Oder noch, der an dieser Stelle thematisierte Ausgangspunkt der durchaus aktuellen Debatte: der alltäglich zunehmende Digitalzwang! Nämlich, die – leider zu viel, meint von zu VIELEN – akzeptierte Tatsache ebendieses Digitalzwanges. Der bedeutet: Wenn es keine analoge oder datenschutzfreundliche Alternative zu einem Produkt oder Service gibt, obwohl sie realisierbar wäre, meint der Digitalisierungszwang: Es gibt keine analoge Alternative mehr! Und das ist gewollt, mit Absicht, mit Kalkül, mit Hintergedanken, besonders aber: mit sehr ernst zu nehmenden Konsequenzen! Wie heuer Kunden einer bestbekannten Bank es hierzulande am eigenen Leibe erfahren mussten….
Wir erleben es tagtäglich: Vom Arzt bis zur Behörde – die Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche nimmt bekanntlich ständig zu. Dadurch werden jedoch oftmals ältere und arme Menschen ausgeschlossen. Der deutsche Verband Digitalcourage fordert sehr berechtigt das Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz aufzunehmen. Hierzulande, wie immer: Schweigen im Walde, die Politik fühlt sich nicht zuständig, die Geldinstitute mitnichten verantwortlich, der oder die Einzelne selber schuld, wenn’s daneben geht….

Ja, es mag in unserer modernen, uns diktierten, weil gewollten, digitalen Welt naiv oder illusorisch klingen, trotzdem haben wir alle ein Recht auf ein „entdigitalisiertes“, analoges Leben! Und so mancher sieht das eben genauso: Laut einer rezenten Umfrage eines deutschen Meinungsforschungsinstituts unterstützen 80 Prozent der Bundesbürger die Forderung, der Staat müsste gesetzlich garantieren, dass zentrale Dienste, wie Behördengänge oder Bankgeschäfte auch ohne Internet möglich bleiben sollten. Die beabsichtigte „Digital-Only“- Strategie der Bundesregierung (und das gilt für alle EU-Staaten!) nimmt in Kauf, dass die gut drei Millionen Menschen in Deutschland, die laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamts von 2023 das Internet nicht nutzen, von wichtigen staatlichen und privaten Dienstleistungen ausgeschlossen werden. Und das gilt eben im Prinzip auch hierzulande, wo so manche älteren Zeitgenossen, die nicht netzaffin sind, sich vom Internet bestimmten Alltag überfordert, gar abgekapselt fühlen, ja zu Außenseitern werden. Unser Nachbarland wird deshalb auch politisch deutlich: Die Senioren-Union verabschiedete im August dieses Jahres auf ihrer Bundesdelegiertenversammlung ein Magdeburger Memorandum. Darin fordern sie die CDU und die Bundestagsfraktion der Union auf, sich entgegen dem Koalitionsvertrag für ein Recht auf ein analoges Leben einzusetzen. Behördengänge, Bankgeschäfte (hochaktuelles, weil brisantes Topic!) und die Teilhabe am Alltag müssten auch künftig ohne Internetzugang möglich bleiben. Das erwähnte Meinungsforschungsinstitut Civey nahm diese Forderung zum Anlass für eine Online-Meinungsumfrage. 79,8% der Teilnehmer unterstützten die Forderung mit der Antwort „Ja, auf jeden Fall“. Weitere 6,7% antworteten mit „Eher ja“. Nur elf Prozent lehnten die Forderung klar oder eher ab. Das macht deutlich, dass die generell von sämtlichen EU- Regierungen nicht öffentlich eingestandene, jedoch klar verfolgte Strategie der erzwungenen Digitalisierung nur vorgeblich im Interesse der Bürger ist. Alles easy, alles sicher, ein Must für die Zukunft – alles mit Kalkül und klarer Zielsetzung! Tatsächlich verfolgen die Regierungen weltweit damit die Interessen der großen Digitalkonzerne, neben ihren evidenten Kontroll – und Überwachungsabsichten, vor allem jedoch jene der US-Geheimdienste, die auf alle Daten der US-Digitalkonzerne zugreifen können.
Man respektiere nicht nur die bestehenden digitalen Rechte als eine Erweiterung der Menschenrechte für das Internetzeitalter, jedoch gleichwohl ein zumindest teilweises, optionales Recht auf ein analoges Leben. Die hochaktuelle Debatte im Kontext des Bankkundenschutzes ist ein klares Beispiel dafür – andere Bereiche werden noch folgen…
Magdeburg – Luxemburg?