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Gesellschaft

Frank Bertemes: Orwell und Bentham 

Frank Bertemes: Orwell und Bentham
Photo de Markus Spiske: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/l-affiche-de-1984-est-maintenant-collee-sur-street-post-3671145/

„Freiheit bedeutet die Freiheit zu sagen, dass zwei und zwei vier ist. Gilt dies, ergibt sich alles Übrige von selbst.“

Ullstein: 1984 -George Orwell

Totale Überwachung, die Perfektion der Überwachung – ein leider hochaktuelles Thema. George Orwell warnte in seinem Klassiker „1984“ vor dem allmächtigen Überwachungsstaat. Das beklemmend aktuelle Werk über die Zerstörung des Menschen durch einen vollkommenen Überwachungsstaat aus dem Jahr 1949 besticht noch immer durch seine Eindringlichkeit und (eben) seine (ewige?) Aktualität – Stichwort: die digitale Welt und deren vielfältigen Instrumente. Oder auch die zunehmende Kameraüberwachung usw. – der gläserne Bürger, immer mehr kontrolliert, total überwacht, alles unter dem Deckmantel der „Sicherheit“ – Argument:  Die Schutzfunktion des Staates, die dabei häufig als

Photo de Sergei Starostin: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/vue-oeil-eleve-iris-6402409/

Legitimation für eine umfassende, teils als “total” empfundene Überwachung angeführt wird. Dabei stehen sich das grundgesetzlich garantierte Recht auf Sicherheit und der Schutz der Grundrechte (Privatsphäre, Freiheit) in der diesbezüglichen Debatte gegenüber. Und ja, die Frage stellt sich: Wie viel Überwachung verträgt eine Demokratie? Die Summe aller Überwachungsmaßnahmen übersteigt doch schon jetzt das für eine freie und demokratische Gesellschaft verträgliche Maß – oder nicht? Doch dies sei nur als Randbemerkung…

Dann – zu Bentham übergehend – das Panopticon, das Konzept eines Gefängnisses mit einem Überwachungsturm im Zentrum eines kreisringförmigen Gebäudes des englischen Juristen und Sozialphilosophen Jeremy Bentham zur totalen Überwachung

Photo de RDNE Stock project: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/personne-en-chemise-orange-tenant-des-balustrades-en-metal-noir-6069347/

aus dem Jahr 1756, das in Orwells Werk dessen literarische Entsprechung in der ständigen Überwachung durch den „Großen Bruder“ fand.  Während Bentham Überwachung als effizientes Werkzeug sah, illustriert Orwell die dystopischen Gefahren, wenn diese Kontrolle zur physischen und sozialen Manipulation genutzt wird. Dass dem heutzutage eben genau so ist, dürfte klar sein, Orwells (damalige) Dystopie, seine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung, ist wahrlich längst bittere Realität…

Bei „Bentham’s Gefängnis“ geht es um das panoptische Prinzip, ein Machtmodell, das von Jeremy Bentham entworfen wurde und vom (weltweit am meisten zitierten!) Philosophen Michel Foucault analysiert wurde. Es basiert auf asymmetrischer Überwachung, bei der ein zentraler Turm Einblick in Zellen gibt, ohne dass die Insassen wissen, ob oder dass sie beobachtet werden. Dieses Gefühl permanenter Sichtbarkeit führt zur Selbstdisziplinierung, da sich Individuen aus Angst vor Überwachung konform verhalten. Im panoptischen Gefängnis sind alle Zellen konzentrisch um einen Mittelturm angeordnet.

Photo de Clément Proust: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/tour-de-garde-historique-de-l-ile-d-alcatraz-36223945/

Benthams panoptisches System der Totalüberwachung ist nicht nur ein Konzept zum Bau von Gefängnissen, sondern auch von Fabriken – heutzutage Betrieben, wo dieses Modell moderne Praxis mit ebensolchen Methoden der Kontrolle längst Programm ist – Stichwort: digitale, elektronische Kontrolle. 

E s geht im panoptischen Gefängnis darum, die Überwachung vieler Menschen durch einen einzelnen Überwacher zu ermöglichen. Alle Zellen sind konzentrisch um einen Mittelturm angeordnet. So kann der Wärter in der Mitte in die Zellen einsehen, ohne dass die Insassen diesen sehen können. Das liegt daran, dass die Gefangenen aus der Sicht des Wärters im Gegenlicht gut sichtbar sind, der Wärter selbst jedoch im Dunkel seines Standortes eben nicht ausgemacht werden kann. Mithin wissen die Gefangenen nicht, ob sie gerade überwacht werden, wissen jedoch, dass sie jederzeit gesehen werden könnten – erwartet wird demnach die Selbstdisziplinierung. In unsere moderne Welt sinngemäß übertragen: Permanente Überwachung mittels moderner, digitaler Technologie faktisch als PPP – der Staat zusammen mit den bestbekannten amerikanischen Techgiganten, Datensammlung mittels Datenzentren (Reizthema Google – Roost!) als Infrastruktur, die für die zentrale Erfassung, Speicherung, Verarbeitung und Verwaltung riesiger Datenmengen dienen – das Rückgrat der digitalen Welt, da alles, was in der Cloud passiert, dort verarbeitet wird. Was man damit alles veranstalten kann, dürfte nicht schwer zu erraten sein – der „Datenschutz“ wird zur (staatlich tolerierten, gar gewollten?)  Farce. So kann man in der Tat ein modernes System des „panoptischen Gefängnisses“ erkennen, in dem jeder jederzeit, datenerfasst perfekt kontrolliert, unter permanenter Beobachtung stehend, in vielerlei Art und Weise bewertet und in Schach gehalten werden kann.

Und ja, die „PPP“-Unterstellung ist nicht unrealistisch, wie diverse Quellen dies bestätigen, dazu einige Beispiele: Die Zusammenarbeit zwischen Staaten und Tech-Giganten bei der Nutzung von Rechenzentren zur Bürgerüberwachung ist ein komplexes Thema, das Datenschutz, nationale Sicherheit und technologische Macht betrifft. Während spezifische, öffentlich zugängliche Belege für eine direkte, koordinierte Nutzung von Rechenzentren für Überwachung oft schwer zu finden sind, deuten verschiedene Entwicklungen auf eine enge Kooperation hin.

  • Zusammenarbeit bei Dateninfrastruktur: Technologieunternehmen stellen die Infrastruktur (Rechenzentren) zur Verfügung, auf der Regierungsdaten und auch Daten von Bürgern gespeichert werden. Diese Zusammenarbeit kann theoretisch zu Überwachungszwecken genutzt werden.
  • Datenschutz und Sicherheit: Die Nutzung von Cloud-Diensten, die oft von Tech-Giganten betrieben werden, stellt Herausforderungen für den Datenschutz dar, insbesondere wenn Regierungen Zugriff auf diese Daten im Rahmen von Sicherheitsmaßnahmen fordern.
  • Staatliche Maßnahmen: Der Einsatz von Technologien wie dem „Staatstrojaner“ deutet darauf hin, dass staatliche Akteure aktiv nach Wegen suchen, um die Kommunikation und Daten von Bürgern zu überwachen, oft unter dem Vorwand der nationalen Sicherheit.
  • Überwachung und Privatsphäre: Die Nutzung von Daten aus der Überwachung, einschließlich Gesichtserkennung und Datenanalyse, wirft Fragen nach der Balance zwischen Sicherheit und Privatsphäre auf, insbesondere wenn diese Technologien von Regierungen genutzt werden.

Egal wie, Fakt ist: Big Brother is watching you…Permanent, garantiert!

Und eben deshalb sind Orwell und Bentham hochaktuell!

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