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Kultur

Berlinale: Hofberichterstattung im Festivallook 

Berlinale: Hofberichterstattung im Festivallook
Im Windschatten der Macht Photo Luxemburger Wort

Der zweiseitige „Luxemburger Wort“-Artikel vom 18. Februar 2026 über die Berlinale, verfasst von LW-Mitarbeiterin Nora Schloesser, liest sich wie ein offizielles Delegationsprotokoll. Eine Art klassische Hofberichterstattung: geschniegelt und wohltemperiert. Premierminister Frieden, Kulturminister Thill, Film-Fund-Verantwortlicher Daleiden und einige Produzenten – alle kommen zu Wort. Alle werden zitiert. Alle erscheinen im besten Licht.

Was als Wort-Reportage verkauft wird, ist in Wahrheit eine redaktionell verkleidete Regierungsbegleitung. Der Text ist ein Musterbeispiel für journalistische Selbstentkernung. Politische Narrative werden kritiklos übernommen, Standort-Rhetorik wird reproduziert und ministerielle Selbstdarstellung wird als Information verkauft. Statt die öffentlichen Verantwortungsträger kritisch zu hinterfragen, übernimmt Nora Schloesser deren Perspektive widerspruchs- und kritiklos.https://bit.ly/46iGFSP

Millionen à Gogo

Über 384 Millionen Euro an staatlichen Fördermitteln wurden in den vergangenen zehn Jahren über den Film Fund an Produzenten privater Firmen verteilt – die sich nun zum Teil in Berlin präsentieren. Das ist kein kulturromantisches Detail, sondern eine fiskalische Realität. Wo öffentliche Millionen fließen, beginnt nicht die Wohlfühlzone. Dort müsste die Kontrollpflicht mit kritischen Fragen – strukturellen, politischen und finanziellen – dominieren.

Chat/GTP

Doch im Wort-Artikel herrscht andächtige Einigkeit. Bilder der Harmonie dominieren, Zitate der Selbstbestätigung ersetzen Analyse. Ein Premier, der sich im Glanz der internationalen Bühne gefällt. Ein Kulturminister, der seine Rolle als politische Kontrollinstanz zugunsten repräsentativer Selbstvergewisserung aufgibt. Kein einziger Moment kritischer Einordnung seitens der Wort-Mitarbeiterin.

Wenn Journalismus zur Staffage wird

Positive Berichterstattung ist nicht per se ein Problem. Das Problem ist das vollständige Fehlen einer Gegenperspektive. Wenn ein Minister sagt: „ Luxemburg verteidige Werte und stärke den Standort “, dann ist das eine politische Aussage. Der Wort-Artikel klingt, als gehöre Frau Schloesser selbstverständlich zur Delegation. Als sei ihre Aufgabe nicht Kontrolle, sondern Repräsentation.

Zu bekannt ist die Tatsache, dass private Produzenten, Film Fund und politische Spitze in einem kleinen nationalen Geflecht eng miteinander verflochten sind. Luxemburg ist kein anonymer Großmarkt. Man kennt sich. Man begegnet sich. Man arbeitet zusammen. Man verfolgt gemeinsame Strategien, um an erhebliche öffentliche Gelder zu gelangen. Gerade deshalb müsste journalistische Unabhängigkeit besonders sichtbar sein. Gerade deshalb wären kritische Fragen vonnöten. Gerade deshalb müsste Transparenz Priorität haben. Doch das Gegenteil ist der Fall.

“Gone with the wind”

In Schloessers Lobeshymne findet sich kein Wort zur Debatte um die Anwendung des Rückzahlungsfaktors zwischen 0,5 und ,5. Kein Wort zur zentralen Frage, wie viel vom investierten Steuergeld (ca. 45 Millionen € pro Jahr) an die Produzenten tatsächlich wieder in die Staatskasse zurückfließt. Das sind keine Randaspekte. Das sind Kernfragen der öffentlichen Rechenschaft. Doch statt journalistischer Nachfrage gibt

Chat/GTP

es bei der Wort-Schreiberin zustimmendes Kopfnicken. Statt Recherche gibt es sorgfältig arrangierte PR-Berichterstattung. Sie liefert das dekorative Narrativ, das die Politik benötigt, um dem Steuerzahler Kultur als Erfolgsgeschichte zu verkaufen.

Nähe statt Kontrolle

Schloesser scheint im Berliner Rot-Teppich-Milieu, zwischen Schnittchen und Champagner, vollständig entgangen zu sein, dass das Luxemburger Wort weder Filmproduzent noch Regierungsorgan, weder Film Fund noch Delegationsmitglied, sondern schlicht und einfach eine Zeitung ist, deren Aufgabe in erster Linie darin besteht , kritische Berichterstattung zu gewährleisten. Die Reduktion auf Erfolgsmeldungen und repräsentative Symbolik erfüllt ihre demokratische Funktion nur dann, wenn sie Macht nicht begleitet, sondern überprüft. Wenn sie Fragen stellt, statt Zitate zu arrangieren.

Ein Lehrstück des Versagens

Schloessers Artikel ersetzt kritische Distanz durch demonstrative Nähe zu Politik und Glamour. Er zeigt exemplarisch, wie journalistische Funktion mit repräsentativer Begleitung verwechselt werden kann. In einer Journalistenschule könnte der geschniegelt wirkende Text als Fallstudie dienen – als Beispiel dafür, wann Berichterstattung als PR im redaktionellen Gewand kippt. Wann seichter Journalismus zur Farce verkommt und an die Komfortzone der Macht andockt. Die Berichterstattung à la Schloesser ist kein Ausrutscher. Es ist penibler Kulissenjournalismus zum Nachteil des aufgeweckten Wort-Lesers, der Besseres verdient hat.

Und genau das ist das eigentliche Trauerspiel.

Henri Fischbach

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