Recent Posts

Post Categories

Päng op dem Staat seng Hypokrisie! 
Fëmmen schued der Gesondheet. Richteg! De Staat mécht alles fir d’Leit virum Tubak ze schützen, esou gutt déi aktiv ewéi...
Luc Frieden: kee weidere Rutsch am neie Joer! 
politesch Meenungsëmfroen interesséiere virun allem déi Concernéiert selwer, also d’Politiker an och d’Press- virausgesat d’Resultat passt engem an de Krom....
Selena Mouni: Wahlpflicht in der Verfassung – ein überholtes Relikt in einer modernen Demokratie 
Im Zuge der aktuellen Diskussion darüber, neue Rechte in die luxemburgische Verfassung aufzunehmen – etwa das Recht auf Abtreibung –...
Déi Gréng: arem oder aremséileg? 
Op enger rezenter Pressekonferenz vun deene Gréngen housch et e.a.: “D’Regierung huet hir Prioritéiten an de leschte Méint kloer gesat....

Blog Post

Gesellschaft

Ein  Egotrip – von Venedig bis zum Mudam 

Ein  Egotrip – von Venedig bis zum Mudam
Screenshot Le Monde

Enrico Lunghi, der einstige  Generaldirektor des Mudam Luxemburg, ist kein Unbekannter, wenn es um künstlerische Provokation geht – allerdings oft weniger als Kurator im Dienst der Kunst, sondern vielmehr als Protagonist seines eigenen Egos. Bereits 2009 sorgte er bei der Biennale in Venedig für Furore, als das provokante Projekt „100 Sexes d’Artistes“ von Jacques Charlier, das Lunghi  kuratierte, aus dem offiziellen Begleitprogramm ausgeschlossen wurde. Was für viele ein legitimer  Entscheid war, löste bei Lunghi eine persönliche Eskalation aus. Statt die Entscheidung zu akzeptieren, reagierte er 

Privat/Chat GTP

mit einem demonstrativen Kraftakt:

 

Für satte 240.000 € aus öffentlichen ,  belgischen Mitteln ließ er ein Boot mieten, um auf eigene Faust eine Gegenveranstaltung „auf dem Wasser“ zu organisieren. Unter dem Titel „Libérer Venise“ inszenierte er eine ironisch aufgeladene Phallus-Parade zwischen den Giardini und dem Arsenale – mit der klaren Botschaft, sich über die Biennale lustig zu machen. In seiner Wut beschimpfte er die Veranstalter als feige („la Biennale et la ville de Venise n’ont pas de couilles“) und stilisierte den Vorgang als „religiöse Zensur“.Was wie ein künstlerisches Statement daherkommen sollte,

Screenshot Charlier

entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als ein Akt der persönlichen Kränkung. Ein Egotrip, finanziert mit Steuergeldern, und getarnt als Künstlerischer Widerstand.

Luxemburg – ein Déjà-vu mit Delvoye

Fast 16 Jahre später  scheint sich das Muster zu wiederholen. Diesmal nicht in Venedig, sondern im Herzen Luxemburgs – vor dem Mudam, dem Museum, das Lunghi  selbst leitete. Im Zentrum steht erneut ein Künstler, dem Lunghi besonders nahesteht: Wim Delvoye. Seit  Jahren  von Lunghi  gefördert, protegiert, begleitet und verteidigt, auch gegen alle Widerstände (  Schäissmaschinn, tätowierte Schweine, provokative Kapelle).  Und jetzt  wieder steht eine Skulptur Delwoye’s  im Zentrum. Wieder geht es um Provokation. Und wieder steckt Lunghi mittendrinn.  Diesmal geht’s um ein kopuliererndes Hirschpaar  Delvoye’s, eine Skulptur die   seit einiger Zeit eingelagert und aus dem öffentlichen Raum entfernt  wurde –  

Mudam

ein kuratorischer Entscheid, wie er in jedem Museum der Welt vorkommt.

Doch statt diesen Eingriff als Ausdruck einer veränderten programmatischen Ausrichtung zu akzeptieren, scheint sich erneut der Reflex des verletzten Stolzes zu melden. Und wie damals in Venedig, wird nun wieder über angebliche „Zensur“ geraunt – diesmal nicht öffentlich per Boot in Venedig , sondern mit subtilem Medien-Spin in Luxemburg.  Die grösste Tageszeitung  Luxemburgs widmete dem Thema gleich zwei Seiten – auffällig wohlwollend gegenüber Delvoye und Lunghi , fast schon apologetisch gegenüber dem engen Freundespaar . Zufall? Oder gezielte Einflussnahme eines bestens vernetzten Ex-Mudam-Generaldirektors?

Persönliche Allianzen statt öffentlicher Diskurs

Reaktionen folgen stats einem ähnlichen Muster: Kritik wird pathologisiert, Opposition deligitimiert. Wer anderer Meinung ist, wird entweder ausgebootet oder medial plattgewalzt. Kunstkritik wird als persönlicher Angriff empfunden. Und wer sich gegen seinen Einfluss stellt, läuft Gefahr, in einem Netz aus Loyalitäten und kulturpolitischem Druck zu ersticken.

Dabei wäre gerade in einer offenen Kulturszene Raum für Diskussion, für Reibung, für Kritik. Doch Lunghi, der sich gerne als progressiv und provokant inszeniert, zeigt sich zunehmend autoritär, wenn es um seine eingene Person geht . Der Fall Mudam ist kein Einzelfall sondern Teil eines Musters.  Ob Biennale oder Mudam – wer nicht seiner Meinung ist, wird schnell zur Zielscheibe. Die Öffentlichkeit aber hat ein Recht, zu erfahren, wenn öffentliche Gelder für persönliche Prestigeprojekte instrumentalisiert werden – sei es per Boot in Venedig oder durch mediale Einflussnahme in Luxemburg. Statt demokratischer Auseinandersetzungen erleben wir einen Kulturkampf, in dem die Oeffentlichkeit nur als Mittel zum Zweck dient.

Screenshot/livre Lunghi

Fazit

Kunst darf provozieren, ja , sie muss es sogar. Aber sie darf nicht zum Werkzeug narzisstischer Abrechnungen  werden. Und schon gar nicht finanziert durch öffentliche Mittel und protegiert durch institutionelle Netzwerke. Der Fall Delvoye- Lunghi zeigt, wie problematisch es wird, wenn persönliche Eitelkeiten, alte Allianzen und ein fragiles Künstler-Ego auf öffentliche Institutionen treffen. Kunst darf provozieren. Aber sie darf nicht zum Spielball persönlicher Revanche werden – erst recht nicht mit Steuergeldern.

 

Related posts

Verloossen eng Äntwert

Required fields are marked *