Am Anfang war das Eisenerz. Das Gold der Roten Erde, das Luxemburg reich machte und den Arbeitern Staub in die Lungen blies. Danach folgte die große Epoche der Banken: diskret, leise, mit Postfächern und Briefkastenfirmen, so unsichtbar, dass man fast glauben konnte, das ganze Land sei nur ein Schließfach.
Doch die Zeiten ändern sich. Heute entdeckt Luxemburg eine neue, glänzende Industrie: die Rüstungswirtschaft. Endlich darf man nicht nur mit den großen Hunden pissen gehen, sondern vielleicht sogar den Hydranten selbst halten. Arbeitsplätze winken – nicht mehr im Stahlwerk, nicht in der Bank, sondern an der Maschine, die das Projektil formt, in der Firma, die Satellitentechnik entwickelt, oder im Labor, das neue Verbundstoffe liefert.
Der Einkaufskatalog 2025 von Luxinnovation „FOR SECURITY AND DEFENCE“, mit freundlichem Vorwort der Verteidigungsministerin, spricht Bände und dokumentiert die neu angestrebte wirtschaftliche Wende:
– Minensuchbakterien, selbstverständlich biologisch abbaubar
– Wolfram-Kerne, erhältlich auch in der praktischen Familienpackung
– Defence Tyres – Militärreifen, demnächst vielleicht auch im Set für Spielzeugpanzer
Aber warum bei Waffen und neuen Technologien aufhören? Die Zukunft ist divers. Wenn wir schon exportieren, dann

auch Prothesen. Erst schießen, dann schienen. Ein perfektes Geschäftsmodell: zweimal kassieren, doppelt moralisch entrüstet, dreifach stolz auf die nationale Sicherheit und Innovationskraft.
Und weil der Luxemburger nichts mehr liebt als ein „Kit“, gibt es jetzt nach dem Energiesparpaket das Verteidigungsset für zuhause. Statt summender Billig-LED-Birnen und des „Douche Bags“ mit Skala enthält es: eine Schleuder aus China, fünf recycelte Stahlkugeln von Valorlux, Sicherheitsnadeln (der Name ist Programm), ein Stückchen Schokolade für den Mut – und zwei rosa Knicklichter, damit man im Blackout wenigstens noch die Toilette findet, auch wenn die Spülung längst nicht mehr funktioniert.
Luxemburg 2.0: vom Eisenerz zur Steuervergünstigung, von der Bank zur Bazooka. Ein kleines Land, das seine Zukunft zwischen Sanduhr, Stahlkugel und Selbstüberschätzung entdeckt hat.
Ernesto Fluni