Die Fällung und Zerstörung der über 500 Jahre alten Winterlinde – der Wëll Lann – ist ein kommunales und kulturelles Armutszeugnis. Ein Baum von solcher historischer, ökologischer und symbolischer Bedeutung wurde ohne zwingende Not komplett zerstört. Dabei hätte zumindest sein Stamm, auch blattlos, als Zeugnis weiterbestehen können. Die Gemeinde hat nicht nur einen Baum beseitigt, sondern lebendige Geschichte ausgelöscht.
Die Wëll Lann war kein bloßes Naturphänomen. Sie war ein lebendes Denkmal – Zeugin zahlloser Generationen, stille Begleiterin der Kapellengeschichte, fest verwurzelt im kollektiven Gedächtnis des Ortes. In einer Zeit, in der jede zweite politische Sonntagsrede von der Bedeutung der „Erinnerungskultur“ spricht, ist es geradezu grotesk, wie man mit einem Symbol eben jener Kultur umgegangen ist. Die Wëll Lann war mehr als nur ein Baum. Sie war ein Ort der Erinnerung, ein stilles Zeichen von Frieden, Beständigkeit und Identität.

Bereits nach dem Unwetter von 2006, das ihre Krone beschädigte, wäre ein Erhalt möglich gewesen. Fachleute wissen: Alte Bäume lassen sich stützen, konservieren, sichern.

Baamstamm wéi en hätt kennen erhalten bleiwen als Monument / Phot Jeannot Weber
Es fehlte nicht an Mitteln, sondern am politischen Willen und am kulturellen Bewusstsein. Gerade in einer Gemeinde, in der jeder Kreisverkehr zum „Ort der Begegnung“ erklärt wird, ist es beschämend, dass ein echtes, wertvolles Denkmal dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Heute wird in offiziellen Dokumentationen stolz ein leerer, langweiliger Platz präsentiert, wo einst ein Naturwunder stand. Es wirkt, als sei Geschichte nur dann willkommen, wenn sie sich dekorativ ins Bild fügt. Der Stamm, der als Mahnmal hätte bleiben müssen, wurde behandelt wie wertloses Altholz. Der Baum hätte bleiben müssen – als Torso, als Säule der Erinnerung, als Zeichen von Beständigkeit in einer rastlosen Zeit. Stattdessen entschied man sich für die banalste, armseligste Lösung: Motorsäge, Abtransport, Bagger, Gras drüber.
Mit der Zerstörung der Wëll Lann verliert Clemency ein Stück seiner Geschichte. Ein Ort lebt nicht nur von seinen Menschen, sondern auch von seinen Symbolen, seiner Vergangenheit. Wer den alten Baum zerstört, zerstört mehr als Holz. Er zerstört Verbindung, Verwurzelung, Erinnerung.
Die Verantwortung liegt klar bei der Gemeinde. Politische Bekenntnisse in Sonntagsreden zur „Erinnerungskultur“ verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn dort, wo diese Kultur konkret gelebt werden könnte, respektlos mit ihr umgegangen wird.
Sicherheitsbedenken als Vorwand sind fadenscheinig. Ein knorriger, imposanter 500 Jahre alter Baumstumpf mit kleinem Zaun und Hinweisschild wäre ein glaubwürdiges, lebendiges Monument direkt neben der historischen Kapelle gewesen. Mitnichten! Ein trostloser, kurz geschnittener Rasen mit einer lächerlichen „Installation“ einiger glattgeschorener Holzstämme aus jungen Bäumen ist in diesem Trauerspiel eine armselige, kommunale Posse.

Just niwendrunn stoung die 500 Joer al Lann.
De Combel: sie haten de Culot souguer des Erklärung vun „outdoor projects“ vun der Holzfirma un die 6 Baamstänn unzebréingen.


Dass dies offenbar ohne nennenswerten Widerstand geschah, macht den Fall umso bitterer. Wo waren die Stimmen aus der Gemeinde, wo die Mahner aus der Politik, wo die Kulturverantwortlichen?
Die Zerstörung der Wëll Lann ist eine Schande – für die Verantwortlichen, für die Gemeinde und für ein Land, das sich gern auf seine Traditionen beruft. Die Wëll Lann ist nicht mehr da. Aber vielleicht kann ihre Zerstörung ein Mahnmal werden – dafür, wie achtlos man mit der eigenen Geschichte umgeht. Und wie sehr wir noch lernen müssen, dass Denkmäler nicht nur aus Stein gebaut sind.
Marc Thoma / Paul Bleser / Jeannot Weber
De Marc Thoma huet zum Pënsel gegraff an zesumme mat Chat GPT dës Wierker zesummegestallt.. Bei engem Baam vu 500 Joer kënnt een un d’Dreemen.

Oder dat heite Bild

an nach déi eleiten Zeen

Wien hätt dat heite scho gestéiert?

erhalen. Hätt esou gut wéi guer näischt kaacht an de Bezuch zur historescher Kapell wire erhale bliwwen.