Es gibt Momente, in denen man sich als Leser und Bürger tatsächlich veräppelt vorkommt, wie heuer im Rahmen des Bommeleeër-Bis Prozesses. Dann nämlich, wenn man im rezenten Wort-Titel der beachtlichen Berichterstattung von Steve Remesch zu diesem Gerichtsprozess die provokative Aussage eines Anwalts lesen muss, der sinngemäß die Wichtigkeit des ganzen „Bommeleeërs“ verharmlost. Dessen Aussage gipfelt dann in der Feststellung, dass diese Affäre „nur“ ein „Türmchen der Cegedel, der umgefallen“ sei, darstellen würde. Einfach umgefallen, wie von selbst, wohl wie die vielen kranken Bäume als Folge des damals bereits beginnenden Klimawandels?

Abgesehen davon, dass da, wie wir wissen, so vieles mehr war als das, was von Seiten der Verteidigung eines in diesem Prozess Angeklagten stark verharmlosend vorgetragen wurde, stattgefunden hat, müsste auf diese höchst diskutable Aussage wohl eine entsprechend deutliche Reaktion zu erwarten sein. Oder ist diese evidente, durchaus sehr ernst zu nehmende Anschlagsserie, die vor rund 40 Jahren das Land in Aufregung versetzte, tatsächlich als harmloser Schabernack, der als übermütiger Streich irgendwelcher Querköpfe einzuordnen ist, der dann wohl so hochgespielt wurde, dass diese Spielchen ihre zum Teil sehr persönlichen Konsequenzen mit Anklagen und Verdächtigungen bis in die höchsten Kreise unseres Staates nach sich ziehen konnte? Oder handelt es sich tatsächlich um eine Staatsaffäre, die so Prosper Klein in seiner damaligen, wohl richtungsweisenden, sehr deutlichen Aussage: “De Bommeleeër ass eng Staatsaffär, déi net opgeklärt ginn dierf”?
Wie ernst diese kriminellen Anschläge in der Tat waren und wie wichtig dieser Bommeleeër-Prozess im Interesse des Wahlvolkes in dessen Gesamtheit eben ist, kann man in der langjährigen, intensiven Berichterstattung der Medien verfolgen, besonders derjenigen der investigativen Journalisten Marc Thoma und Nico Graf, die immer und unermüdlich am Ball blieben. Zitat „Wort“ vom 14.03.2017: (jag) – „Da stapfen sie wieder durch den Wald, die beiden tapferen RTL-Journalisten Marc Thoma und Nico Graf.“ Ihr Einsatz war natürlich bedeutend mehr als nur ein Waldspaziergang…
Hätte man sich der „Staatsraison“ unterworfen und den Kopf in den Sand gesteckt – wie das wohl „von Oben“ gewollt war – so würde man heute längst nicht mehr von diesen durchaus ernsten Verbrechen sprechen. Funktioniert so eine liberale Demokratie, gar ein Rechtsstaat? Omertà, Vertuschen, Verschweigen, Lügen, kollektive Amnesie – alles live und in Farbe im Rahmen dieses spektakulären und wohl in unserem Ländchen einmaligen Prozesses erlebt!

Schade nur, dass wir die 421-Seiten starken „Conclusions et plaidoirie“ des sehr vermissten Me Gaston Vogel im Rahmen des eigentlichen Bommeleeër -Prozesses nie hören werden, in denen besonders eine klare Frage im Mittelpunkt steht, nämlich die des „Who stood behind?“, die schon mal eine deutliche Antwort beinhalten könnte, verbunden mit der Frage, wen man denn tatsächlich bestrafen muss, oder …darf?
Egal wie: Man vergesse nicht, dass wir Steuern zahlendes Wahlvolk ein absolutes Recht auf eine endgültige Aufklärung dieser seit gefühlt ewigen Zeiten währenden Affäre haben, wohlwissend, dass es jene durchaus gibt, die alle Antworten im Detail kennen…
Denn eines dürfte klar sein: „Et wor net keen“!