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Struktur statt Pflaster: Sonst hilft auch die teuerste Aufbewahrung des Mindeslohn nichts! 

Struktur statt Pflaster: Sonst hilft auch die teuerste Aufbewahrung des Mindeslohn nichts!
Image by Peter J. Althammer from Pixabay

Wer mit dem Mindestlohn in Luxemburg lebt, rechnet jeden Monat. Miete, Lebensmittel, Energie – die Grenzen sind schnell erreicht. Besonders Alleinerziehende und Familien mit Kindern wissen: Vollzeit arbeiten reicht oft nicht zum Leben. Das ist das Phänomen der Working Poor – arbeitende Arme – den höchste Prozentsatz in Europa, die trotz Job auf staatliche Hilfen angewiesen sind.

Die Regierung erhöht den Mindestlohn zum 1. Januar 2027 um rund 170 Euro (110 Euro plus Index und Réévaluation). Das ist spürbar. Doch in der Debatte wird gefordert, noch 300 Euro obendrauf zu packen – ein echter „Living Wage“, der die realen Kosten deckt. Verständlich. Aber gefährlich. Denn Löhne können langfristig nur dann nachhaltig steigen, wenn die Produktivität der Wirtschaft mit wächst. Sonst folgen höhere Preise, Inflation frisst den Zuwachs auf, und das Problem verlagert sich nur.

Der Mindestlohn ist nur ein Teil der Lösung. Der eigentliche Killer der Kaufkraft sind die Luxemburger Wohnkosten. Und genau hier versagt die aktuelle Politik: Statt das Problem an der Wurzel zu packen, verteilt der Staat Milliarden in Mietzuschüssen, „allocation de vie chère“ und „prime énergie“. Fast die Hälfte des Staatshaushalts fließt in den Sozialstaat – teures Make-up, das die Symptome lindert, aber nicht heilt. Luxemburg hat nur etwa 2 % Sozialwohnungen. Wartelisten sind lang. Der Markt ist völlig überhitzt oder doch manipuliert…

Die Lösung: Ein massiver, selbsttragender Sozialwohnungssektor nach niederländischem und österreichischem Vorbild.

In den Niederlanden machen gemeinnützige “woningcorporaties” 29–30 % des gesamten Wohnungsbestands aus (rund 2,3–2,5 Millionen Einheiten). Keine Behörden, sondern professionelle Baugesellschaften. Sie finanzieren sich selbst aus Mieteinnahmen, bauen und sanieren ohne laufende Staatszuschüsse. Der Staat gibt nur Bürgschaften für günstige Kredite und verkauft Bauland unter Marktwert. Ergebnis: bezahlbarer Wohnraum für untere und mittlere Einkommen (bis ca. 40.000–60.000 € Haushaltseinkommen), hohe Qualität, keine Ghettos, Stabilität.

Freepik

In Österreich sind es 25 % des Bestands (ca. 900.000 Einheiten) über gemeinnützige Bauvereinigungen (GBV). Strenges Limited-Profit-Modell: Kostendeckende Mieten, Überschüsse bleiben im System, keine Spekulation. Kommunen geben Land billig ab. In Wien sogar 40–43 %. Das dämpft den gesamten Mietmarkt – für alle.

Beide Modelle zeigen: Sozialer Wohnungsbau soll nicht teuer sein. Er ist selbstfinanzierend, skalierbar und wirkt preisdämpfend auf den ganzen Markt. Statt immer mehr Subventionen für die arbeitenden Armen zu zahlen, baut man Strukturen, die das Problem dauerhaft lösen.

Luxemburg braucht genau das: professionelle, unabhängige Träger, ein Revolving-Fund-Modell, aktive Bodenpolitik und eine breite Zielgruppe – nicht nur für die Ärmsten. Dann reicht der Mindestlohn wieder zum Leben. Und nur mit solchen Strukturen kann das Land auch eine Bevölkerung von einer Million Menschen nachhaltig tragen – wie es zuletzt unter dem langjährigen Gouverneur Peter Ernst von Mansfeld im 16. Jahrhundert gelang. Über fast 60 Jahre (1545–1604) sicherte er als Statthalter der spanischen Krone durch stabile Verwaltung, militärischen Schutz und gezielte Investitionen in die Hauptstadt – vor allem den Bau des prächtigen Renaissance-Schlosses La Fontaine in Clausen mit ausgedehnten Gärten und Kunstsammlungen – einen wirtschaftlichen und demografischen Aufschwung. Damals umfasste das Herzogtum Luxemburg noch ein deutlich größeres Territorium als das heutige Großherzogtum. Nach seinem Tod 1604 in Namur ging der Aufschwung und auch der Bevölkerungszuwachs rasch zurück. Eine moderne Wirtschaft lässt sich nicht dauerhaft auf Sozialtransfers und Hilfspakete aufbauen, die maßgeblich aus dem Finanz- und Bankwesen finanziert werden. Sollte diese Finanzierung einmal einbrechen, wäre es das mit dem luxemburgischen Erfolgsmodell. Luxemburg muss jetzt strukturell umbauen.

Wie man festgefahrene Strukturen mit Know-how durchbricht, zeigt die italienische Methode beim Wiederaufbau der Ponte Genova San Giorgio nach dem Morandi-Einsturz 2018: In nur 15 Monaten wurde eine Brücke gebaut, indem Schiffbautechnologie (Fincantieri) auf den Brückenbau übertragen wurde – Vorfertigung im Trockendock, Präzision, industrielle Montage. Kein Flickwerk. Struktur. Politischer Wille. Ergebnis.

Genau so muss Luxemburg beim Wohnen umbauen. Nicht mehr Hilfen verteilen. Sondern Strukturen schaffen die Zukunftsfähig sind und bleiben.

Die luxemburgische Politik respektiert dieses Mansfeld-Erbe jedoch nicht – weder urbanistisch noch kulturell. Wo Mansfeld mit visionärer Kraft eine bleibende Residenz und einen nachhaltigen Aufschwung schuf, setzt man heute auf kurzfristige Transfers statt auf echte strukturelle Weichenstellungen. Dieses Vergessen der eigenen Geschichte wird sich rächen.

Es gibt keine andere Lösung, alles andere bleibt teures Make-up.

 

Marcello Eusani

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