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Gesellschaft

Lieserbréif vum Frank Bertemes: Streitkultur 

Lieserbréif vum Frank Bertemes: Streitkultur
Photo de Nandhu Kumar: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/decor-en-pierre-noire-empilable-au-plan-d-eau-312839/

Viel ist schon gewonnen,

wenn nur einer aufsteht und Nein sagt.

Bertolt Brecht

 

Doch dieser Eine, der sich traut, macht sich nicht unbedingt beliebt – das dürfte bekannt sein. Jeder moderne Berufstätige, der in einem konfliktreichen, ungesunden Berufsumfeld arbeitet, weiß, dass in „Meetings“, wo dann jeder jedermanns „Freund“, während dieser Dauer zumindest aber jedermanns bester Kollege sein will (oder muss), Harmonie Pflicht zu sein hat und Widerspruch wenig angesagt ist – man könnte sich in der Tat unbeliebt machen. Wie schrieb jemand so passend: Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb.“ Kollegen reden „auf Augenhöhe“, mit der (oft geheuchelten) „Wertschätzung“ miteinander (oder eher aneinander vorbei), die es im realen Betriebsalltag mit schlechtem Betriebsklima oft nicht gibt. Im Berufsalltag der „modern times“ droht die Konkurrenz immer schlimmer zu werden und die normale, direkte Kommunikation sich ob der digitalen Welt und ihrer diversen Technologie immer schwieriger zu gestalten. In einem gesunden Arbeitsklima stellt sich diese Problematik glücklicherweise nicht…

Wie ist das denn so mit der „Harmonie“ in problematischem Umfeld? Wenn sich dann tatsächlich einmal jemand traut, aufzustehen, laut Nein zu sagen oder gar zu skandieren: „Harmonie verblödet“? Reagiert die Versammlung oder eine sonstige, auch private Runde (weil dieses Thema auch allgemein gilt),  dann aber richtig, so wird es, bildlich betrachtet, hell im Raum – es wird Licht! Dann kann nämlich im Sinne von gelebter Streitkultur, in pro-aktiver Form positiv gestritten werden, neue Ideen können aufkommen, eine neue, gesunde Dynamik kann entstehen – weil eben jemand sich getraut hat, aufzustehen! Ja, diese Welt, diese Gesellschaft braucht Störenfriede, Kritik muss erwünscht sein. Nein-Sager können so wichtig sein, wissend, dass Ja-Sager und Kopfnicker diese Welt nämlich nicht verändern, kritische Denkprozesse nicht angeregt werden und eine gesunde Streitkultur eben nicht aufleben kann.  Ob die Nein-Sager allerdings unbedingt immer recht haben, ist dabei eher nebensächlich, das stellt sich dann in einer gesunden Streitkultur, die diese Person befeuert hat, heraus – sofern man dazu bereit und auch fähig ist. Denn ebendiese gelebte Streitkultur soll etwas vermeiden: nämlich reellen Streit – der nur Verletzungen, kontraproduktive Handlungen oder das „Aus“ in der Debatte bringt. Und dann ist niemandem geholfen.

Ja, es stimmt. Harmonie verblödet. Lasst uns wieder streiten lernen…

Frank Bertemes

 

 

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