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Kultur

Cannes, Krokodilstränen und die große Luxemburger Filmillusion 

Cannes, Krokodilstränen und die große Luxemburger Filmillusion
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Wieder einmal pilgert die Luxemburger Kultur- und Filmszene nach Cannes. Wieder einmal stehen dieselben Gesichter mit Champagnerglas im Luxemburger Pavillon, reden von „Herausforderungen“, „Unsicherheit“ und dem „Überleben der Branche“. Und wieder einmal produziert die „Kulturschreiberin“ Nora Schloesser im Luxemburger Wort exakt das, was man seit Jahren von dieser symbiotischen Cannes-Blase erwartet: stromlinienförmige Begleitprosa für eine künstlich beatmete Scheinindustrie.

Der Chor der gutsituierten Produzenten rund um Donato Rotunno lamentiert über die Krise in der Luxemburger Filmbranche. Jener Branche wohlgemerkt, die seit Jahrzehnten überhaupt nur existiert, weil der Film Fund Millionen an öffentlichen Geldern verteilt. Seit über 30 Jahren wird dieses System mit Steuergeld künstlich am Leben gehalten, flankiert von Guy Daleiden und einem staatlichen Fördermodell, das politisch abgesichert praktisch nie ernsthaft hinterfragt wurde und deshalb jahrzehntelang nahezu ungestört sein Unwesen treiben konnte.

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Und genau hier versagt Schreiberin Schloesser erneut dramatisch. Denn die entscheidende Frage stellt sie natürlich nicht. Was, wenn das Problem gar nicht die „Krise der Luxemburger Filmindustrie“ sei, sondern die Tatsache, dass es eine echte Filmindustrie in Luxemburg nie gegeben hat?

Produzenten, Filmfund-Guru Daleiden und Minister Thill schwafeln seit Jahren von angeblich 1.200 Beschäftigten in der Luxemburger Filmindustrie. Bis heute bleiben sie den Beweis schuldig, dass auch nur ein Drittel dieser Fantasiezahl der Realität entspricht. Egal, in der Chamber wird fleißig mit dem Kopf genickt und weiter an Daleidens Märchen geglaubt.

Fakt ist: Luxemburg ist ein Kleinstaat ohne kritische Masse, ohne relevanten Binnenmarkt und ohne organisch gewachsene Produktionslandschaft. Der Versuch, sich dennoch als großes „Filmland“ zu inszenieren, war von Anfang an ein politisch alimentiertes Prestigeprojekt. Eine durch staatliche Fördergelder erzeugte Parallelrealität. Ohne weit über eine Milliarde Euro an Steuergeldern, die seither in die luxemburgische „Filmindustrie“ gepumpt wurden, wäre dieses künstliche Konstrukt schon längst implodiert.

Doch statt diese fundamentale Wahrheit zu analysieren, reproduziert die Wort-„Kulturschreiberin“ Schloesser brav die Narrative jener Akteure, die seit Jahrzehnten bestens vom System leben. Immer dieselben Namen, immer dieselben Empfänge, immer dieselben Klagen über fehlende Mittel — während gleichzeitig Millionen öffentlicher Gelder verbrannt werden, um den Mythos einer luxemburgischen Filmindustrie künstlich aufrecht zu erhalten.

Das eigentlich Erstaunliche ist längst nicht mehr die Krise. Erstaunlich ist vielmehr, dass manche noch immer so tun, als wäre dieses Modell seit jeher nachhaltig gewesen.

Noch absurder wird es, wenn die üblichen, angepassten Kulturschreiber der Medienszene in Cannes als Hofberichterstatter einer Branche auftreten, die sich seit Jahrzehnten zu einer Subventionsmaschine entwickelt hat. Bei jedem Empfang präsent, geschniegelt auf jedem roten Teppich, stets bemüht, Bedeutung zu simulieren, wo in Wahrheit längst strukturelle Leere herrscht.

Und so betreiben diese sogenannten „Kulturjournalisten“ seit Jahren nichts anderes als betreutes Networking mit Pressekärtchen. Man kennt sich, man hofiert sich, man schützt sich gegenseitig. Aus Kulturkritik wird Zugangspflege. Aus Journalismus ein gesellschaftliches Mitlaufen innerhalb eines abgeschotteten Milieus.

Besonders grotesk wirkt dabei die jüngste Eigenwerbung des Luxemburger Wort, in der Nora Schloesser sich und ihre Arbeit in pathetischer Aufmachung als Stimme eines angeblich „fundierten“ und „menschlichen“ Journalismus inszeniert. Wer jedoch weiß, was echter Journalismus bedeutet — insbesondere investigativer Journalismus — erkennt rasch die fast komödienhafte Farce hinter dieser Selbstinszenierung.

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Denn investigativer Journalismus schafft Distanz zur Macht. Er hinterfragt Netzwerke, analysiert Geldflüsse, legt Interessenkonflikte offen und riskiert notfalls den Konflikt mit den eigenen gesellschaftlichen Kreisen. Genau das aber passiert hier seit Jahren nicht. Stattdessen bewegt man sich komfortabel im Windschatten jener sogenannten Kulturträger, von deren Nähe man gleichzeitig profitiert. Man begleitet den Betrieb, man moderiert ihn, man ästhetisiert ihn — aber man hinterfragt ihn nicht ernsthaft. Das Resultat ist kein unabhängiger Journalismus, sondern ein angepasstes Mitsegeln innerhalb eines Systems gegenseitiger Gefälligkeiten.

Die Texte von Schloesser stehen exemplarisch für den Niedergang einer Kulturberichterstattung, die jede kritische Distanz verloren hat: kein analytischer Mut, keine strukturelle Kritik, kein Wille, den Kern des Problems freizulegen. Lieber beschreibt man das diffuse „Unbehagen“ in Cannes, statt die simple Wahrheit auszusprechen:Das Kind liegt nicht mehr am Brunnenrand. Es liegt längst tief unten im Wasser — und die politische wie mediale, treue Begleitklasse steht daneben und diskutiert weiterhin über die Farbe des Seils.

Henri Fischbach                        

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