Der luxemburger Staat investierte zwischen 2015 und 2025 via Film Fund mehr als 384 Millionen Euro in den audiovisuellen Sektor. Das ist keine Randnotiz im Staatshaushalt. Das ist eine politische Grundsatzentscheidung von erheblicher Tragweite. Und dennoch bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wer kontrolliert eigentlich, wohin dieses Geld tatsächlich fließt – und was davon nachhaltig zurückkommt?
Laut dem Luxemburger Wort vom 12. Februar 2026 („Die ‚Capitani‘-Macher kommen auf 58,8 Millionen Euro aus dem Film Fund“) wird unter Verweis auf eine parlamentarische Anfrage des Piraten-Abgeordneten Marc Goergen ein sensibles Kapitel in Sachen Film-Fund-Millionen aufgeschlagen. Die veröffentlichten Zahlen werfen erneut grundlegende Fragen zur Struktur, Transparenz und Kontrolle der staatlichen Filmförderung auf.

58,8 Millionen Steuergelder an eine einzige private Firma

Allein die private Produktionsfirma Samsa Film erhielt im Zeitraum 2015–2025 rund 58,8 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern über den Film Fund. Das entspricht über 15 Prozent des gesamten Projektvolumens.
Dass via Film Fund, in dem über 2 ½ Jahrzehnte hinweg wenige Akteure konstant einen erheblichen Anteil diese Fördermittel erhalten, müsste längst die Kontrollinstanzen auf den Plan gerufen haben. Indem immer wieder dieselben Produzenten-Namen unter den Hauptempfängern erscheinen ( Samsa, Iris, Amour Fou, Fabrique d’images, Bidibul, Melusine , Films Fauves, Deal Productions, Tarantula, Paul Thilges Productions), handelt es sich nicht mehr um statistischen Zufall, sondern um ein strukturelles Muster.
Artikel 9: Rückzahlungen nur theoretisch?
Artikel 9 des Filmfördergesetzes von 2014 sieht ausdrücklich vor, dass Einnahmen aus der Verwertung geförderter Filme anteilig an den Film Fund zurückfließen müssen. Fördergelder sind demnach nicht als reine Subvention konzipiert, sondern als rückzahlbare Beteiligung unter bestimmten Bedingungen.
Doch wo sind diese Rückflüsse konkret dokumentiert? Wenn Millionen über Kinoauswertungen, Fersehsender, Streamingplattformen und internationale Verkäufe generiert werden – warum sind nennenswerte Rückzahlungen in aggregierter, transparenter Form öffentlich nicht nachvollziehbar? Hier geht es nicht um künstlerische Bewertung. Es geht um haushaltsrechtliche Verantwortung und um die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen.
„Luxemburger Filmindustrie“ – Alibi oder Realität?

Der Begriff „Luxemburger Filmindustrie“ wird seit Jahren gebets-mühlenartig überstrapaziert, um die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors zu untermauern. Kritiker bezweifeln jedoch die wahre Präsenz einer real existierenden Filmindustrie in Luxemburg .
Wie viele dauerhafte Vollzeitstellen (CDI) existieren tatsächlich im Land? Wie viele Arbeitsplätze sind projektbezogen und enden mit Abschluss der Produktion? Wie viele Beschäftigte sind dauerhaft in Luxemburg ansässig, und welcher Anteil entfällt auf internationale Koproduktionsstrukturen?
Solange diese Zahlen nicht transparent, präzise und überprüfbar veröffentlicht werden, bleibt der Begriff „Industrie“ eine hohle Nuss. Denn wirtschaftspolitische Argumente erfordern belastbare Daten.
Fragwürdige Verflechtungen
Ein weiterer sensibler Punkt betrifft mögliche wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Produktionsfirmen und Servicegesellschaften. Wenn private Produktionsfirmen staatliche Fördergelder in Millionenhöhe erhalten und sich Leistungen innerhalb verbundener Strukturen beschaffen, entsteht der Eindruck eines geschlossenen wirtschaftlichen Kreislaufs. Ohne vollständige Offenlegung von Beteiligungsverhältnissen und Abrechnungsstrukturen bleibt das System angreifbar – und öffnet Raum für Spekulationen, die eine seriöse Kulturpolitik unmöglich tolerieren kann.
Politische Verantwortung und Governance

Hier geht es nicht um Kunstkritik. Es geht um Governance.
Der zuständige Minister ( Thill) trägt die politische Verantwortung für Transparenz, Evaluierung und eine faire, nachvollziehbare Verteilung der Mittel.
Wenn sich über Jahrzehnte hinweg erhebliche Mittel bei wenigen Akteuren konzentrieren, wenn Rückflüsse kaum sichtbar sind, wenn Beschäftigungszahlen unklar bleiben und wenn unabhängige Evaluierungen fehlen und nicht veröffentlicht werden, dann handelt es sich nicht um eine Geschmacksfrage, sondern um ein strukturelles , seriöses Governance-Problem.

Das Parlament im Blindflug
Von den 60 Abgeordneten der Chamber verfügen bislang nur wenige über eine vertiefte Kenntnis der komplexen Fördermechanismen zwischen privaten Produktionsfirmen und dem Film Fund. Parlamentarische Kontrolle darf sich jedoch nicht auf Einzelinitiativen beschränken. Doch leider tut sich das Parlament bis dato schwer ,seiner Kontrollfunktion in Sachen Film Fund in ausreichendem Masse gerecht zu werden. Notwendig wären unter anderem: – eine vollständige Veröffentlichung aller Rückzahlungsdaten gemäß Artikel 9 pro Projekt – eine unabhängige Evaluierung der Förderstruktur – eine Analyse der Marktkonzentration – eine transparente Darstellung der realen wirtschaftlichen Effekte im Inland.
Kulturpolitik darf kein intransparentes Subventionssystem sein. Sie muss sich an klaren Kriterien messen lassen .384 Millionen Euro sind kein kulturelles Taschengeld. Es ist öffentliches Geld. Und öffentliches Geld verlangt öffentliche Rechenschaft. Und das dringend !!!