mI Römerbrief fordert Paulus die Empfänger auf, „die Waffen des Lichts anzulegen“, meint vorbildlich zu leben. Damit dürfte durchaus auch das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten!“, die kategorische Aufforderung, niemanden zu Tode zu bringen, anzuwenden sein. Das scheint scheinbar nicht für die heuer kategorisch von der NATO geforderte Hochrüstung zu gelten, Mord und Totschlag via Waffen und Kriege sind ebenfalls in der Lesart gewisser C-Politiker „christlich“ wohl staatstragend, gar „vernunftorientiert“, eben nicht mehr ausgeschlossen. Man ist jedoch naiv und geopolitisch unrealistisch, wenn man sich der Kriegslogik widersetzt und auf seiner persönlichen, sakrosankten Friedensüberzeugung beharrt, ob man nun religiös orientiert ist oder nicht. Die Friedensbewegung ist völlig „unmodern“ geworden, der Trend geht im Sinne der aktuellen und nicht nur gefühlt durchrohten, gewaltbereiten und rücksichtslosen Gesellschaft voll in Richtung Aufrüstung – jedwede Anti-Kriegseinstellung oder diplomatischen Friedensbemühungen widersprechen den neoliberalen Gelüsten der Waffenlobby, die den Rubel (besser den Dollar oder den Euro) in ihre eh bereits prall gefüllten Kassen rollen sieht. Nur: das laut zu sagen, ist absolut nicht erwünscht, ganz im Gegenteil.

Oder auch: Die Waffen des Lichts, von Paulus einst als moralischer Imperativ formuliert, wurden ersetzt durch die Waffen der Märkte – glänzend poliert, exportfähig und profitabel. Was früher als Friedensethos galt, wird heute als sicherheitspolitische Naivität belächelt. Wer sich dem Aufrüstungsnarrativ widersetzt, wird als weltfremd abgestempelt – oder schlimmer: als Störfaktor im reibungslosen Funktionieren der Rüstungsindustrie. Die NATO diktiert, die Politik folgt…und die Ethik? Die bleibt auf der Strecke, irgendwo zwischen Lobbytermin und Rüstungshaushalt. Man hat eben gelernt, dass Diplomatie keine Schlagzeilen macht – Panzer schon, Kriege besonders und über die wir leider tagtäglich ungefragt „informiert“ werden – der alltägliche Horror!
Wenn dann jedoch auch noch ehemalige Friedensbewegte sich dieser angesagten Realpolitik anschließen und ihre (heuer wohl als naive Jugendsünden empfundene) innere Friedensüberzeugung ob NATO-verordneter Hochrüstung ablegen, so ist dies der evidente Wandel vom Paulus zum Saulus, um dies im christlichen Vokabular auszudrücken.
Konfliktmanagement, Deeskalationstechniken, den Umgang mit Konflikten und Gewaltfreiheit vermittelt man scheinbar lieber in Jugendcamps, diplomatische Lösungssuche, besonders in schon vorher absehbaren, sich ankündigenden Konflikten, statt praktischer Kriegslogik sind in politischen Kreisen scheinbar (und trotz praktizierter Gegenreden) nicht mehr angesagt.
Vielleicht sollten sich unsere Damen und Herren Politiker, besonders ihr Spitzenpersonal, besser zu den Jugendlichen in den Kreis setzen und lernen, wie Menschen in Konfliktsituationen miteinander umzugehen haben – statt sich der Logik der Auf- und Hochrüstung zu ergeben. Denn wenn man die Waffenproduktion braucht um neue „Märkte“ zu schaffen, um die Wirtschaft anzukurbeln, meint noch mehr Geld zu verdienen, so hat diese Welt rein gar nichts aus der Geschichte gelernt, vor dem Bösen kapituliert.
Auch ohne (aus persönlicher Sicht gesehen) irgendwelcher christlichen Überzeugung verdächtig oder gar ein „Gutmensch“ zu sein, so sollten die „Waffen des Lichts“ des (durchaus umstrittenen) „Apostels“ Paulus als realistische Empfehlung tatsächlich angelegt werden.
Es wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Erleuchtung… in dunklen Zeiten!