Frank Bertemes: „Göttliche“ Sozialordnung oder das Gesetz der Wüste

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„Die schlimmste Art der Ungerechtigkeit ist die vorgespielte Gerechtigkeit.“  (Platon)

Nicht nur in Ägypten und den Königsdiktaturen biblischer Zeiten musste das Volk erfahren, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Jene, die die Peitsche schwingen und jene, die sie erleiden müssen. Um bei diesen Zeiten zu bleiben: gegen diese scheinbar „natürliche“ Ordnung der Welt setzte das biblische Israel sein beispielhaftes „Hier nicht!“ Das „Neue Volk“ akzeptierte die Herrschaft des Stärkeren, diese einfältige Lösung des menschlichen Zusammenlebens als der Weisheit letzter Schluss, jedenfalls nicht. Man sah sich als die „göttliche“ Alternative, es galten die Zehn Gebote und das Gesetz Gottes: Ich bin Jahwe, Dein Gott, der Dich aus Ägypten herausgeführt hat, aus dem Sklavenstaat, so werden die Zehn Gebote eingeleitet. Diese, auch für den Atheisten, in diesem Falle biblisch definierte Allerweltsethik, galt allerdings schon lange vor den Juden in anderen Kulturen – nichts Neues demnach. Sie formten diese allerdings in drei Punkten entscheidend um, wobei das Gesetz der Wüste uns modernen Weltbürgern doch sehr bekannt vorkommen müsste: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Der aktuelle Corona-Kontext dürfte uns allerdings unweigerlich vorgeführt haben, was von dem uralten Gesetz der Wüste übrig geblieben ist, nämlich so ziemlich gar nichts! Das betrifft natürlich besonders die Opfer dieser (durchaus diskutablen) Pandemie, deren Schicksale nach und nach immer mehr in den Medien thematisiert werden. Besonders schockierend sind dabei natürlich jene Ungerechtigkeiten in diesem Gesamtzusammenhang, die offenlegen, wie eine Minorität von Reichen immer noch reicher wurde und ihr unsolidarisches Verhalten, das gewisse Politiker auch noch unterstützen, die politische Klasse immer mehr in Bedrängnis setzt, Stichwort: Glaubwürdigkeit! Erlaubt sich ein Minister, in diesem Falle Dan Kersch, eine mehr als berechtigte Corona-Steuer in die Debatte einzubringen, auch wenn diese natürlich genau geregelt sein muss und sein lobenswerter Vorstoß heuer durchaus mehr als „nur“ ein Denkanstoß sein muss, so reagiert die etablierte liberal-konservative Politkaste kapitalistischer Polit-Obedienz gereizt ablehnend und erwartet sich darüber hinaus auch noch die Stimmen eines Wahlvolkes, für das doch – und damit zurück zu den einführenden „göttlichen Ordnung“, der sich doch besonders die „christlich-sozialen“ (intern zerstrittenen)  Politprotagonisten  irgendwie noch verpflichtet fühlen müssten ­– besonders etwas noch Gültigkeit haben müsste, ein „Etwas“, das auch in unserer Verfassung (ohne Gottesnennung) festgelegt ist: Vor Gott sind alle gleich! Will meinen: In einer Demokratie sind alle Bürgerinnen und Bürger qua Verfassung gleich viel wert –  und das muss sich auswirken auf das Zusammenleben der Menschen. So sind alle Bürgerinnen und Bürger eines modernen Sozialstaates, der unsere westlichen Demokratien ach so auszeichnen sollte eben gleichwertig – nur die „Corona-Misere“ beweist sehr eindringlich, ja dramatisch, dass dem eben nicht so ist.

Es müsste, um die biblischen Vorgaben, die in diesem Beitrag durchaus provozierend bemüht werden sollen, in diesem Sinne allerdings so sein, dass der Starke dem Schwachen helfen sollte, statt ihn zu unterdrücken und auszubeuten, wie es die neoliberale, Bilderberg und Davos – diktierte „moderne“ Politik, die in Zukunft noch vielmehr auf Elitedenken ausgerichtet sein wird, leider schamlos ungeniert praktiziert. Das einst versklavte Volk wehrte sich – und müssen die modernen Sklaven des Alltags (auch jene, die sich dieses Status‘ aller Lohnabhängigen, die im Hamsterrad des neoliberalen Alltags herumlaufen, noch nicht bewusst sind) dies nicht in Bälde wieder dezidierter tun? Die Macht der kleinen Leute liegt in ihrer Zahl – und in ihrer Wahl, bitte sehr! Die Vorbereitungen nach den Direktiven von Rothschild und Rockefeller, die Bilderberg und Davos beherrschen, laufen unweigerlich – auch wenn dies immer wieder in den Bereich der Konspiration abgetan wird. Die Weltpresse berichtet alljährlich von diesen durchaus nicht unbekannten Treffen der Eliten dieser Welt. Doch die „göttliche Sozialordnung“ , um auf diese zurückzukommen, diktiert keine elitäre, sondern eine menschliche Politik: die natürlichen Ungleichheiten müssen so weit wie möglich korrigiert werden, ohne Umverteilung geht es nicht!

Und, im Sinne Platons, muss die vorgespielte Gerechtigkeit, die so einige uns in ihren Politsprüchen von (vermeintlicher) „sozialer Gerechtigkeit“ so vorgaukeln, endgültig passé sein!

Frank Bertemes

 

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