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Ernesto Fluni: Karl und die spanischen Bonbons 

Ernesto Fluni: Karl und die spanischen Bonbons

Karl war ein Mann mit Prinzipien, und eines dieser Prinzipien ging auf ein Erlebnis zurück, das zunächst harmlos klang: eine Tüte Bonbons in Spanien.

Es war irgendwann in den frühen Achtzigern, als Karl, damals noch jung und ein wenig naiv, durch die Gassen von Mallorca schlenderte. In einem kleinen Kramladen, zwischen Sardinendosen, Sonnencreme und staubigen Postkarten, entdeckte er eine bunte Tüte Bonbons. Jedes Stück war in verschiedenfarbiges, silbrig glänzendes Papier gewickelt – rot, blau, grün, gelb.
„Die Spanier verstehen echt was von Vielfalt“, dachte Karl, und kaufte die Tüte ohne zu zögern.

Doch beim Verzehr folgte die Ernüchterung: Jeder einzelne Bonbon schmeckte gleich. Leicht süß, künstlich, undefinierbar – irgendwo zwischen Zitrone und einer Mischung aus anderen Aromastoffen. Jedenfalls ein Geschmack, der den Aufwand der Verpackung in keiner Weise rechtfertigte. Karl runzelte die Stirn.
„Also das… das ist doch Beschiss mit System“, sagte er damals zu sich selbst, während er auf einem bröckelnden Bordstein in der Sonne saß und bereits den siebten identischen Bonbon aus den bunten Papieren zog.

Seit diesem Tag trug er eine Lebensweisheit mit sich, wie andere Leute einen Glücksbringer. Ob Wahlprogramme, Betrugsmaschen, neue Smartphones, modische Diäten, Steuerreformen, Rentenreformen oder die nächste große Gesundheitsreform – Karl winkte nur noch ab und sagte trocken:
„Ach, das sind doch alles nur spanische Bonbons.“

Wenn jemand nachfragte, erzählte er die Geschichte mit ernster Miene.
„Siehst du“, sagte er dann, „sie wickeln’s immer anders ein. Mal pink mit Schleife, mal öko-grün oder patriotisch geblümt. Aber wenn du’s auspackst, schmeckt’s immer gleich. Undefinierbar – und meistens ein bisschen nach Lüge.“

Ernesto Fluni

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1 Comment

  1. Jean

    Gut gesehen ,herr Fluni.
    Ein perfektes aktuelles beispiel der spanischen bonbons ist der im grunde nicht existente gegensatz zwischen der aussenpolitik von Donald Trump und der seines vorgaengers in einigen wichtigen punkten.
    Wohl hat der Donald den schauspieler aus kiew publikumswirksam abgekanzelt und biedert sich dem kriegsverbrecher aus Israel noch viel krasser an….aber die Ukraine erhaelt weiter waffen und auch Biden hat nie wirklich distanz zur Netanyahu regierung gehalten.

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