Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. In Luxemburg ist es von ausgezeichneter Qualität: sauber, sicher und streng kontrolliert. Dennoch ist es in vielen Restaurants noch immer üblich, ausschließlich abgefülltes Wasser anzubieten – oft zu Preisen, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten stehen.
Gratis Leitungswasser ist in vielen Lokalen nicht vorgesehen oder wird nur widerwillig serviert. Eine entsprechende Nachfrage sorgt mitunter für Irritation. Das ist bedauerlich, denn in zahlreichen anderen Ländern ist es längst selbstverständlich, dass Gäste auf Wunsch eine Karaffe Leitungswasser erhalten.

In Frankreich, Spanien und Portugal sind Restaurants inzwischen sogar gesetzlich verpflichtet, ihren Gästen kostenloses Leitungswasser anzubieten. Diese Regelung funktioniert dort problemlos und wird allgemein akzeptiert. Doch auch ohne gesetzliche Pflicht ist kostenloses Leitungswasser in vielen europäischen Ländern gängige Praxis – etwa in Skandinavien, den Niederlanden oder Großbritannien. Dort gehört ein Glas Wasser schlicht zum Service.
Auch für Luxemburg spricht vieles dafür. Wasser ist gesund und essenziell. Niemand sollte indirekt dazu gedrängt werden, zuckerhaltige oder alkoholische Getränke zu konsumieren – oder sich unwohl fühlen, weil er sich kein teures Getränk leisten möchte oder kann. Gerade an heißen Tagen, für Familien mit Kindern oder für ältere Menschen ist ein Glas Wasser oft schlicht notwendig.
Hinzu kommt der ökologische Aspekt: Leitungswasser spart Transportwege, Energie sowie Plastik- und Glasflaschen. Jede Karaffe Wasser reduziert Abfall und CO₂-Emissionen – ein einfacher Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.
Ein Restaurant, das kostenlos Leitungswasser anbietet, signalisiert Wertschätzung gegenüber seinen

Gästen. Es zeigt, dass Gastfreundschaft, Gesundheit und Umweltbewusstsein ernst genommen werden. Ein solches Angebot würde nicht nur dem Image der Gastronomie zugutekommen, sondern auch dem Ansehen Luxemburgs als modernes, offenes und nachhaltiges Land.
Leitungswasser kostet praktisch nichts. Erfahrungen aus Ländern, in denen es kostenlos serviert wird, zeigen zudem: Gäste sind dankbar – und bestellen trotzdem weitere Getränke. Es geht nicht um Umsatzverlust, sondern um einen grundlegenden Service. Der Aufwand ist minimal, der positive Effekt groß.
Ein Glas Wasser ist kein Luxusgut. Es ist ein Zeichen von Respekt, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit.
Luxemburg hätte alle Voraussetzungen, dieses einfache und sinnvolle Prinzip selbstverständlich zu machen – so wie den Brotkorb auf dem Tisch.
Ernesto Fluni