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Ernesto Fluni: Die Brummdrossel 

Ernesto Fluni: Die Brummdrossel
Image par Rolando Marin de Pixabay

(Eine akustisch fundierte Intervention in das sicherheitspolitische Diskursvakuum)

Karl war kein Mann der großen Worte. Nicht, weil er keine hatte – er war schließlich Berater im Ministerium für Innere Werte. Aber seine Beiträge wurden oft von anderen… Körpersignalen übertönt.

Nachts, wenn Karl nicht schlafen konnte, saß er im Hinterhof, rauchte eine Zigarette und starrte auf die Mülltonnen wie ein melancholischer Stadtnaturforscher. Dann brummte es. Mehrmals. Tief, vibrierend, existenziell. Die Nachbarn warfen sich besorgte Blicke zu: Gab es neuerdings nachtaktive Vögel? Oder hatte sich ein Motorrad in der Tonne eingenistet?

Karl litt an Flatulenz. Meteorismus, wie es in Arztbriefen hieß. Bombardismus, wie es der Volksmund nannte. Eine Krankheit, die Ärzte regelmäßig zu unprofessionellem Kichern und reflexhaftem Fensteröffnen verleitete.

Seine wenigen verbliebenen Freunde nannten ihn liebevoll: die Brummdrossel.

Karl hielt sich streng an seine Anti-Brumm-Diät – keine Bohnen, keine Zwiebeln, kein Leben. Doch die Krankheit hatte ihren eigenen Rhythmus: zuverlässig, druckvoll, staatsfeindlich.

Der eigentliche Austritt – medizinisch wie historisch – ereignete sich während einer Sitzung im MIW. Thema: Nationale Aufrüstung. Milliarden standen im Raum. Als Karl nach seiner Einschätzung gefragt wurde, erhob er sich langsam, öffnete den Mund – doch sein Körper war schneller.

Es brummte. Lang. Tief. Schwer bewaffnet. Ein Geräusch wie ein strategischer Bomber im Tiefflug über moralischem Niemandsland.

Karl setzte sich. Wortlos. Die Stille danach war beklemmender als jeder Raketenbeschluss.

Im offiziellen Sitzungsprotokoll stand später nüchtern:

„Berater Karl signalisiert Widerstand.“

Und so stand es auch im Pressebericht:
„Berater Karl hat auf unkonventionelle Weise seine Ablehnung gezeigt – die Rüstungspläne sind vorläufig regelrecht verpufft.“

Karl geriet ins Visier diverser Friedensinitiativen und wurde zu Gesprächen eingeladen. Selbstverständlich öffnete man dort die Fenster. Doch diesmal sprach Karl – und das Brummen blieb Teil seiner Botschaft.

Und so wurde aus Karl, dem Mann mit der inneren Explosion, ein Symbol des äußeren Friedens.

Die Brummdrossel wurde zur Friedenstaube.

Ernesto Fluni

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