Die Mackenroth – These

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,,Lass Deine Erfolge für Dich sprechen.“

Rentensysteme und Rentenreformen in der EU – heuer in Frankreich brandaktuell,  wenn auch ein Off-Topic im Kontext des Titels dieser Zeilen –  bewegen sich im Spannungsverhältnis von Solidarität und Eigenverantwortung. Genauer gesagt, ein Dauerbrenner in der Systemdebatte um die Alterssicherungspolitik: Umlage- oder Kapitaldeckungsverfahren? Vermeintlich „besonnen“ daherkommende Stimmen plädieren für ein Sowohl-als-auch und verweisen in diesem Sinne auf die intuitiv plausibel daherkommende Lebensweisheit, dass man erfahrungsgemäß nicht alle Eier in einen Korb legen sollte. Klingt vielleicht überzeugend, ist allerdings in unserem  Kontext der solidarischen Altersversorgung ein Irrweg – das sei vom  absoluten Verfechter des uns allen bekannten und wertvollen Umlageverfahrens, das auf dem Solidaritätsprinzip des Generationenvertrages beruht, eingangs schon mal klargestellt.

 

Die umlagefinanzierte, gesetzliche Rentenversicherung, die wichtigste Säule der Alterssicherung, wird seit Mitte der 1990er Jahre systematisch kaputt geredet, aber die als lukrative Alternative promovierte private, kapitalgedeckte Altersvorsorge hat ihren Nimbus spätestens seit der weltweiten Finanzkrise  verloren. Seit dem heißen Herbst des Jahres 2008 dürfte diese Erkenntnis klar und die Wichtigkeit der öffentlichen Rentensysteme erkannt sein. Hört man allerdings den trotzdem immer noch lauten Stimmen der Versicherungslobbyisten und den ihnen katzbuckelnd zudienenden, ultraliberalen EU-Politikakteure der bedenklichen Art als Interessenvertreter ebendieser Versicherungsbranche, die EU-weit ihre entsprechenden Thesen weiterhin ungeniert von sich zu geben sich ungeniert erlauben, nämlich aufmerksam zu, so kann man nur daraus schlussfolgern, dass diese Damen und Herren trotz aller Risiken des Finanzmarktes  immer noch rein gar nichts verstanden haben (wollen). Bedauerlich bis bedenklich!

 

Liest man darüber hinaus  gewisse Schriften,  wie beispielsweise das Buch  „Age Wave – Zur Demographieanfälligkeit von Aktienmärkten“ aus dem Jahre 2001, also in der Zeit, in der die damalige Schröder-Regierung in Deutschland das Loblied der kapitalgedeckten Altersvorsorge gesungen hat – ein Song, der heuer bei der EU – Kommission, die unsere gesamten Renten und Pensionen ebendieser Vorgabe der Privatversicherer unterwerfen wollen, immer noch gesungen wird – so  war die  damalige Argumentation der Autoren so: Insbesondere die Generation der heute 30- bis 50-jährigen muss mit niedrigeren Renditen für ihre Geldanlage in die Aktienmärkte rechnen. Denn auch die Kapitaldeckung ist im Zuge der demografischen Alterung ähnlichen Risiken ausgesetzt wie die umlagefinanzierten Alterssicherungssysteme.

 

Man kann das auch so ausdrücken: Wir sind alle Gefangene unserer Kohorte. Wenn also größere Summen von den Vorsorgenden eingesammelt werden, um diese so anzulegen, dass diese sich rentieren und dann, wenn das Alter gekommen ist, die vereinbarten und die in Aussicht gestellten Beträge auch auszahlen zu können, dann braucht man Abnehmer für die Sachen, in die man Geld angelegt hat, beispielsweise in Immobilien oder in Aktien. Und was, wenn es zu diesem Zeitpunkt gar nicht genug Abnehmer gibt oder geben kann, weil deren Zahl deutlich niedriger ist als es in der Vergangenheit noch war? Die bedingungslosen Befürworter dieses Modells würden an dieser Stelle darauf verweisen, dass das alles kein Problem sei, weil man ja bei der Anlage des Kapitals nicht auf Europa oder nur Deutschland angewiesen sei, sondern das Kapital sehr breit streuen könnte.

Das ist ein zentraler Punkt. Hier kann man die eher wenig bekannte “Mackenroth-These” oder „Warum wir eigentlich nicht privat vorsorgen müssten“  in den Raum stellen, die Experten in der Rentendebatte immer mehr bemühen, meint die Formulierung des Ökonomen, Soziologen und Bevölkerungswissenschaftlers Gerhard Mackenroth, der im Jahr 1952 im Vorfeld der “großen Rentenreform 1957“, folgendes geschrieben hat, seine These, von der überzeugte Rentenexperten betonen, dass diese immer noch zutrifft: „Nun gilt der einfache und klare Satz, dass aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muss. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein “Sparen” im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand. Volkswirtschaftlich gibt es immer nur ein Umlageverfahren. “ Und  gerade das gilt eben auch für die angebliche „Kapitaldeckung“. Das Kapitaldeckungsverfahren ist demnach de facto nur eine Variante eines grundsätzlich immer vorhandenen Umlagesystems. Das liegt darin begründet, dass die Leistungen und Güter, die die Rentner benötigen, nur in der Gegenwart durch die Arbeitenden erbracht werden können. Nimmt die Zahl der Arbeitenden und damit die Zahl der angebotenen Güter und Leistungen ab, dann nützt auch kein angespartes Kapital, denn dann steht einem hohen Angebot an Geld ein geringes Angebot an Waren gegenüber. Das führt zu steigenden Preisen und zu steigenden Löhnen, an denen aber die nicht arbeitenden Rentner in einem rein kapitalgedeckten System nicht partizipieren. Der Wert der angesparten Rente schmilzt dahin…

 

Diese These hat bei den Anhängern einer stärkeren Kapitaldeckung schon immer für Missmut gesorgt und sie haben versucht, diese volkswirtschaftliche Grundtatsache zu desavouieren. Darüber hinaus haben empirische Studien ergeben, dass die Sparquote in Ländern mit einem Rentensystem im Kapitaldeckungsverfahren nicht höher ist als in Ländern mit einem Rentensystem im Umlageverfahren! Ein Zusammenhang zwischen der Art der Organisation des Rentensystems und der Höhe der Sparquote konnte also nicht hergestellt werden. Damit konnte auch nicht belegt werden, dass eine kapitalgedeckte Altersvorsorge zu höheren Wachstumsraten führt.

 

Zusammengefasst: Als *Mackenroth-These oder Mackenroth-Theorem wird die von Gerhard Mackenroth im Jahre 1952 formulierte Aussage bezeichnet, dass die Sozialausgaben einer Volkswirtschaft immer aus dem laufenden Volkseinkommen erbracht werden müssen. Das Volkseinkommen ist die Summe der Unternehmens – und Vermögenseinkommen, einschließlich Subventionen, plus der Löhne. Wie recht der Mann hatte, konnte er nicht einmal wissen…Denn wer bezahlt im Endeffekt beispielsweise die „Resultate“ des Kasinokapitalismus? Dann, wenn alles, auch die  in unserer Diskussion um die Renten und Pensionen, monatlichen Beiträge des arbeitenden Volkes, salopp formuliert, auf den Aktienmärkten verspielt worden sind? Das dürfte uns allen wohl ob der Erfahrungen des heißen Herbstes 2008 nur zu gut bekannt sein…Denn auch dann gilt wieder die These des Volkseinkommens als Quelle – wenn auch in einem etwas allgemeineren Kontext gelesen.

 

Private Versicherer haben Ausgaben zu decken sowie profitorientierte Interessen zu verfolgen, die eine staatlich organisierte Altersversicherung einfach nicht haben. Privatversicherer,  die darüber hinaus auch noch das Geld der arbeitenden Bevölkerung mit entsprechenden Werbesprüchen und purer Spekulation für ihre privaten Profitabsichten missbrauchen. Nur: Kasino gilt für die Altersversorgung eben bitte sehr nicht!

 

Deshalb gilt es umso mehr, das sakrosankte System des Umlageverfahrens der gesetzlichen Altersversorgung,  basierend auf dem den sozialen Frieden garantierenden Generationenvertrag erstens zu erhalten und zweitens zu stärken indem man es für die Zukunft „fit“ macht!

 

In dem Sinne auch das einführende Zitat….

 

Frank Bertemes

* Gerhard Mackenroth: Die Reform der Sozialpolitik durch einen deutschen Sozialplan. Aus:  Schriften des Vereins für Sozialpolitik NF, Band 4, Berlin 1952

 

 

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