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Lieserbréif vum Frank Bertemes: Katastrophe mit Ansage 

Lieserbréif vum Frank Bertemes: Katastrophe mit Ansage
230301 -- TEMPI, March 1, 2023 -- This photo taken on March 1, 2023 shows the site of a collision of two trains at Tempi municipality, Greece. The death toll from the collision of two trains in central Greece on late Tuesday night has increased to 36, while 66 injured people were still hospitalized, including six in serious condition in intensive care units, the Greek Fire Service said on Wednesday. Photo by /Xinhua GREECE-TEMPI-TRAIN COLLISION LeonidasxTzekas PUBLICATIONxNOTxINxCHN

„Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.” (Albert Einstein)

Ein schweres Zugunglück auf der wichtigsten Strecke Griechenlands von Athen nach Thessaloniki forderte nach der Frontalkollision zweier Züge – eines Intercity mit rund 350 Menschen an Bord und eines Güterzuges – 57 Todesopfer. Sie starben einen grausamen, brutalen Tod. Bei Temperaturen von bis zu 1.300 Grad blieben von ihnen nur verstümmelte, verkohlte Überreste übrig. Die Medien verbreiten nun neben der großen Opferzahl und Informationen zum mutmaßlich verantwortlichen Eisenbahner auch Berichte, die den weiteren, fundamentalen Ursachen des Unglücks auf den Grund gehen. So erfährt man, dass der Beschuldigte zur Unglücksstunde vier Tage Dauerdienst hinter sich hatte (sic!) und gerade mal einige Monate zuvor in einem Crashkurs auf seine Aufgabe vorbereitet worden war. Diversen Presseberichten nach (Zitat) „arbeitete er bis zu dem Unglück offenbar vier Tage lang alleine auf dem Bahnhof, obwohl es sich um ein verlängertes Feiertagswochenende mit starkem Zugverkehr handelte. Allein schon der Werdegang des Bahnhofsvorstehers, der den entscheidenden Fehler machte und den Personenzug auf die falschen Gleise schickte, wirft unzählige Fragen auf. Der Mann ist 59 Jahre alt – und hatte erst im vergangenen Jahr seine Ausbildung als Bahnhofsvorsteher begonnen, obwohl die Altersgrenze für die Ausbildung bei 42 Jahren liegt, wie griechische Medien berichten. Zuvor arbeitete er als Gepäckträger sowie als Bote im Kulturministerium. Der Mann hätte also gar nicht erst ausgebildet werden dürfen und war Berichten zufolge völlig überfordert. Auch saß er tagelang ohne einen erfahreneren Kollegen auf dem wichtigen Posten am Bahnhof der Stadt Larisa. Nachdem er den Zug auf die falschen Gleise geschickt hatte, soll er elektronische Hinweise und auch Nachfragen sowohl von einem der betroffenen Lokführer als auch einem Bahnhofsvorsteher an einem der nächsten Bahnhöfe ignoriert haben, berichtet die „Kathimerini“. Minutenlang seien die Züge deshalb ungehindert aufeinander zugerast, bevor es zu dem fatalen Frontalzusammenstoß kam.“

 

Man erlaube dem Schreiberling eine persönliche Bemerkung: Als CFL – Eisenbahner mit intensiver interner, durchaus exzellenten Betriebsausbildung und nach langjähriger Berufserfahrung in mehreren Bereichen des Bahnbetriebs ist man schockiert, so etwas fast schon Unmögliches zu hören oder zu lesen und das überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, wissend, wie die sehr fordernde Ausbildung zum Fahrdienstleiter (so die offizielle Bezeichnung dieses hochinteressanten, immer abwechslungsreichen,  jedoch höchst sicherheitsrelevanten Eisenbahnerjobs, der totale Konzentration erfordert)  in der Tat ist. Persönlich erinnere ich mich noch daran, als ich zum ersten Mal ein Stellwerk zwecks praktischer Ausbildung betrat und der seriöse Fahrdienstleiter sofort Klartext redete: „Du weess jo, wann s Du hei schaffs, steess Du mat engem Been am Prison.“ Und an diese deutliche, durchaus berechtigte Warnung erinnere ich mich heute noch…

 

So etwas wie „griechische Zustände“ sind bei unseren hierzulande bestens für ihre Aufgabe als Fahrdienstleiter ausgebildeten Eisenbahnern glücklicherweise unmöglich, auch wenn es durchaus schon zu schweren Zugunglücken gekommen ist. Menschliches Versagen, die oft die Konsequenz einer Verkettung unglücklicher Umstände sein können – und schon waren – sind nie auszuschließen, jedoch aufgrund unserer europaweit besten Sicherheitssysteme und modernen Stellwerken, die in Luxemburg den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen, doch glücklicherweise sehr selten. Das Problem entsteht immer dann, wenn mittels Befehl (schriftlicher Anordnung) des Fahrdienstleiters die Sicherheitssysteme umgangen, weil diese außer Kraft gesetzt sind. Dann sind Zusammenstöße auf dem gleichen Gleis aufgrund pur menschlichen Versagens zwar leider durchaus möglich, bei normaler Anwendung der strengen Sicherheitsvorschriften jedoch faktisch ausgeschlossen. Die klaren Ansagen des verantwortlichen Fahrdienstleiters als oberster Sicherheitsinstanz sind dann klar verbindlich, seine Verantwortung ist dann final engagiert.

 

Doch zurück zum schlimmen Unglück: Ob des heutigen Wissensstandes der unmöglichen Zustände von Griechenlands grob vernachlässigter Bahninfrastruktur und der untragbaren Ausbildungsmisere innerhalb des Bahnbetriebs war das schwerste Zugunglück Griechenlands wahrlich eine schon rein menschlich tickende Zeitbombe, faktisch eine Katastrophe mit Ansage. Blickt man noch tiefer, kommen weitere Stichworte zur Ursachensuche wie Privatisierung, Personalabbau, Profit, Austerität ans Licht. Private Zuggesellschaften vernachlässigen die Sicherheitssysteme und das Material, bezahlen schlecht und auf die Qualifikation des Personals braucht man nicht mehr weiter einzugehen – siehe die erwähnte Faktenlage! Reaktion der griechischen Regierung: Drei Tage Staatstrauer, die ob ihres politischen Versagens und ihrer Verantwortung nichts weiter als pure Heuchelei ist. Das Volk ist empört, in Griechenland gehen die Menschen massiv auf die Straße. Kurzer Rückblick: Die griechische Bahngesellschaft wurde im Jahr 2017 für läppische 45 Millionen Euro an die italienischen Staatsbahnen verhökert und in Hellenic Train umbenannt. Das Schienennetz blieb in griechischer öffentlicher Hand. Es folgten Personalabbau und völlig unzureichende Investitionen in Zugtechnik, sowie in Kontroll- und Sicherheitssysteme. Die Kooperation zwischen italienischem Zugbetreiber und griechischem Schienennetzbetreiber verlief alles andere als harmonisch. Die Probleme im Zugverkehr häuften sich, diverse Zugentgleisungen inbegriffen. Grundproblem: Privatisierung. Die Austerität packte in Griechenland zu, die Maßnahmen zielten auf Löhne, Arbeitszeiten, Sozialausgaben. Häfen, Bahnen, Infrastruktur und alles, mit dem Geld zu machen ist, wurde privatisiert. Die Folgen sind heuer deutlich. Bei all den Kürzungen und Privatisierungen war es kein Wunder, dass ein Unglück wie dieses passieren musste, und das nicht nur, weil ein erschöpfter Eisenbahner eine Weiche falsch gestellt hat. Der Crash zweier Züge steht wie ein Symbol für den bestehenden Zustand der griechischen Gesellschaft und ist eine fatale Konsequenz der EU-Privatisierungspolitik. Wie immer: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert – daran soll sich nach den neoliberalen EU-Vorgaben auch nichts ändern. Ein Trauerspiel, das sicherlich noch andere Dramen zu provozieren droht…

 

Und nach der Bahn, das Wasser, und dann…Statt Vergesellschaften, weiter privatisieren – ein fataler Irrweg.

 

 

 

 

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