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Satir

Ernesto Fluni: Karl und die Pflanzenmusik 

Ernesto Fluni: Karl und die Pflanzenmusik
Photo de Alina Vilchenko: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/lunettes-de-soleil-marron-sur-disque-vinyle-noir-2117240/

Früher hatte Karl geglaubt, dass Pflanzen einfach Wasser, Sonne und ein bisschen Dünger brauchen. Doch dann entdeckte er die geheime vierte Komponente: Sound.
Sein Wohnzimmer glich bald weniger einem Wintergarten als vielmehr einer Mischung aus botanischem Garten und Diskothek. Auf dem Regal stand ein Kaktus mit Lederjacke. Im Blumentopf vibrierte eine Orchidee bei jedem Takt von Lil Louis. Und irgendwo hinten am Fenster wiegte sich eine schüchterne Yucca-Palme, die nur bei AC/DC – besonders bei Love Hungry Man – die Hüften schwang.
Karl protokollierte alles mit wissenschaftlicher Strenge:
Bei Marilyn Manson entwickelten Kakteen Stacheln wie Schraubenbohrer.
Bei AC/DC tranken die Pflanzen mehr Wasser als ein Biker Bier auf dem Oktoberfest.
Bei Lil Louis’ French Kiss vibrierten die Blüten und explodierten fast in einem botanischen Orgasmus.
Wenn Besuch kam, führte Karl stolz seine „grüne Band“ vor. „Hier, schaut mal“, sagte er und drehte den Regler hoch. Sofort ging der Kaktus in Headbanger-Position und die Orchidee machte Anstalten, den Gardinen eine Zunge zu zeigen.
Photo de Alina Vilchenko: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/retro-vintage-musique-feuilles-11528217/

Die Nachbarn waren weniger begeistert. Sie beschwerten sich über nächtliche Bassvibrationen, die angeblich ihre Geranien zum Welken brachten.

 

 

 

 

Doch was als Wohnzimmerexperiment begann, fand seinen Weg ins Botanical Journal of Applied Sound Studies. Karls Notizen wurden als Pionierstudie veröffentlicht, und plötzlich sprach die Fachwelt von „Phytophonie“.

Institut für angewandte Phytophonie
Studie 2025: Musikpräferenzen im Pflanzenreich – eine kulturkritische Felduntersuchung
Einleitung
Seit Jahrzehnten behauptet die Esoterik, Pflanzen würden auf Musik reagieren. Doch erst jüngste Beobachtungen im urbanen Habitat luxemburgischer Balkone und Gärten liefern belastbare Hinweise: Jede Pflanze benötigt ihre spezifische musikalische Umwelt, um ihre volle botanische Identität zu entfalten. Die Ergebnisse sind eindeutig und zugleich gesellschaftlich beunruhigend.
Methodik
Unterschiedliche Pflanzenarten wurden unter kontrollierten Bedingungen jeweils einer spezifischen musikalischen Darbietung ausgesetzt. Die Dauer betrug 60 Minuten pro Tag. Kontrollgruppen erhielten ausschließlich Radioprogramme von RTL – mit dem Ergebnis, dass sie ausnahmslos in Depression verfielen.
Ergebnisse
Kakteen (Cactaceae)

Reagieren unmittelbar auf Industrial und Metal. Besonders bei Marilyn Mansons Slutgarden entwickelten sie Stacheln, die messerscharf und signifikant länger waren. Interpretation: Kakteen verstehen Musik als Waffenlieferung.

Photo de Anna Khomutova: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/plantes-centrales-production-croissance-5783396/
Geranien (Pelargonium spp.)
Blühten üppig unter deutscher Volksmusik. Bei Heinos Schwarzbraun ist die Haselnuss trieben sie Knospen, als hätten sie den Marschbefehl erhalten. Neben Gartenzwergen fühlen sie sich noch wohler.
Schlussfolgerung: Geranien sind die musikalische Avantgarde des Spießertums und der Kleinbürgerlichkeit.
Eichen (Quercus robur)
Bei Störkraft und anderem Rechtsrock verzeichneten sie massives Wachstum. Sie bildeten dabei besonders harte Holzstrukturen – mutmaßlich als biologische Reaktion auf ideologische Verhärtung.
Weißkohl (Brassica oleracea var. capitata f. alba)
Zeigte Begeisterung für Krautrock. Bei Solar Music von Grobschnitt öffneten sich die Blätter fast synchron zum Schlagzeugsolo.
Interpretation: Kraut liebt Kraut. Endlich ein Fall von nomenklatorischer Ehrlichkeit.
Orchideen (Orchidaceae)
Unter French Kiss von Lil Louis produzierten sie überdimensionale Blütenstände. Offensichtlich interpretieren sie die Bassline als sexuelles Signal. Hier konnte eine klare Korrelation zwischen House und Fortpflanzungsbereitschaft nachgewiesen werden.
Gerste und Hopfen (Hordeum vulgare, Humulus lupulus)
Wuchsen explosionsartig bei Have a Drink on Me von AC/DC. Wissenschaftliche Hypothese: Die Pflanzen antizipieren ihren Endzweck im Bierglas und betreiben Wachstum als vorauseilende Begeisterung.
Russischer Estragon (Artemisia dracunculus cv. „Красная армия“ – Rote Armee)
Lieblingslied: Катюша (Katyusha). Zeigt eine deutliche Steigerung der Aromastoffproduktion, wenn er regelmäßig mit patriotisch-militärischen Liedern beschallt wird. Das Stück Спецназ (Spezialeinheit) von Наталья Самойлова (Natalya Samoylova) wirkt wie akustischer Dünger. Die Blätter entfalten eine schärfere Note, als hätten sie selbst das Überlebenstraining im Ural absolviert.
Basilikum (Ocimum basilicum)
Lieblingslied: L’italiano (Lasciatemi cantare) von Toto Cutugno
Die Blätter werden besonders zart und verführerisch, ideal für Spaghetti Napoli. Ohne diese Melodie neigt Basilikum zum beleidigten Hängenlassen.
Rosmarin (Salvia rosmarinus)
Lieblingslied: La vie en rose von Édith Piaf
Entwickelt feine ätherische Öle und ein charmantes Aroma. Bei Chansons wachsen die Nadeln dichter und duftiger.
Oregano (Origanum vulgare)
Lieblingslied: Zorba’s Dance von Mikis Theodorakis
Explodiert förmlich im Wachstum, sobald die Bouzouki einsetzt. Am liebsten tanzt er mit Tomatenpflanzen im Wind.
Koriander (Coriandrum sativum)
Lieblingslied: La Cucaracha (traditionell, Mexiko)
Wächst schnell bei Mariachi-Klängen. Die Blätter flattern rhythmisch wie Sombreros im Wind.
Kardamom (Elettaria cardamomum)
Lieblingslied: Habibi Ya Nour El Ain von Amr Diab
Bei arabischem Pop werden die Samenkapseln so prall, dass sie fast von selbst aufspringen.
Diskussion
Photo de Alina Vilchenko: https://www.pexels.com/fr-fr/photo/photographie-de-meubles-et-d-appareils-electromenagers-a-la-maison-1173651/

Die Daten belegen zweifelsfrei: Musik ist ein entscheidender Umweltfaktor für botanisches Wohlbefinden. Jede Pflanze hat ihre spezifische Klangästhetik. Fehlbeschallung führt zu Welke und Wurzelfäule.

Schlussfolgerung
Die Musikalisierung der Botanik eröffnet nicht nur neue Perspektiven in der Pflanzenpflege, sondern liefert auch einen bitteren Spiegel für die Gesellschaft: Was der Mensch hört, wächst im Garten weiter.
Botanische Allianzen & Konfliktlinien
Die Veröffentlichung blieb nicht folgenlos. Nur wenige Monate später griff die UNO-Kommission für Agrar-Diplomatie die Thesen auf und gab weitere Untersuchungen und Studien in Auftrag. Es entstand ein ganz neues Forschungsfeld: die Geopolitik der Pflanzenbeete. Denn nicht nur der richtige Sound spielt eine Rolle, sondern auch die Beziehungen zu den Nachbarpflanzen.
Die Beobachtungen
(Hier nur einige Beispiele. Das vollständige Dokument umfasst 12.617 Seiten in Schriftgröße 8 – ein Meisterwerk der Informationsverdichtung, das schon an der Schriftgröße scheitert und das ohnehin kaum jemals einer ganz lesen wird.)
Türkenbuntlilien & Tulpen
Blühen Seite an Seite wie alte Handelspartner entlang der Seidenstraße. Kein Problem, keine Spannungen.
Türkenbuntlilien & Oregano
Katastrophe! Historische Ressentiments – die Wurzeln verheddern sich sofort in diplomatischen Krisen. Empfohlen: strikte Trennung, am besten mit einem neutralen Beetstreifen.
Oregano, Rosmarin & Basilikum
Mediterrane Bruderschaft. Sie teilen sich Sonne, Boden und Olivenöl, ohne zu streiten.
Eichen & Geranien
Ideologisch kongruent. Geranien ordnen sich brav unter dem starken Stamm, gemeinsam prägen sie das Bild vom gepflegten Vorgarten-Patriotismus.
Koriander (Mexiko) mit Chili, Paprika & Tomaten
¡Viva la Salsa! Harmonisches Bündnis, immer bereit für eine Fiesta im Beet.
Aber: niemals eine Mauer aus Cranberries daneben errichten – sofortiges politisches Trauma.
Estragon & Sonnenblumen
Früher enge Verbündete, friedlich in weiten Feldern vereint. Heute entfremdet; ihr Verhältnis gilt als verfeindet.
Persischer Klee & Jerichorosen
Teilen sie dasselbe Beet, herrscht Dauerkrise.
Epilog
So wanderten Karls Experimente vom Wohnzimmer-Labor über das Botanical Journal bis in die UNO-Akten.
Heute gilt: Wer Rosen pflanzt, sollte Chopin auflegen. Wer Mais sät, lieber Country. Und wer Oregano neben Türkenbuntlilien setzt, riskiert einen diplomatischen Zwischenfall.
Karl lehnt sich zurück, dreht die Anlage hoch und sagt zufrieden:
„Die Welt ist kompliziert. Aber im Garten ist sie berechenbar – solange man die richtige Playlist hat und auf die Nachbarschaft aufpasst.“

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