Frank Bertemes: Im Sklavenhaus?

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Photo de Anna Tarazevich provenant de Pexels

Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.

Johann Wolfgang von Goethe

Und ja, wir alle glauben tatsächlich daran,  „frei“ zu sein. Nur dass wir das längst nicht mehr sind und „in modern times“ immer mehr zu modernen Sklaven der digitalen Welt werden und dabei tatsächlich noch daran glauben, „freie Bürger in freien EU-Staaten“ zu sein. Ein Irrglaube, dem wir alle in der modernen, (vermeintlich) freien, digitalen Welt unterliegen,  die weiterhin dem „alternativlosen“ Diktat des weltweit dominierenden Wirtschaftsmodells des Neoliberalismus zu gehorchen hat. Und dass dem so ist und um sicherzustellen, dass das auch so bleiben muss, wird diese Welt sehr gezielt, so unauffällig wie nur möglich, hinter dem Rücken und auf dem Buckel des tumben Wahlvolkes schon seit Jahren auf diesen Umstand vorbereitet – Stichwörter: „Vierte Industrielle Revolution“, „New Deal for Nature“, ja „Neue Normalität“ – nach Corona das ohne Kommentar mehr zum Virus an sich. Die Konsequenzen betreffen uns jedoch alle.

 

Ein Volk, das nicht erkennt, dass es in naher Zukunft in einer gefährlichen, einer Demokratur, ja einem globalen Sklavenhaus immer näherkommenden Welt leben wird – auch wenn uns die führenden Vertreter der politischen Klasse in salbungsvollen Sonntagsreden die absolute Priorität von „Freiheit und Demokratie“ vorheucheln, uns alle jedoch längst verraten haben. Wir leben heuer in einer zerbrechlichen Demokratie, in der uns die Führungseliten offiziell tunlichst nichts zumuten wollen, es jedoch trotzdem tun – siehe die letzten zwei Jahre – wiederum ohne Kommentar.

 

Die moderne Form der (digitalen) Tyrannei, sie ist hochaktuell. Diese digitale Welt, die uns zwar sicherlich so manches erleichtert, und neue, vielfältige Möglichkeiten eröffnet, jedoch ebenfalls und unweigerlich sehr ernste, durchaus bedrohliche Gefahren beinhaltet. Das räumt man zwar in diversen, verharmlosenden Nebensätzen so nebenbei ein, verherrlicht jedoch die Chancen – besonders im deutlichen Interesse des Großkapitals. Man verschweigt allerdings die sicherlich todernsten Gefahren für eben unsere zerbrechliche Demokratie, die sich heuer durch eine zunehmende Demokratieferne manifestiert. Ist das politische Verantwortung übernehmen? Im Sinne des Gemeinwohls, der eigentlichen Basis einer Demokratie? Ist das ein verantwortungsvoller Politstil? Vogel friss oder stirb? Natürlich wird dies politisch ignoriert, verleugnet, schöngeredet – die digitale Welt, die einzige Chance, die alternativlose, einzig gültige Wahrheit, die mehr sein soll, als die „nur“  technische Welt der Zukunft. Eine Welt, in der die Gesellschaft nicht mehr als eine lebendige Gemeinschaft betrachtet wird, sondern als ein Unternehmen, dessen Rentabilität das einzig gültige Ziel der menschlichen Tätigkeit sein darf. Wobei die genannte „menschliche Tätigkeit“, die vielfach immer mehr zur mittels KI (Künstlicher Intelligenz) effektiven Untätigkeit der Massen degradiert wird. Was wollen die politisch Verantwortlichen dieser Welt eigentlich mit den vielen Menschen, die unseren Planeten bevölkern, in dieser digitalen Welt noch anfangen, was sollen die alle tun? Das ist in der Tat ihr Problem – viele Jobs werden überflüssig, auch wenn natürlich neue, uns heuer noch unbekannte, vielfach jedoch strikt limitierte Arbeitsplätze für Spezialisten entstehen werden. Dennoch werden viele Menschen ihr Leben in der Dauerarbeitslosigkeit verbringen müssen, und riskieren, vertröstet mit irgendeinem garantierten Grundeinkommen, zu menschlichen Opfern der diversen Ablenkungselektronik degradiert zu werden, Benutzer (a)sozialer Netzwerke, Computerspiele usw., die sie irgendwie in sozial vereinsamter Daseinsform, die ebenfalls drastisch zunehmen wird, bei Laune halten sollen – ein Horrorszenario der armseligsten Art für die gesamte Menschheit, das jedoch leider keine utopische Vorstellung ist. Dies ist nur ein Beispiel des noch zu erwartenden Aufmarschs der diversen Zumutungen, die unsere Demokratie in diesen Zeiten der global gewünschten großen Transformationen, die man uns in homöopathischer Dosierung zu verabreichen gedenkt, und die uns sicherlich sehr schwer belasten wird. Die Herrschenden und der Wille der gigantischen Macht ihrer Hintermänner, die niemand von uns sehen soll, werden immer mehr zu Despoten, ja zu Tyrannen, die eine Form der Tyrannei ausüben, die unsere Demokratie immer zerbrechlicher werden lässt. Dass man davon nichts hören und schon gar nichts zugeben will, muss niemanden besonders verwundern.

 

Doch benutzen wir zu Illustration folgendes Bild: Tyrannen wissen genau, dass ihre Tyrannei nur so lange funktioniert, wie das Volk aus lauter Angst mitspielt. Darum sind Tyrannen krankhaft misstrauisch und päppeln mit viel Geld gewaltige Spitzelapparate auf (siehe die diversen digitalen Möglichkeiten in eben diesem Gesamtkontext!), in der Absicht, das Volk zu kontrollieren, zu bespitzeln, um sofort den leisesten Widerstand aufspüren zu können. Man hört dem Volk mitnichten zu, sondern in das Volk hinein, man überwacht es mit allen Möglichkeiten faktisch Schritt für Schritt. Und wehe, man spurt nicht…1984 in Reinkultur, George Orwells literarischer Klassiker über einen allmächtigen Überwachungsstaat wird beklemmend aktuell.

 

Demnach müssen wir uns wehren, in dem wir die Machenschaften und die Absichten der Mächtigen und der ihr zudienenden Politik unsererseits kontrollieren, den Mechanismen der Macht mit scharfem Blick begegnen und uns der Tyrannei der Mächtigen und ihrem Instrument der missbrauchten Digitalisierung mit Entschlossenheit entgegensetzen. Die Machteliten betrachten die Demokratie als eine Strapaze, die es folglich sehr einzuschränken gilt und das mit Mitteln, die uns tunlichst nicht als solche auffallen sollen.

 

Empörung, Widerstand, Engagement. Das ist unsere demokratische Verantwortung im Kampf für unsere Demokratie der Zukunft, eine Demokratie, die in der Tat sehr zerbrechlich geworden ist. Denn wenn die Demokratie zerbricht, mit der digitalen Ablenkungs- und Zuschauerdemokratie als Instrument, wird die Tyrannei zwingend zur Konsequenz…

 

Wollen wir im Sklavenhaus landen?

 

Frank Bertemes

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