Am 28. Juni strömten sie – ob vierzehn- oder fünfundzwanzigtausend, wer zählt das schon bei Volksbewegungen? – Richtung Knuedler. Und während die Masse marschierte, wollte er, der Herr Staatsminister, sich weit von ihnen entfernen. Ein Spaziergang im Wald schien ihm angemessener als das Gespräch mit dem Souverän. Doch dann, immerhin, reagierte er – und hatte natürlich alles sehr genau verfolgt. Vielleicht hörte er den Wind in den Bäumen. Vielleicht spürte er den Druck.
Die Beziehung zwischen diesem Mann und seinem Wahlvolk bleibt eher doch, sagen wir: belastet. Einst war ihm das Parlament zu gering, die Menschen zu gewöhnlich. Heute, da er, der „Neue Luc“, an der Spitze steht, ringt er sichtlich – nicht nur mit der Sprache der Nähe, sondern mit der Nähe selbst. Politik, so scheint es, ist für ihn eher Management als Mandat. Er, der CEO der Firma Großherzogtum…
Und so startet er, etwas linkisch, nun wohl seine Charmeoffensive. Doch wem will er da eigentlich etwas vormachen? Der Schatten eines Jean-Claude Juncker liegt zu lang, das Volksverstehen, die Nähe zum Normalo dieses Landes, eines Jacques Santer zu weit entfernt. Das C und das S seiner Partei? No comment! Ausstrahlung kann man nicht simulieren, nicht klassisch „erlernen“ – auch nicht mit Rhetoriktrainings oder kommunikativem Wohlfühlvokabular. Was bleibt, sind Sachthemen, Zahlen, Kompromisse. Das ist Friedens Terrain, da fühlt er sich wohl.
Renten, Sonntagsarbeit, Verteidigungsbudgets – dies wird (eben) sein Terrain sein. Hier wird er „Lösungen“ präsentieren, wahrscheinlich jene typisch kalkulierten Entlastungsformeln, wie sie von neoliberaler Handwerkskunst geprägt sind. Taktisch vorgeprescht – und das zu aller Überraschung, sowohl für seine Partei als auch eines verdutzten Koalitionspartners in Erklärungsnot – ist er ja schon mal. Das natürlich mit heftigen Reaktionen – siehe seine mehr als fragwürdigen „Lösungsvorschläge“ in Sachen Rente – sehr wohl mit Kalkül? Oder sollte er, der Chef, uns tatsächlich noch überraschen? Doch ob Partei, Gewerkschaften oder Volk diese Rezepte schlucken werden, steht in den Sternen. Denn Nähe ist keine Haushaltsfrage, da sind andere, natürliche Fähigkeiten gefragt.
Es ist jene stille Sehnsucht nach glaubwürdiger Führung, die dieser Protest sichtbar machte. Nicht übertrieben laut, sicherlich nicht hysterisch., sondern einfach: entschlossen! Und man wird sehen, ob der Mann, der anscheinend lieber im Wald spazieren gehen als auf dem Knuedler sprechen würde, das Raunen seines aufgebrachten Volkes künftig besser vernimmt.
Man darf jedenfalls – wie immer – gespannt sein…
Zitat: “Der Schatten eines Jean-Claude Juncker liegt zu lang,”
So hell kann das Lichtlein eines “neien Luc” nicht leuchten, als dass es in Jean-Claude’s Schatten überhaupt zu sehen ist, geschweige denn einen Weg hinaus beleuchten tut.
Luc Friedens Beifall heischende Statements verstummen klanglos, so wie der oft zitierte “Schrei im Weltall”.