Während Millionen Steuergelder via Filmfund in die Taschen einer kleinen Zahl von sogenannten Filmproduzenten fließen und das Parlament jetzt vor der Abstimmung über ein neues Gesetz steht, bleiben die strukturellen Probleme des Luxemburger Filmfunds bestehen. Und das nicht zuletzt wegen der umstrittenen Rolle seines langjährigen Direktors Guy Daleiden und der Halbherzigkeit der Gesetzesreform. 180 Millionen Euro sollen dem Etablissement Public „Fonds national de soutien à la production audiovisuelle“, kurz Filmfund genannt, von 2026 bis 2029 zugesprochen werden.
Reform ohne Rückgrad
Zwar betont die Regierung, dass das neue Gesetz Transparenz, Kontrolle und Gouvernance verbessern werde – doch Kenner der Szene bezeichnen das Paket als kosmetische Korrektur, nicht als Neuanfang. Hinter den angekündigten Maßnahmen verbergen sich oft symbolische Gesten ohne echten regulatorischen Biss. So bleibt etwa das Herzstück der Kritik unberührt: die inhärente Intransparenz des Förderwesens. In der Praxis fehlt eine klare Metrik für den Erfolg geförderter Produktionen, ebenso wie eine nachvollziehbare Verteilungspraxis. Die Kriterien für Förderentscheidungen bleiben diffus, die Bewertung erfolgt durch ein Gremium, das dem Filmfund angehört und nach der Pfeife Daleidens tanzt – ein klassischer Fall von Interessenkonflikt.
Der Regisseur der Macht
Seit über einem Vierteljahrhundert beherrscht Guy Daleiden den Filmfund – ein Umstand, der für sich genommen bereits ein institutionelles Risiko birgt. Die angekündigte Begrenzung seiner Kompetenzen ist de facto wirkungslos, solange Daleiden weiterhin alle strategischen Fäden zieht.

Das neue Gesetz bietet ihm einen goldenen Übergang in den Ruhestand – ohne echte Aufarbeitung mit Konsequenzen in seiner umstrittenen Amtsführung. Ein Audit und vor allem der Rechnungshof (Cour des Comptes) hatten wiederholt auf schlimme Missstände (Copinage, Vetternwirtschaft etc.) hingewiesen, doch Konsequenzen blieben aus. Auch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft blieb unbeantwortet. Daleiden wurde und wird weiter tatkräftig und lautstark von seinen Vasallen, einer kleinen Gruppe von ihm abgesegneten „Produzenten“ verteidigt und über Wasser gehalten. Eine Art gegenseitige “ Geiselnahme.
Sonne in Cannes – Nebel in der Chamber
Die wenigsten Volksvertreter haben auch nur ansatzweise Ahnung was sich in den Kulissen des Filmfunds in Wirklichkeit seit über 25 Jahren abspielt . PR-Aktionen mit Champagner und Schnittchen in Venedig, Cannes, Toronto, Berlin u.a flankiert von einer willfährigen , mitreisenden Kulturpresse und einem farblosen , unkritischer Kulturminister tragen dazu bei , die reale Sicht der Filmfund-Aktivitäten auf dem Buckel der Steuerzahler zu vernebeln.
Minimale Förderung verweigert – grosse Geschichte verdrängt
Der Fall des abgelehnten Filmprojekts „Operatioun Pauly“ der “UNIO’N vun de Lëtzebuerger Resistenzler “ via Carte Blanche wirft ein schiefes Licht auf das trübe Vorgehen des Filmfunds. Trotz fundiertem Konzept, umfangreicher historischer Recherche und einem Beitrag zur luxemburgischen Erinnerungskultur wurde vom Film Fund eine bescheidene, finanzielle Förderung von 22.500 € mit der Begründung abgelehnt, es fehle dem Film ein „interessanter“ Zugang. Direktor Daleiden, so die Resistenzorganisation, hatte das Thema als „nicht mehr zeitgemäß“ , bezeichnet. Eine “bemerkenswerte” Geisteshaltung angesichts der Gedenkveranstaltungen mit den leeren Sonntagsreden des Kulturministers zum 80. Jahrestag der Befreiung Luxemburgs. Eric Thill, Daleidens enger Parteifreund, unterstützt trotz zahlreicher Fehltritte des Filmfunds weiterhin blindlings dessen Direktor .

Carte Blanche für Claqueure – Carte Noire für Résistance
Im selben „carte blanche“-Auswahlverfahren, in dem das Filmprojekt der UNIO’N abgelehnt wurde, förderte der Filmfund den Kurzfilmchen einer ihm treu-ergebenen Kulturjournalistin (M-L. R ) . Diese Dame hatte in den Jahren zuvor , in der größten Tageszeitung Luxemburgs , reihenweise wohlwollende PR-Artikel über den Filmfund und Direktor Daleiden verfasst – ein Fall von subtiler, aber wirksamer Medien-Lobbyarbeit, der den Geschmack von Belohnung statt Leistung vermittelt.
David gegen Goliath: Union klagt gegen das System Daleiden
Die Akte „Operatioun Pauly“ ist logischerweise beim Verwaltungsgericht, gelandet das nun zu entscheiden hat, ob Filmfund-Direktor Daleiden und sein kopfnickerisches Komitee der Resistenzorganisation UNIO’N Unrecht angetan – und ihr damit sogar die kleinste finanzielle Unterstützung verweigert hat.
Conflit d’intérêt made in Luxembourg

Besonders brisant: Ein langjähriges Mitglied ( B.v.H ) und Präsident des Förderausschusses im Filmfund, der in der Causa „Operatioun Pauly“ den Daumen nach unten kehrte, war gleichzeitig jahrelang in Projekte seines eigenen Ehemannes ( F.M ) involviert – dessen Filmprojekte mit staatlichen Filmfund-Mitteln gefördert wurden und werden. Dieser Interessenkonflikt, so der Anwalt der UNIOU’N, widerspricht flagrant den gesetzlichen Vorgaben zur Unabhängigkeit des Auswahlgremiums ( conflit d’intérêt) .
Fall Perelsztejn: Wer kritisch wird , fliegt raus
Besonders deutlich zeigt sich das strukturelle Ungleichgewicht im Fall der Produktionsfirma „Nowhere Land Productions“ und ihres Geschäftsführers Willy Perelsztejn. Der belgische Produzent hat – wie die Union – den luxemburgischen Filmfund vor dem Verwaltungsgericht verklagt. Anlass ist die aus seiner Sicht intransparente und unfaire Verteilung öffentlicher Fördermittel im lux. Filmbereich. Nach umstrittenen Prüfberichten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly wurde dem Produzenten 2023 der Zugang zur Antragsplattform des Filmfunds verwehrt – faktisch ein Ausschluss vom gesamten Fördersystem. Brisant: Dieselbe Bilanzierungspraxis, die Perelsztejn vorgeworfen wurde, war zuvor von Baker Tilly selbst bei anderen Produzenten akzeptiert worden – darunter „Tarantula“ oder sogar auch beim Museum MUDAM.

Für Perelsztejn und seinen Anwalt handelt es sich um einen eklatanten Fall doppelter Standards. So bringt der Kläger das Thema der “immateriellen Vermögenswerte “ins Spiel – ein buchhalterliches Verfahren, mit dem hohe Summen in den Bilanzen erscheinen , ohne dass reelle Werte dahinter stehen. Dies, so Perlsztejn, führe zu einer Verzerrung des Marktes , schwäche andere Bewerber massiv und könnte als Bilanzverfälschung ausgelegt werden . Laut Berechnungen Perelsztejn wurden zwischen 2019 und 2023 rund 91 Millionen Euro an fiktiven Werten in den Bilanzen luxemburgischer Produktionsfirmen aktiviert – eine Entwicklung, die nicht nur die Glaubwürdigkeit des Sektors untergräbt, sondern auch schlimme Risiken für das gesamte Fördersystem beinhaltet.
Dass der Filmfund trotz eines Vergleichs im Oktober 2023 keine Entsperrung der Plattform von Perelsztejn vornahm, sondern stattdessen weiter blockierte, zeigt: dieses Dossier ist weniger ein Einzelfall, sondern das Symptom eines Systems, das auf institutionellem Vertrauen beruht – ohne ausreichende Kontrollmechanismen. Die Politik , so Perelsztejn ,ist dringend gefordert um endlich Transparenz , externe Kontrollen, klare Kriterien und kulturelle Zielsetzungen zu schaffen. Und so wird nun mit Spannung das Urteil im Streit Filmfund–Perelsztejn von dem Verwaltungsgericht erwartet.
Bilanztricks mit System
Die kreative Bilanzierungspraxis mancher Filmproduktionsfirmen, etwa durch das Aufblasen „immaterieller Vermögenswerte“, würde nicht hinterfragt. Zudem fehlten grundlegende Kontrollmechanismen: ein funktionierendes Whistleblower-System, klare Regeln zur Trennung von Interessen und eine tatsächlich unabhängige Evaluationsinstanz mit echter Autorität.
Staatsgeld für “ Alibi – Ko-Produktionen”

Erstaunlich still bleibt es um die kulturellen Zielsetzungen der Filmfund-Reform. Es fehlt ein klares Bekenntnis zur Förderung der luxemburgischen Sprache, historischer Stoffe oder gesellschaftlich relevanter Inhalte. Stattdessen wird systematisch auf glamouröse Co-Produktionen gesetzt – mit minimaler nationaler Beteiligung. Weltweit hat sich seit langem herumgesprochen, dass das luxemburger , staatliche Filmfördergeld regelrecht auf der Straße liegt . Man müsste nur einen Daleiden-genehmen luxemburger “ Alibi-Produzenten” mit ins Boot nehmen , um die Filmfund-Gelder abzuschöpfen – das Ganze PR-mässig gut abgesichert durch einige Kultur-Schreiberlinge im Windschatten von Daleiden.
Daleiden bleibt – die Probleme auch
Statt eines echten Neustarts bietet das neue Filmfund-Gesetz die Fortschreibung eines Systems, das seine Legitimität längst verspielt hat. Die Debatte in der Öffentlichkeit fokussiert sich auffällig einseitig auf Daleiden, der die nötige politische und ministerielle Rückendeckung geniesst um die strukturellen Defizite zu verdecken und damit einer echten Reformdebatte im Weg stand und steht.
Fazit: Alte Seilschaften, neue Paragraphen
Die Reform bringt einige oberflächliche Verbesserungen die den EU-Vorgaben resp. Budgetregelungen Luxemburgs endlich Rechnung tragen. Doch ohne unabhängige Kontrollgremien, konsequente Interessentrennung und eine inhaltlich ehrliche Filmkultur bleibt das Gesetz, was es im Kern ist: ein schlecht kaschierter Weiterbetrieb des Alten – mit neuem Anstrich, aber ohne Fundament.