit, wenn das Umweltministerium, zusammen mit allen Akteuren, inklusiv Jäger, Fischer, Waldbesitzer, Landwirte und Naturschützer, konkrete und praxisgerechte Maßnahmen einleiten würde um das einheimische Artensterben aufzuhalten. Dies ohne ideologische Sturheit, pseudowissenschaftlicher Besserwisserei und rechthaberischer Bevormundung. Ansonsten darf man sich getrost mit dem Spruch „Natur reegelt sech vum selwen“ vom Artenvielfaltprojekt verabschieden.

 

 

Joe Wissler*

Beetebuerg

 

*Der Autor ist staatlich anerkannter Wildtiermanager und  Mitglied beim Lëtzebuerger Wëldschutzverband (LWV).

 

Der LWV ist offiziell als Tierschutzorganisation anerkannt.

 

[1] 24.01.2020 – https://www.rtl.lu/radio/invite-vun-der-redaktioun/a/1460685.html

[2] https://www.luxnatur.lu/publi/wb31001040.pdf

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