Daniel Miltgen: De Fonds du Logement feiert seng 40 Joer

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image credits: fonds du logement

   

EINE EHEMALS GROSSARTIGE INSTITUTION FEIERT AM 25. FEBRUAR DIESES JAHRES ihren 40 JÄHRIGEN GEBURTSTAG: DER FONDS DU LOGEMENT.

 

 

Die Regierungen THORN-VOUEL (1974-1976) und THORN-BERG (1976-1979) hinterließen hierzulande unübersehbare Spuren im Bereich des sozialen Wohnungsbaus. Seit langer Zeit fühlte sich nämlich niemand mehr zuständig für die Bereitstellung von sozialen Mietwohnungen, gedacht für die Familien auf der untersten Sprosse der Sozialleiter. Die SNHBM unter der Direktion von Henri FROMMES baute ausschließlich Einfamilienhäuser und Appartements zum Verkauf an die Mittelschicht, derweil die Gemeinden sich seit Jahren komplett aus diesem Geschäftsbereich zurückgezogen hatten.

 

Diese Tatsache rief den Politiker Benny BERG (LSAP) auf den Plan. Dieser war unter anderem Minister für Familie, sozialen Wohnungsbau und soziale Solidarität und in dieser Eigenschaft bestellte er bei seinen ranghöchsten Beamten, die da waren:

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Paul Henri MEYERS und Claud(in)e HEMMER, das Gesetz über die Wohnungsbauhilfen. Dieses Gesetz mit Datum vom 25 Februar 1979 sah dann auch die Schaffung einer staatlichen Wohnungsbaugesellschaft, nämlich des Fonds du Logement vor.

 

Im „comité-directeur“ dieses Wohnungsbaufonds saßen anfänglich hochrangige Staatsbedienstete und Persönlichkeiten der Privatwirtschaft wie etwa Romain BAUSCH, dem späteren Patron der SES in Betzdorf, Yves MERSCH, heutiges Mitglied des EZB Direktoriums in Frankfurt, Jonny LAHURE, der im Jahre 1984 als Gesundheitsminister vereidigt wurde, Rolphe REDING, der später zum erfolgreichen Immobilienentwickler avancierte, u.v.a.m.

 

Zusammen mit dem ersten PDG des Fonds, Claud(in)e HEMMER, schufen sie eine autonome und erfolgversprechende Struktur nach privatrechtlichem Strickmuster, fernab eines starren staatlich-administrativen Systems. Durch eine ausgeklügelte und komplett transparente Buchführung konnten die Entscheidungsträger des Fonds auf Anhieb erkennen wo finanzielle Schieflagen drohten. Auch wurde am Ende eines jeden Jahres für jedes einzelne Mietwohngebäude eine spezifische Bilanz erstellt. Diese Vorgehensweise klappte vorzüglich bis zum Jahre 2016, dem Jahr in dem der neue Buchhaltungsprüfer „Ernst & Young“ glaubte, die Welt neu erschaffen zu müssen.

 

Eine weitere Eigenschaft des Fonds bestand in der Tatsache, dass er, nicht wie die Mehrheit der öffentlich-rechtlichen Institutionen hierzulande, keine staatlichen Funktionssubventionen erhielt. Er war lediglich Nutznießer von Investitionsinvestitionen (40 bzw. 70% der Kosten), im gleichen Maße wie die SNHBM und die Gemeinden. Zudem erhielt er alljährlich eine staatliche Dotation zur Finanzierung des nichtsubventionierten Parts im Rahmen der Vergrößerung seines Mietwohnungsparks. Alle laufenden Ausgaben, wie Gehälter der Mitarbeiter, Mieten der Büroräume usw., mussten vom Fonds selbst getragen werden, d.h. sie mussten finanziert werden durch Einnahmen, die durch seine Tätigkeiten als Baupromotor, als Vermieter von Wohnungen und Geschäftsflächen usw., erwirtschaftet wurden.

 

Die im Laufe der Jahre erwirtschafteten finanzielle Überschüsse, d.h. Gewinne, erlaubten ihm große Baulandreserveflächen anzulegen und in zusätzliche nicht subventionierbare Büro- und Ladenflächen zu investieren. Doch seit dem Jahre 2015, ist der Fonds du logement ein Defizitbetrieb, bei dem der Staat nun die horrenden Verluste übernehmen muss. Während 36 Jahren war dies nicht ein einziges Mal der Fall. Im Windschatten der Bankenkrise von 2008, war der Fonds finanziell sogar in der Lage auf die staatliche Dotation zu verzichten.

 

Auch im Bereich des Städtebaus, des Wohnungswesens und der Technik setzte der Fonds du logement seit Anbeginn bedeutsame Akzente. So war er der erste Bauträger im Lande, der großflächig

Daniel Miltgen

marode Stadtgebiete sanierte, d.h. innere Stadterweiterungen durchführte: Der „Brill“ in Düdelingen, „Aal Esch“ in Esch/Alzette, und der „Grund“ in der Hauptstadt sind drei Paradebeispiele.

 

Der Fonds baute die erste ökologische Siedlung in Luxemburg. Als Beitrag Luxemburgs zum ersten Europäischen Umweltjahr im Jahre 1987, hat er die Ökosiedlung in Helmsingen, auf dem Gebiet der Gemeinde Walferdingen, errichtet.

 

Der Fonds war hierzulande auch der erste Promotor der ein Nahwärmenetz, zur Versorgung von Wohnungen mit Hitze, errichtete und zwar tat er dies erstmals im Quartier Brill in Düdelingen. Auch geht die Errichtung der ersten Wärmekraftkopplungsanlage (WKKA) in Luxemburg auf sein Konto. Heute betreibt der öffentliche Bauträger mehrere derartiger Anlagen. Ebenso sollten zu einem späteren Zeitpunkt Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen zum Standard werden.

 

In Niederkorn, Ortschaft der Gemeinde Differdingen, errichtete der Fonds das erste Niedrigenergiegebäude (Altenwohnungen kombiniert mit einer kommunalen Kindertagesstätte und einem größeren Gesellschaftsraum) das teilweise mit einem Erdwärmetauscher (puit canadien) beheizt wird. Sehr früh heizte der Fonds Gebäude mit Pelletsheizanlagen und Hackschnitzelheizungen.  Regenwassernutzungsanlagen, zur Nutzung des Grauwassers, wurden im Laufe der Zeit zur Planungsnorm in seinen Gebäuden.

 

Es war der Fonds du Logement der als erster Wohnungsbauer in Luxemburg eine Industriebrache sanierte. Auf dem ehemalig verseuchten Gelände der „Eecherschmelz“ konnte er nach der erfolgreichen Bodensanierung 165 Wohnungen und mehrere Geschäftslokale, in unmittelbarer Nähe zur „Place d’argent“, erichten. In seinem großen Wohnkomplex in Schifflingen funktionierte ein komplettes Recyclingcenter zur vollen Zufriedenheit seiner Bewohner, da die teueren Müllentsorgungsgebühren merklich gesenkt werden konnten.

 

Im Stadtviertel „Eecherschmelz“ hat der Fonds erstmals eine eigene Sattelitenfernsehstation errichtet. Kostengünstig konnten hunderte von Programmen der Multikulti-einwohnerschaft angeboten werden. Zweiter Effekt: die Fassaden wurden nicht mit privaten Sattelitenschüsseln verunstaltet, so wie dies anderswo zu oft zur Normalität wird.

 

Die funktionelle, bauliche und wirtschaftliche Effizienz des Fonds war derart ausgeprägt, dass der Staat ihm immer öfters Bauaufträge übertrug: Die Sanierung der staatlichen Wohnungen für alleinstehende ausländische Arbeiter im Rollingergrund (Stadt Luxemburg), die Einrichtung von Flüchtlingswohnungen in Eisenborn (Gemeinde Junglinster) oder die Einrichtung von Studentenwohnungen und einem Hörsaal in einem ehemaligen Kloster auf dem Limpertsberg (Stadt Luxemburg), sind nur einige wenige Beispiele.

 

Zusammen mit ARCELOR-MITTAL, entwickelte der Fonds das erste Mischgebäude Europas, das integral aus Stahl errichtet wurde. Es wurde gebaut in der Hollericher Straße in der Hauptstadt und fällt heute immer noch durch seine rote, nicht altern wollende, Fassade auf.

 

Das erste Barrierefreie Stadtquartier des Landes entstand mit fast 600 Wohneinheiten in Gasperich. 1/3 der Wohnungen kamen als soziale Mietwohnungen auf den Immobilienmarkt, derweil 2/3 der Wohnungen zum Verkauf angeboten wurden. Das Stadtgebiet „Sauerwiss“ beheimatet Ein-, Zwei- und Dreifamilienhäuser, Appartements jeder Größenordnung, eine Kindertagesstätte, ein Polizeikommissariat, eine Apotheke, Restaurant, Arztpraxis, Büros, mehrere Kleinkinderspielplätze, ein Zentralplatz u.v.a.m., demnach ein Stadtquartier wie aus dem Lehrbuch der örtlichen Raumplanung wo die Anforderungen der sozialen und der funktionalen Durchmischung Wohnen-Arbeiten-Einkaufen-Erholen von Anbeginn auf der Agenda der Planer standen.

 

Es versteht sich von selbst, dass der Fonds du Logement, aufbauend auf den reichhaltigen Erfahrungen die er seit seiner Gründung im Jahre 1979 sammeln konnte, sein Zukunftsprojekt, die „Cité du futur“ auf dem LDD-Gelände in Düdelingen, in Angriff nehmen konnte. Die Planungslogik gründete ausschließlich auf den Zielen der nachhaltigen Stadtentwicklung.  Angedacht war ein Energieautarkes, CO2-freies Stadtgebiet, erzielt durch die Geothermie, die Nutzung der Windkraft, durch Photovoltaikanlagen, Sonnenkollektoren usw. Es sollte, entgegen der leider immer noch weit verbreiteten autogerechten Planungsphilosophie (siehe die Trabantenstädte Belval und Ban de Gasperich), eine Barrierefreie fußgänger- und radfahrergerechte Stadtstruktur entstehen. Auch die Müllentsorgung würde nach strengen ökologischen Kriterien erfolgen. Geplant wurden biologische Abwasserreinigungsanlagen mitten im neuen Stadtquartier u.v.a.m.

 

Zur Energieeinsparung sollten im Außenbereich ausschließlich LED – Lampen zur Anwendung kommen, als Sonderleuchten konzipiert die eine weitere Lichtverschmutzung ausschließen. Es versteht sich auch von selbst, dass das neue Stadtviertel nach den Prinzipien der „smart cities“ ausgestattet werden sollte.

 

Wohnungen für alle soziale Schichten, für jedes Alter, jede Behinderung unter Beachtung aller Gender Kriterien der Architektur und Siedlungsplanung, sollten auf dieser ehemaligen ARCELOR-MITTAL Industriebrache entstehen. Die erhaltenswerten Industriegebäude würden erhalten, saniert, restrukturiert und mit neuem Leben gefüllt. In zahlreichen Startups sollten wertvolle Arbeitsplätze geschaffen werden. Großzügige Erholungsgebiete, Kleinkinderspielplätze im unmittelbaren Wohnbereich, Kinderspielplätze, Skatepark, ein Robinsonspielplatz, Bouleplätze usw. sollten den Bewohnern eine optimale Lebensqualität bieten. Einkaufsgelegenheiten und sozio-ökonomische Infrastrukturen, sollten nach dem Prinzip der „Stadt der kleinen Wege“, angelegt werden.

 

„So geht zukunftsfähiger Städtebau und menschengerechtes Wohnungswesen“!

 

Luxemburg, den 20. Februar 2019.

Daniel MILTGEN

Conseiller de Gouvernement honoraire

 

 

 

 

 

 

 

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