Frank Bertemes: Albtraum Pestizide

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Image par Ulrike Leone de Pixabay

„Die sogenannten Pflanzenschutzmittel sind das beste Beispiel für unser pervertiertes Agrarsystem: Sie schützen nicht, sie töten. “

PROF. DR. HUBERT WEIGER, BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland)

Thema Pestizidzulassung – ein Albtraum! Was geht da eigentlich hinter den Kulissen so alles ab? Das in der Schweiz sehr wichtige Vorsorgeprinzip, wonach Einwirkungen frühzeitig zu beschränken sind, wenn sie für Mensch oder Umwelt schädlich sein könnten, wird bei den Pestiziden weitgehend missachtet. Auch die Dauervergiftung von kleineren Gewässern ist seit Jahren bekannt, so eine Schweizer Naturschutzorganisation in einer entsprechenden Mitteilung. Und diese Fragestellung um die Problematik der Pestizidzulassungsmechanismen gilt mit Sicherheit nicht nur für die Schweiz, wo man sich über diesen permanenten Albtraum der Pestizide und ihrer Konsequenzen für alle Lebewesen mittels dieser rezenten Veröffentlichung zu diesem Topic völlig zurecht aufregt. Was wiederum die Macht der Konzerne, genauer, der agrochemischen Industrie, die faktisch unantastbar zu sein scheint, bestätigt. Doch die stört diese klarformulierte Kritik nicht besonders. Auch das diesbezügliche Schweigen der EU und der Nationalstaaten ist eigentlich schon Programm – seit ewigen Jahren.  Biolandbau und dessen Förderung bleiben leere Worthülsen im Narrativ der entsprechenden Sonntagsreden der Politprotagonisten der klassisch-historisch praktizierten Agrarpolitik – Diener der industrialisierten Landwirtschaft, die sie nun mal sind , oder muss man sagen, die  Lakaien der bestbekannten Konzerne der agro-chemischen Industrie? Vom Anmeldeverfahren bis zum Verbot schädlicher Pestizide: Tausende Seiten Gesetze, Verordnungen und Richtlinien – die Behörden sind davon völlig überfordert. Und begünstigen so die Industrie, statt Menschen und Natur zu schützen, so die Schweizer Kritiker.  Die Daten zur Giftigkeit für Menschen, Tiere und Pflanzen können die Pestizidhersteller selbst erheben und auswerten, so die Schweizer Umweltorganisation. Die Konzerne allein entscheiden, welche Informationen die Zulassungsbehörden bekommen. Den Bock zum Gärtner machen – eigentlich nichts Neues im „Staate EU“! Wen juckt’s schon? Die Öffentlichkeit und die Umweltbehörden sehen nicht einmal die Informationen, welche die Zulassungsbehörden erhalten: Geschäftsgeheimnis. Nur, blöd gefragt: Wie steht’s denn hierzuländchen in dieser Frage? Was passiert da?

 

Und es dürfte doch wohl klar sein, dass das, was für die Schweiz zutrifft, hierzuländchen, in Mariens beschaulichem Ländle, das dem historisch gewachsenen Einfluss gewisser Agrar– Lobbyisten unterliegt und das generell leider niemanden besonders aufregt, kaum anders sein dürfte.  Wird man als Bürger allerdings deutlicher, oder sogar sehr genau, wie dies kürzlich ein heftiger Leserbriefwechsel zwischen Herrn Oth und der Landwirtschaftskammer im „Tageblatt“ als Konsequenz eines eigentlich sehr ernstzunehmenden Gülle – Unfalls im schönen Müllerthal beweisen konnte – ein Zwischenfall, der natürlich längst kein Thema mehr ist, versteht sich – reagiert die Lobby der klassischen, intensiven Landwirtschaft so beleidigt wie üblich. Jedwede Kritik ist und bleibt selbstverständlich unerwünscht! Reaktion der Politik? Gleich NULL, Fehlanzeige ­ – man hält sich wie üblich bedeckt! Was im Müllerthal passiert ist, was täglich unkontrolliert auf den Feldern abläuft, meint alles so mit schweren landwirtschaftlichen Maschinen auf wehrlose Böden und tierische Geschöpfe gespritzt wird – man reagiert ganz einfach nicht! Offensichtlich beratungsresistent und unverbesserlich im Kontext evidenter, gar katastrophaler Missstände, die vom Autor des Leserbriefes qualifiziert und inhaltlich deutlich, mit fachlicher Kompetenz und entsprechenden Fakten untermauert kritisiert wurden, reagiert der Vorstand der Landwirtschaftskammer mit einem inhaltlich mehr als fragwürdigen Antworttext, den man pikanterweise mit „Rufmord am laufenden Band“ übertitelt hat, der allerdings sämtlichen Bedenken des Autors nur noch weiteres Futter liefert – doch das nur nebenbei bemerkt.

 

Die Macht der Konzerne und ihrer Lobbyisten.  Diese ist in der Tat so groß, dass sie es sich darüber hinaus locker leisten können, gegen Verbote endlos und aufwändig zu prozessieren. Erst kürzlich hat das Gericht der Europäischen Union das von Syngenta und Bayer Crop Science (man lese übrigens zur Abschreckung deren Homepage) angefochtene Verbot von bienenschädlichen Pestiziden bestätigt. Der Prozess hat acht Jahre gedauert und Millionen gekostet.

 

Derartige Themen sind hierzulande nicht besonders relevant, es interessiert scheinbar niemanden. So werden Herbizide, Pestizide und Fungizide weltweit weiterhin massiv eingesetzt …der Albtraum geht folglich weiter!

 

„Die Zivilisation geht ihrem Ende zu, wenn die Landwirtschaft aufhört, eine Lebensform zu sein und zur Industrie wird.“

Nicolás Gómez Dávila (kolumbianischer Philosoph)

 

Zi -vi – li – sa – ti – on ???

 

Frank Bertemes

 

 

 

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