Es wirkt grotesk, wie Isabel Spigarelli und Carole Theisen im Tageblatt den großen Begriff „Pressefreiheit“ instrumentalisieren. Aus der bequemen Sicherheit ihrer Kulturspalten inszenieren sie sich als Verteidigerinnen eines Rechts , das sie selbst nie erkämpfen oder unter realem Risiko verteidigen mussten. Sie behandeln „Pressefreiheit“ wie ein dekoratives Feuilleton-Thema – eine Art stilistische Folie, um einen belanglosen Kulturstreit aufzublasen.
Wahre Einsätze für Pressefreiheit
Wer wirklich für Pressefreiheit sprechen darf, sind Menschen wie Ex-RTL-Journalist Marc Thoma, der gegen 63 Kläger den Kampf um Korruption gewann und in Straßburg ein wegweisendes Urteil erstritt. Oder Rob Roemen, dessen Wohnung und Redaktion durchsucht wurden – ein klarer Verstoß gegen Artikel 10 der Menschenrechte. Auch Whistleblower Raphaël Halet verteidigte in der LuxLeaks-Affäre erfolgreich die Rechte der Presse. Diese Urteile aus Straßburg haben bis heute Bestand: Pressefreiheit schützt vor allem jene Texte, die stören, schockieren, provozieren und Machtmissbrauch offenlegen.

Komfortzone statt Kampfzone
Dagegen mussten Spigarelli und Theisen weder Hausdurchsuchungen noch Verurteilungen ertragen. Sie schreiben risikolos Sonntagsreden, in denen sie harmlose Kulturkritiker zu Helden aufblasen. Heldentum aus zweiter Reihe – mit Pathos, aber ohne Gefahr.Ein 17-jähriger Regisseur reagiert überempfindlich auf Kritik: Daraus wird prompt eine „Gefährdung der Pressefreiheit“ konstruiert. Eine groteske Überhöhung. Das ist nicht nur lächerlich , das ist eine Verhöhnung all jener, die sich wirklich mit Macht, Korruption, krummen Seilschaften und juristischer Einschüchterung anlegen müssen. Die wirklichen Bedrohungen liegen dort, wo Korruption, Geld und Macht im Spiel sind – nicht in Schülerfilmen oder feuilletonistischem Gejammer.
Das Feigenblatt der Sesselschreiber

Entscheidend ist das Eingeständnis der eigenen Position: Kulturjournalismus schreibt aus sicherer Distanz, nicht im Fadenkreuz der Mächtigen. Doch Spigarelli und Theisen kleiden diese Distanz in große Worte, als ob Kulturspalten Bollwerke der Demokratie wären. In Wahrheit verwässern sie den Begriff. Pressefreiheit ist kein Schlagwort für feuilletonistische Befindlichkeiten, sondern eine harte Währung, die mehrfach in Straßburg erkämpft wurde. Wird sie jedoch zur rhetorischen Tapete degradiert, droht sie zu verkommen – zu einem Feigenblatt, hinter dem Konformismus, Bequemlichkeit und Hofberichterstattung gedeihen.
Fazit
Luxemburg braucht keine Gefälligkeitsartikel aus dem Elfenbeinturm der Kulturseiten. Es braucht Journalistinnen und Journalisten, die bereit sind, Risiken einzugehen und notfalls in Straßburg zu kämpfen. Spigarelli, Theisen & Co. gehören nicht zu diesen Stimmen. Ihre Texte sind nicht Kampf, sondern Komfort. Pressefreiheit ist kein Spielzeug für Sesselschreiber – sie ist ein Auftrag an jene, die bereit sind, den Preis zu zahlen.