Eine journalistische Doppelmoral
Caroline Mart, RTL-Moderatorin und selbsternannte „Ethik-Dozentin“, inszeniert sich gerne als moralische Instanz des luxemburgischen Journalismus. Doch wer genauer hinsieht – etwa im Rahmen ihres jüngsten Auftritts im Podcast Gëlle Fro – erkennt schnell ein Muster: Mart predigt Ethik, während sie sich gleichzeitig in ein dichtes Netz aus Seilschaften, Copinage, Machtstrukturen und persönlicher Nähe zu kulturpolitischen Akteuren verstrickt.
Selbstmythologisierung statt Medienethik
Was im Podcast als Gespräch über Medienethik beginnt, entwickelt sich bei Mart zu einer öffentlich gestreamten Selbstmythologisierung – ein Monolog, der weniger journalistische Selbstreflexion oder gar Selbstkritik erkennen lässt, sondern vielmehr eine mediale Selbstbeweihräucherung mit goldenem Anstrich. Mart inszeniert sich dabei als widerstandsfähige, unerschrockene Pressefrau, die auch heikle und kritische Fragen nicht scheut. Doch die Realität sieht anders aus.

Ein Paradebeispiel für Copinage und Seilschaften
Zufälligerweise ist Marts aktueller Lebenspartner Filmproduzent, enger Freund Lunghis und seit über 25 Jahren

LuxFilmFestival. Produzent Rotunno-RTL Journalistin Caroline Mart
millionenschwerer Nutznießer des Film Fund. Dass ein externer Audit sowie der Rechnungshof eine Vielzahl an Unregelmäßigkeiten, Verfehlungen bis hin zu schweren Interessenkonflikten beim Film Fund aufdeckten, überrascht Insider kaum. Auffällig ist insbesondere die Rolle des öffentlich-rechtlichen Senders RTL, der trotz dieser schwerwiegenden Vorwürfe gegen den Film Fund und den allmächtigen Direktor Daleiden, keinerlei kritische Berichterstattung dazu veröffentlichte – abgesichert durch den wasserdichten, kritikfreien Schutzschirm der Kulturpäpstin Mart.
Interessenkonflikt: kein Thema
Nicht nur ihr aktueller Lebenspartner, sondern auch ihr Ex-Ehemann ist Filmproduzent und zählt auch , seit mehr als einem Vierteljahrhundert, zu den Hauptnutznießern des Film Fund. Ausgerechnet diesem Produzenten warf der Rechnungshof massive Interessenkonflikte im Zusammenhang mit der Filmförderung vor. Und ausgerechnet dieser Produktionsfirma genehmigte die RTL – Medienfrau Mart ein saftiges Darlehen (prêt). Zum 31. 12 des Jahres , in dem das Darlehen gewährt wurde, steht in der Bilanz eine Summe von 20166,67 Euro In der Bilanz des darauffolgenden Jahres ist die Summe von 20771,67 ausgewiesen. Beim Anstieg dieses Darlehens dürfte es sich um eine Zinsvergütung handeln. Im selben Zeitfenster werden PR-Reportagen über den Film Fund und Filme – produziert im Dunstkreis persönlicher Beziehungen – bei RTL kritiklos durchgewunken und als seriöser Journalismus verkauft. So wurde der geduldige RTL Konsument in Sachen Film von sogenannten “Kulturjournalisten” mit unkritischen Gefälligkeitsreportagen eingelullt. Das Ganze straff überwacht von der Medienfrau Mart.
Seilschaften wie im Bilderbuch

Photo: Mudam
Marts aktueller Lebenspartner realisierte gemeinsam mit dem damaligen MUDAM-Generaldirektor Lunghi ein Filmprojekt über – ironischerweise – Seilschaften im MUDAM. Obwohl dieses Filmchen “ Dreams have a language”, wie sogar der ausländischen Fachzeitschrift Parisarthttps://bit.ly/44MCT3I zu entnehmen ist, nicht den Kriterien des Film Fund für eine finanzielle Förderung entsprochen hätte , flossen – deus ex machina – trotzdem 250.000 Euro Steuergelder für diesen “Seilschaftsfilm” in die Produktionsfirma von Marts Lebenspartner. Ein Vorgang, der in einem funktionierenden Kontrollsystem für Aufsehen und Fragen hätte sorgen müssen. Doch die Rolle von Mart als Vermittlerin, Multiplikatorin und Schutzpatronin dieser Projekte wurde nie transparent hinterfragt. Stattdessen schützt RTL- Journalistin Mart den Film Fund und den allmächtigen Direktor Daleiden mit rhetorischem Können, journalistischer Tarnung und einem Netz aus Seilschaften.

Photo Mudam
Die Rolle vun Frau Mart beschränkt sich bei RTL keineswegs auf Moderation – sie beeinflusst aktiv Themenwahl, Berichterstattung und die öffentliche Meinung. Diese Konstellation ist ein lehrbuchhaftes Beispiel für institutionalisierte Vetternwirtschaft. Dass Mart trotz (oder gerade wegen) dieser Strukturen als moralische Instanz in Erscheinung tritt, offenbart eine groteske Umkehrung der journalistischen Ethik. Die mediale Bühne wird zur Bühne privater Loyalitäten und institutioneller Machtspiele.
Die gezielte Ausbremsung einer jungen Kollegin
Besonders skandalös war Marts Verhalten gegenüber einer jungen, mutigen investigativen RTL-Reporterin. Diese hatte es gewagt, Recherchen über den allmächtigen Direktor des Film Fund und dessen Netzwerk vorzunehmen. Resultat: die Reporterin wurde vor eine interne RTL-Ethikkommission zitiert, zu Unrecht herabgewürdigt, eingeschüchtert und letztlich ausgebremst – alles unter den wachsamen Augen der Strippenzieherin Mart.
Ethik als Etikette – oder Machtmittel?

Die journalistische Doppelmoral wird besonders deutlich, wenn Mart sich selbst zur Pädagogin für junge Journalisten erhebt. So gab sie im Podcast Ratschläge, „aus der Komfortzone zu gehen“ und „Interviews mit Leuten zu führen, die man sich sonst nicht zutraut“. Gleichzeitig verschwieg sie, dass in der Causa Lunghi eine RTL-Journalistin vom damaligen MUDAM-Direktor tätlich angegriffen wurde. Kein Wort über die Tatsache, dass dieselbe Journalistin seit neun Jahren systematisch gemobbt, öffentlich diskreditiert, beleidigt und verleumdet wird. Ebenso unerwähnt bleibt, dass Catherine Gaeng, Ehefrau Lunghis, in einem pamphlethaften Buch massiv gegen das Untersuchungsgeheimnis verstösst und deshalb – wie das Luxemburger Wort berichtete- – gemeinsam mit ihrem Mann angeklagt wurde. So verlor Frau Mart, Freundin des Ehepaars Lunghi, über diese Anklage ebenfalls kein einziges Wort – weder im Podcast noch in einer ihrer Sendungen bei RTL .
Karriereplanung im Schatten der Macht
Auch ihre angekündigte Rolle im zukünftigen „Managementteam“ von RTL – wie beiläufig im Podcast erwähnt – wirft Fragen auf. Mart scheint bereit, nahtlos von der Journalistin zur Managerin zu wechseln – als Teil jenes Systems, das sie angeblich kritisch hinterfragt. Der Podcast offenbart ein glänzend lackiertes Machtkonstrukt, in dem Mart als zentrale, scheinbar unantastbare Medienfigur erscheint. Jede Kritik an ihr wird abgeschmettert, jede Gegenstimme marginalisiert. Mart, als kulturelle Mimose, verträgt weder Widerspruch noch kritische Analyse – das perfekte Sinnbild eines Systems, das sich selbst schützt, kritische Stimmen ausschließt und sich über die Werte stellt, die es vorgibt zu vertreten. Medienfrau Mart steht sinnbildlich für ein kulturelles und mediales Establishment , das sich der Kontrolle enzieht und Kritik im Keim erstickt. Ihre Rolle als “Kulturdiva” bei RTL steht im Widerspruch zu den Mindeststandards journalistischer Praxis. Ein transparenter Umgang mit Interessenkonflikten wäre das Mindeste – stattdessen erlebt man

Photo: Luxemburger Wort
ein Geflecht aus Seilschaften, PR-Maschinerie und öffentlicher Förderung, das dringend Aufklärung bedarf.
Managerin und Dokumentaristin
Am Ende bleibt eine zentrale Frage, die unausgesprochen über allem schwebt: Wie viele enge Verflechtungen zwischen Medien, Kultur, Geld und angeblicher Ethik sind in einem so kleinen Land wie Luxemburg überhaupt tragbar? Und noch wichtiger: Was bedeutet das für einen wahren, ehrlichen und unabhängigen Journalismus, den eine Demokratie so dringend braucht? Eine heikle, brisante Frage – deren Antwort wohl kaum von einer selbsternannten „Kultur-Diva“ und „Ethik-Dozentin“ mit weitreichenden Seilschaften und raffiniertem Copinage gegeben werden kann.
Kamera läuft – Moral pausiert
Caroline Mart macht also jetzt in Dokumentarfilm. Offenbar war das alles nur die Ouvertüre. Der große Auftritt steht erst bevor – mit der Kamera in der Hand und Fördergeldern im Rücken. Schließlich ist man ja nicht irgendwer. Man ist Mart.
Nun darf man träumen. Von leidenschaftlichen Nahaufnahmen gesellschaftlicher Randzonen. Von Tiefenschärfe im Dokuformat. Oder einfach vom nächsten öffentlichen Film Fund Förderbescheid. Denn Marts Lebenspartner ,Donato Rotunno- zieht seit fast drei Jahrzehnten zuverlässig beim Film Fund Luxembourg an den richtigen Strippen – mit seiner Firma Tarantula, die längst so etwas wie ein Platzhirsch unter Dauerförderung ist. Wer mit ihm liiert ist, bekommt keinen Oscar, aber sicher ein reichhaltiges Millionen-Budget.

Photo Luxemburger Wort
Also tritt Mart jetzt aus dem moralisch ausgeleuchteten RTL-Studio in die vielversprechende Halbfinsternis der Filmbranche – flankiert von ihrem Lebenspartner , der mit einem Fingerschlag wahrscheinlich gleich mehrere Gremien, Kommissionen und Jurys gleichzeitig in Bewegung setzt. Filmideen? Zweitrangig. Kontakte? Alles.
Man nennt das Copinage, auf Luxemburgisch etwa: “Mir këmmeren eis ëm eis selwer.” Und wer glaubt, das sei anrüchig, dem sei gesagt: Nein, das ist hier Tradition. Förderkultur auf familiärer Basis – mit dem Gütesiegel „Netzwerkpflege“.
Während draußen Talente auf Antwortmails vom Film Fund warten, wird drinnen schon der erste Schnitt gemacht. Wahrscheinlich ein Porträt über „unabhängige Stimmen in Luxemburgs Medienlandschaft“. Oder ein Film über Ethik. Wer weiß. Der Titel könnte lauten: „In eigener Sache – ein dokumentierter Vorteil.“
Was bleibt? Ein leises Kopfschütteln – und die Frage, ob das nächste Drehbuch vielleicht gleich im Büro Direktor Daleidens in Präsenz des Kulturministers geschrieben wird.