Frank Bertemes: Private Altersvorsorge?

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Image par pasja1000 de Pixabay

 

wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist.“

Benjamin Franklin

 

Für die private Vorsorge gibt es viele Möglichkeiten der Geldanlage, darunter Aktien, Fonds, Versicherungen, Sparpläne und Immobilien. Sie alle haben Vor- und Nachteile. Dementsprechend werden wir, so die Töne der privaten Versicherer, dazu aufgefordert, zunächst eine „persönliche Strategie“ für die Altersvorsorge zu überlegen und dementsprechende „Entscheidungen für eine Investition nach Risiko und Rendite“ festzulegen. So oder so ähnlich klingt die Aufforderung an den „Normalo“ in unserer modernen, digitalen Welt ihre oder  seine zukünftige Altersvorsorge gefälligst selbst in die Hand nehmen, folglich persönliche Verantwortung für seine Altersvorsorge zu übernehmen – so jedenfalls die Message, die von „Oben“ nach „Unten“ gehen soll. Und von der guten, bewährten, besonders aber staatlichen, also gesetzlichen Altersversicherung redet man wohlweislich nicht mehr – oder höchstens noch diese als „in der Form nicht mehr zeitgemäß“ abwertend, versteht sich….

 

Der Anteil älterer Menschen an der europäischen Bevölkerung nimmt zu, und auch die Lebenserwartung steigt. Die europäischen Rentensysteme müssten „angepasst“ werden, um finanziell tragbar zu bleiben, um so den Menschen Europas eine angemessene Altersversorgung garantieren zu können. Obwohl die Menschen im Ruhestand in den meisten EU-Ländern weniger von Armut bedroht sind als die Erwerbstätigen, gibt es Ungleichheiten –  wie ein EU-Papier zum Thema dieser Zeilen tatsächlich feststellt …worauf wohl niemand gekommen wäre!

 

Genauer: Zwischen den einzelnen Ländern bestehen erhebliche Unterschiede hinsichtlich des Armutsrisikos und der Renteneinkünfte. Das Risiko der Altersarmut und der sozialen Ausgrenzung ist für Frauen höher als für Männer; die Renten von Frauen liegen im Durchschnitt mehr als ein Drittel unter den Renten der Männer; der Erwerb von Rentenansprüchen ist für atypisch Beschäftigte oder Selbständige häufig schwieriger als für Arbeitnehmer/innen mit unbefristetem Vollzeitarbeitsplatz; das Risiko der Altersarmut und sozialen Ausgrenzung steigt mit zunehmendem Alter. Das alles dürfte so oder so bekannt sein, wobei es zum Teil sehr drastische Unterschiede zwischen den einzelnen EU–Ländern gibt, längst bekannte Fakten, die die nationale Neidkultur im Kontext der Renten – und Pensionssysteme natürlich befeuern. Diese bestens gepflegte Neidkultur in diesem Dauerreizthema der besonderen Art – wobei man eine tiefgreifende, mit entsprechender Argumentation und historischer Faktenlage geführte Debatte generell selbstredend tunlichst vermeidet, weil man beim Kaffeekränzchen natürlich nur Nettobeträge ohne Basisangaben zur Leistungsberechnung zu diskutieren beliebt –   dürfte allein schon auf nationalem Niveau in Mariens beschaulichem Ländle bekannt sein. Das aber bitte ohne weiteren persönlichen Kommentar…In diesem Kontext der privaten Versicherer fallen die in letzter Zeit sehr eindeutig sichtbaren Anzeigen in der Tagespresse auf, die im Sinne der neoliberalen EU – Vorgabe der beabsichtigten Privatisierung der Altersversorgung der (noch) öffentlichen (exzellenten!) sozialen Sicherungssysteme dementsprechend zielorientiert formuliert sind. Noch und nöcher zusammenfassend präzisiert: nur mehr staatlich garantierte (niedrige) Sockelrenten, der Rest wäre dann Privatsache!  Ein absoluter Irrweg in genau die Richtung, die eben genannt wurde, nämlich hin in die riskierte Altersarmut! Dem Kapital ist das total egal, die zunehmende Verarmung der älteren Menschen ist nicht deren Problem!

 

Glücklicherweise entscheiden heute noch die EU-Länder selbst über ihre Rentenpolitik und setzen sie um. Die EU, so die an dieser Stelle bereits bemühte Textpassage, (Zitat) „unterstützt sie in ihren Bemühungen, ein hohes Maß an Sozialschutz wie beispielsweise angemessene Renten sicherzustellen, indem sie das Lernen voneinander und den Austausch bewährter Verfahren fördert.“ Nur: was in Zukunft „bewährt“ und „angemessen“  sein wird und sein soll, sagt man nicht so direkt. Man umschreibt das lieber in enigmatischer Textformulierung: „Renten sind auch ein Schwerpunkt der wirtschaftspolitischen Koordinierung – des Europäischen Semesters –– weil sie für das Wohlergehen der Europäer/innen und die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen eine große Rolle spielen.“ Und da lässt sich durchaus so manches daraus interpretieren…besonders was denn nun „Beitrag“ und „Leistung“ der Renten und Pensionen betrifft.

 

Jedenfalls hat sich der zukünftige UEL-Präsident als Chef der Dachorganisation aller Arbeitgeberverbände in einem Interview der Zeitschrift „Paperjam“ schon mal vollmundig in ebendiese Debatte um die Zukunft unseres (noch!) solidarischen und öffentlichen Rentenversicherungssystems eingebracht und dieses Thema als „eine der Hauptprioritäten seines Mandates bezeichnet, ja  als einer der ersten Punkte seiner persönlichen Agenda in seiner  neuen „Mission“.

 

Demzufolge ist es besonders im Interesse der jungen Arbeitnehmerschaft, die schon mal gewarnt sein sollte, den zukünftigen „Boss der Bosse“ (so das Magazin Aktuell des OGB-L in seiner rezenten Ausgabe) in seinen entsprechenden Aktionen sehr, sehr ernst zu nehmen und zu verfolgen….

 

Im Sinne von: „Jede Nachricht möchte zweifach geprüft sein:  auf den Inhalt und auf den Überbringer.“ (© Raymond Walden (*1945), Kosmopolit, Pazifist und Autor)

 

…und (vielleicht besonders) auf seine Absicht!

 

(Siehe dazu das einführende Zitat…)

 

Frank Bertemes

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