Frank Bertemes: Small is beautiful!

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Image par ninjason de Pixabay

Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es zu groß!

Dieses Zitat des Philosophen und Ökonomen Leopold Kohr (1909 – 1994)  ist charakteristisch für sein Lebenswerk. Seine Theorie, die er vertrat: „Small is beautiful“, ein international bekannter Slogan. Kleine Einheiten in Politik, Wirtschaft und Kultur sind der Tendenz zu übermäßiger Größe und Vereinigung weit überlegen. Muss man eigentlich weit suchen, wenn man sich diese eigentlich einfache Theorie überlegt?

Ein Europa der Regionen, Instrumente der direkten, partizipativen Demokratie, lokale Ökonomie kleiner und mittlerer Betriebe diverser Art, so seine hochaktuellen Ideen. Wie weit sind wir beispielsweise in diesem Kontext und eben lokal, in unseren, dem fundamentalen menschlichen Sozialbedürfnis absolut widersprechenden, in real sterbenden Ortschaften ob beispielsweise des Irrtums der Einführung riesiger, unpersönlicher  Einkaufszentren denn so gekommen? Welche Konsequenzen hatten diese Konsumtempel auf das Leben der Ortschaften, auf das Sozialleben der Städte und Gemeinden? Etwa die zunehmende, heuer Corona-befeuerte „soziale Distanz“, die damit nur gefördert wurde? Und die uns allen, ob dieser sanitären Krise unmissverständlich klar macht, wozu das alles führen kann? Was geschah mit den einst blühenden kleinen Ortschaften, Dörfern und Kleinstädten, die nicht nur im Laufe der Jahre mehr oder weniger schleichend ihre „Duerfépicerie“, ihre Bäckereien und Metzgereien, viele kleine Handwerksbetriebe, Gaststätten usw. verloren haben, und die heuer eine zunehmende, nicht nur Virus-bedingte soziale Distanz des Alltags erleben? Wie viele gute,  handwerklichen Berufe und in der unmittelbaren Nähe zu erreichende Arbeitsplätze gingen im Laufe der Zeit verloren? Wie viele „normalen“ Steuergelder sind dem Staatssäckel entgangen und wurden Opfer des Diktats der Konzerne und Großbetriebe, die realpolitisch betrachtet bestimmen, wo es auch in puncto Steuerlast so lang geht? Auch in diesen Kontext passen Fage und Google, die nicht nur ob der fatalen Risiken der lebenswichtigen Ressourcenverschwendung eigentlich untragbar sind. Wie wurden wir Steuern zahlendes, tumbes Wahlvolk und unsere kleinen und mittelständigen Betriebe von unserer politischen Klasse wieder einmal (siehe Dossier Fage) betrogen und für dumm verkauft?  Was soll die Debatte um die vermeintliche  „sozial-ökologisch, nachhaltige Wirtschaftsweise“, die auch von unseren „Sozialisten“ vollmundig propagiert wird und endlich in die Realität umgesetzt werden soll, wenn man sich die Machenschaften rund um die visierte, völlig überflüssige griechische Joghurt-Fabrik vor Augen führt? Ein absoluter Skandal, der auch die „Grünen“ ihre politische Farbe scheinbar doch wiedererkennen lässt-immerhin! Spannung in diesem Kontext bleibt jedenfalls garantiert!

Der eingangs zitierte Nationalökonom, Jurist, Staatswissenschaftler und Philosoph Leopold Kohr propagierte die Dezentralisierung sozialer Organisationen und Gruppen auf eine Größe, in der Funktion noch möglich ist, aber gleichzeitig den Mitgliedern eine Überschaubarkeit erlaubt. Kohr war Anarchist und Vordenker der Umweltbewegung. Er erhielt 1983 den Alternativen Nobelpreis. Er kritisierte zentrale Bürokratien, riesige Wirtschaftseinheiten und predigte eine Rückkehr zu menschlichem Maß. Soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Entwicklung von Dörfern und Regionen war eines seiner Hauptziele. Er gilt als eigentlicher Schöpfer des international (und diese Zeilen übertitelnden) Slogans „Small is beautiful“.

Könnten wir nicht doch eigentlich  – und das ohne irgendwie als billiger Chauvinist zu scheinen – stolz auf unser kleines Land sein? Doch sind wir im Laufe der Zeit und ob unseres wirtschaftlichen Erfolges, unseres immer wieder bestätigtes, ach so wichtiges „Triple A“ als Teil unseres „Nation branding“ etwa größenwahnsinnig geworden? Eine Megalomanie, die uns doch einmal gefährlich werden könnte? Menschlich und  sozial gesehen ist das längst schon der Fall, wie die zunehmenden psychischen Erkrankungen, unter denen besonders unsere Jugend leidet, Mobbing und soziale Distanz, Vereinsamung und neben der existierenden Armut das zunehmende Risiko der Altersarmut usw. eben dieses Symptom beweisen…Ignorieren wir das alles weiter?

Small is beautiful! Diese gesunde Rückbesinnung im Sinne der Vorgaben von Leopold Kohr könnte  unserem Lande eigentlich nur guttun und die zunehmenden Erkenntnisse und Reaktionen  in diesem Sinne, die es im ländlichen Raum heute durchaus bereits gibt, lassen zumindest Hoffnung aufkommen.

 

Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will.

 

So der Maler, Bildhauer, Grafiker und Zeichner Henri Matisse.

 

Frank Bertemes

 

 

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